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Pantani gewinnt Giro d'Italia - Letzte Etappe fiel ins Wasser

07.06.98 - Marco Pantani (Mercatone Uno) gewann am Sonntag in Mailand den 81. Giro d'Italia. Die 22. und letzte Etappe des Giro von Lugano nach Mailand, auf der Pantanis Rosa Trikot traditionsgemäß nicht mehr angegriffen wurde, war wegen
starken Regens verkürzt worden. Von den ursprünglich vorgesehenen 13 Runden auf dem Stadtkurs rund um den Mailänder Parco Sempione wurden nur 10 absolviert und die Zeit war bereits beim ersten Überfahren der Ziellinie genommen worden, weil die Jury ein 3.800km langes Rennen nicht von Zufälligkeiten auf einem gefährlich rutschigen Innenstadtkurs entscheiden lassen wollte. So rollte das Feld gemächlich durch Mailand und erst ab 5km vor dem Ziel konnte man von einem Rennen sprechen.

Zehn Mal rollte das Feld der 94 Rennfahrer, die von den in Nizza ursprünglich 162 Gestarteten noch übrig geblieben sind, über den winkligen Kurs in Mailand, aber bei strömenden Regen konnte von "gemütlicher Fahrweise" keine Rede sein.

Bewegung kam ins Feld erst auf der letzten der insgesamt 10 mal zu absovierenden, 6,5km langen Runden. Maurizio Pasquale (Amore Vita) versuchte eine kleine Attacke, kam aber nicht weit weg vom Feld. Kurz danach versuchten es noch Pasquales Teamkollege Patuelli, sowie Nicola Loda (Ballan) und schließlich der

Marco Pantani

Geboren 13.01.1970 in Cesena.
1,72 m, 54 kg
Wohnort: Cesenatico

Profi seit 1992
Teams: Carrera (92-96), Mercatone Uno (seit 97)

Größte Erfolge:
Giro d'Italia 1998, 4 Giro-Etappensiege (1994 und 1998 je zwei), 4 Tour de France-Etappensiege (1995 l'Alpe d'Huez und Guzet-neige, 1997 in l'Alpe d'Huez und Morzine), 1 Etappe der Tour de Suisse 1995, Etappensieg bei der Vuelta a Murcia 1998, Zweiter im Gesamtklassement beim Giro 1994, Gesamtdritter bei der Tour 1994 und 1997, Dritter der WM in Kolumbien 1995. Sieg beim "Baby-Giro" der Amateure 1992.

Spanier Jose Luis Rubiera (Kelme), der beinahe noch einen kleinen Vorsprung ins Ziel gerettet hätte, aber wenige Meter vor dem Ziel von dem heranjagenden Feld noch eingeholt wurde.

Sticheleien zum Abschluß

Nachdem Tonkov nach Auskunft einiger Journalisten gesagt haben soll, daß der Italiener Pantani in Italien nicht nur zum Schluß einige Vorteile gehabt habe, gab es zum Abschluß des Giro noch ein paar Mißtöne. Pantani konterte: "Ich kann nicht glauben, daß er das gesagt hat. Es ist nicht wahr, ich schwöre es."

Und Pantani setzte gleich einen obendrauf: "Wenn Tonkov gewonnen hätte, wäre das eh nicht verdient gewesen. Er hat ja nie angegriffen, nicht mal als ich gestürzt bin."

Den Sprint des Feldes gewann wie bereits bei der Etappe am Freitag Gian Matteo Fagnini (Saeco), der nach den harten Dolomiten-Etappen einer der wenigen im Feld verbliebenen Sprinter ist.

Marco Pantani fuhr seine "Ehrenrunde" von Lugano nach Mailand und wurde dabei begeistert gefeiert von den seinen Fans. Trotz strömenden Regens säumten Hunderttausende die Strecke, viele Tifosi hatten sich sogar wie ihr Held den Schädel rasiert.

Glatzköpfig erschien am Start der Etappe auch Pantanis gesamtes Team, inklusive Mechaniker und Pfleger, die damit ihr Versprechen einlösten, daß sie für den Fall des Giro-Triumphes von Pantani abgegeben hatten.

Für Marco Pantani ist sein erster Sieg bei einer großen Rundfahrt eine ganz besondere Genugtuung. Der 28jährige war in seiner Karriere immer wieder durch Stürze und schwere Unfälle wie dem bei Milan-Turin 1995 zurückgeworfen worden. In den letzten 10 Jahren hatte Pantani sich Schlüsselbein, ein Handgelenk, einen Arm, ein Bein sowie mehrere Rippen gebrochen. Hinzu kamen zwei Gehirnerschütterungen und eine verrenkte Schulter. Aber immer wieder hatte sich der kleine, manchmal etwas eigensinnige Kletterkünstler aus Cesenatico an die Weltspitze herangekämpft.

Dennoch sagte man ihm stets, er könne nun mal keine große Rundfahrt gewinnen wegen seiner (physiognomiebedingten) Defizite beim Zeitfahren. Als er jedoch am Samstag völlig überraschend Tonkov beim Zeitfahren standhielt, war das der Giro-Sieg. "Es war ein Wunder", so Pantani. Die Basis dieses Wunders legte er jedoch selbst mit seinen Attacken in den super-schweren Dolomitenetappen, wo er seine Konkurrenz spektakulär in Grund und Boden fuhr und zwei Etappen gewann.

Am späten Sonntag Nachmittag verließ Marco Pantani Mailand, um an einem geheimen Ort seinen Triumph mit Familie und Team zu feiern. Allzu lange wird die Party jedoch nicht gehen: der Italiener hat schon angekündigt, auch bei der in vier Woche beginnenden Tour de France angreifen zu wollen: "Ich glaube, es ist möglich, Giro und Tour in einem Jahr zu gewinnen."


Stimmen: Tonkov, Zülle, Guerini, Pantani

  • Pavel Tonkov (Zweiter in der Gesamtwertung)

    "Ich habe mein Äußerstes gegeben bei diesem Giro. deswegen bin ich über meinen zweiten Platz auch nicht allzu enttäuscht. Sicher, ich bin hergekommen, um zu gewinnen, aber ich hatte es mit einem sehr starken Pantani zu tun. Ich gratuliere ihm. Ich hätte nicht gedacht, daß Pantani zu so einer Leistung wie beim letzten Zeitfahren fähig ist."

    "Ich werde jetzt als nächstes die Tour de Suisse mit Camenzind fahren. Danach mache ich erst mal eine Pause. Die Tour werde ich nicht fahren, aber ganz sicher die Vuelta im September."

  • Alex Zülle (14. der Gesamtwertung)

    "Das Ergebnis ist nicht das, was ich erhofft hatte. Ich habe drei Etappen gewonnen, aber mein Ziel war das Maglia Rosa. Bevor ich etwas über die Gründe meines Abschneidens hier sage, will ich erstmal die genauen Ergenisse der [sportmedizinischen] Untersuchungen abwarten. Ich beende den Giro mit zwei Kilogramm unter meinem optimalen Gewicht.

    "Jetzt geht es um die Tour de France. Ich habe noch mehr als einen Monat um mich vorzubereiten und um in Dublin mit guter Form zu starten. Ich fahre jetzt als nächstes die Route du Sud (27.-30.06.) und dann die Schweizer Meisterschaft (05.07.)."

  • Giuseppe Guerini (Dritter in der Gesamtwertung)

    "Ich habe bewiesen, daß mein dritter Platz im Vorjahr kein Zufall war. Aber vom dritten Platz bis zu einem Giro-Sieg ist es noch sehr weit. Ich sehe mich nicht auf einer Stufe mit Pantani und Tonkov. Die Tour werde ich nicht fahren, mein nächstes Ziel ist es, für das italienische WM-Team ausgewählt zu werden."

  • Marco Pantani (Giro-Sieger 1998)

    "Ich habe attackiert, wann immer es ging. Vor dem Start in Nizza hat mir mein Teamkollege Roberto Conti gesagt: 'wenn Du diesen Giro gewinnst, ist das eine Sensation, wenn Du nicht gewinnst, ist das normal, weil der Kurs günstiger für Zülle ist'. Zülle hat verloren, aber hauptsächlich deswegen, weil er den Giro nicht kannte. Er hat stürmisch begonnen, aber bei den großen Etappen in der letzten Woche hat er dafür bezahlt. Ich muß aber sagen, ich hätte einen solchen Einbruch von ihm nicht erwartet. Als Zülle mich beim Zeitfahren in Triest überholt hat, war das ein ziemlicher Schlag für meine Moral. Er war so schnell, daß ich für einen Moment daran zweifelte, daß ich ihn schlagen könnte. Aber ich habe schnell den Ehrgeiz wiedergefunden, erneut zu attackieren."

    "Es ist möglich Tour und Giro zu gewinnen"

    "Es ist jetzt für mich die vor allem die Frage, ob ich nach all dem Stress beim Giro wieder ganz erholen kann. Ich glaube aber, es ist möglich, bei Giro und Tour zu gewinnen. Schließlich habe ich 1994 auch beide Rennen auf dem Podium beendet [1994 war Pantani 2. beim Giro hinter Berzin und Dritter bei der Tour hinter Indurain und Ugrumov. --Die Red.]. Das Gelbe Trikot hängt von vielen Dingen ab. Ich weiß nicht, ob ich im Juli mit derselben Entschlossenheit und derselben Energie fahren werde wie beim Giro. Aber ich will daran im Moment auch gar nicht denken. Lasst mir doch ein bißchen Zeit, den Giro-Sieg zu genießen!"



    Ergebnisse - Endstand Giro d'Italia 1998

    06.06.98 Pantani vor dem größten Triumph seiner Karriere
    05.06.98 Helfer Fagnini genießt seine Stunde im Rampenlicht
    04.06.98 19. Etappe: Pantani fantàstico
    03.06.98 18. Etappe: Pavel Tonkov: "Jetzt will ich den Sieg"
    02.06.98 Giro: "So einen harten Berg bin ich noch nie im Leben gefahren"
    01.06.98 Giro: Der Held des Tages geht leer aus
    31.05.98 Giro: Präzise wie ein Schweizer Uhrwerk: Zülle gewinnt Zeitfahren
    30.05.98 Giro: Der "Pirat" geht zum Angriff über, aber Zülle bleibt cool
    29.05.98 Giro: Asics-Triumph in Schio - Etappensieg an Bartoli, Rosa für Noe
    28.05.98 Doppel-Schlag beim Giro: Laurent Roux gewinnt Etappe und Rosa Trikot
    27.05.98 Andrea Noe überrascht Pantani, Zülle hat alles unter Kontrolle
    26.05.98 Cipollini mit neuem Amulett schreibt Giro-Geschichte
    25.05.98 Giro: Päpstlicher Segen half auch dem Protestanten Magnusson
    24.05.98 Giro: Super-Mario zum Dritten: "Cipolla" nicht zu schlagen
    23.05.98 Giro: Super-Mario holt den 23. Giro-Tageserfolg seiner Karriere
    22.05.98 Giro: Alex Zülle macht Ernst - War das schon die Vorentscheidung?
    21.05.98 Giro: Cipollini und Bartoli am Ziel ihrer Träume
    20.05.98 Giro: Miceli staubt Etappensieg ab, Michele Bartoli verpasst erneut "Rosa"
    19.05.98 Giro: Sprintsieg für Nicola Minali, Alex Zülle fürs erste ohne Rosa Trikot
    18.05.98 Angel Edo gewinnt zweite Giro-Etappe
    17.05.98 Mariano Piccoli narrt die Sprinter-Teams
    16.05.98 Auftakt nach Maß: Alex Zülle gewinnt den Giro-Prolog
    15.05.98 Start des Giro d'Italia: 3.830 Kilometer, 22 Etappen, 4 Favoriten








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