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85.Giro d'Italia
Renntagebuch von Raphael Schweda

Raphael Schweda, 26 Jahre alt und Radprofi bei Team Coast, bestreitet beim Giro d'Italia zum zweiten Mal in seiner Karriere eine große Rundfahrt. Vom Giro berichtet Schweda
exklusiv für RADSPORT-NEWS.COM in einem Renntagebuch.
Haben Sie Fragen, Kommentare oder Anregungen?
Schicken Sie einfach eine Mail an girotagebuch@radsport-news.com.
Raphael wird auf Ihre Fragen nach Möglichkeit in seinem Tagebuch eingehen.



Sinzig (Rhein), 02.06.02. Wieder daheim! Diese Ruhe nach drei Wochen Wirbel von morgens bis abends ist herrlich. Es gibt Kollegen, die vermissen nach zehn Minuten zuhause schon den Trubel. Ich genieße die Ruhe, zuhause, endlich auch wieder meine Freundin wiedersehen!

Der Montag nach so einem langen Rennen ist der schönste Tag. Man setzt sich hin, geht in ein Cafe, trifft Freunde, macht sonstwas. Essen gehen, alles - nur keine Pasta!! Man plant selbst den Tag, niemand sagt Dir, was du tun musst. Bei einer Rundfahrt wird einem drei Wochen lang 24 Stunden am Tag vorgegeben, was zu tun ist. Wecken um 8:30 Uhr, Rennen, Ziel, Massage, Abendessen, Bettruhe. Man konzentriert sich völlig auf das Rennen. Klar macht das Spaß - aber alle Fahrer sind dennoch auch froh, wann es nach drei Wochen dann rum ist. Am Ende zählt man die Stunden bis es heimgeht.

Die Schlussetappe heute war locker, es hat Spaß gemacht. Die ersten 60km rollten wir alle recht langsam, die Fotografen kamen zu ihrem Recht. Rosa Trikot posiert mit Blauem Trikot, alle Trikots zusammen, ein paar lustige Aufnahmen. Am Ende ein Sprint. Lars (Michaelsen) und Andre (Korff) sind vorne mit in die Punkte reingefahren. Nach dem Rennen ging es hopplahopp: Alle Mann zum Duschen in ein Hotel, umziehen, ins Auto und ab zum Flughafen. Der Flieger ging um 19:50 Uhr in Mailand, in Köln/Bonn gelandet, um 22 Uhr war ich zuhause.

Die Giro-Bilanz von unserem Team ist ganz ordentlich, denke ich. Fernando Escartin ist unter die ersten Zehn gekommen. Schade, dass er beim Zeitfahren den sechsten Platz verloren hat, aber mit Platz acht ist der Plan Top 10 auch erfüllt. Wir kamen einige Male auf Podiumsplatzierungen, wurden zwei Mal Zweiter bei Etappen. Wir haben uns ordentlich verkauft. Schade, dass es nicht mit einem Etappensieg geklappt hat.

Was mich persönlich angeht, ziehe ich auch eine durchaus positive Bilanz des Rennens. Ich war einmal vorne dabei, was ich mir so ein bißchen erhofft hatte. Wichtig für mich ist, dass ich mit einer sehr guten Form aus dem Rennen komme. Die möchte ich in den nächsten Wochen und Monaten nach Möglichkeit nutzen. Eintagesrennen sind eigentlich ja mehr mein Metier. Mein nächstes Rennen ist ein Abendkriterium in Sinzig am nächsten Freitag (7. Juni). Wer in der Nähe wohnt: Kommt doch mal vorbei und sagt Hallo.

Das nächste große Rennen, das ich fahre ist die Katalonien-Rundfahrt ab dem 17. Juni. Dann muss man mal schauen, was jetzt in den nächsten Tagen mit der Tour de France-Einladung passiert. Falls wir anstelle von Saeco eingeladen werden sollten, dann könnte es ganz gut sein, dass ich statt Urlaub im Juli die Tour fahre. Dagegen wäre eigentlich nichts einzuwenden... ;-)


Bei Mailand, 01.06.02. Das war ein etwas vermurkstes Zeitfahren für mich heute. Schlimm ist das allerdings nicht, denn nachdem gestern (Sorry, ich kam nicht dazu, Tagebuch zu schreiben) ärgerlicherweise keine Ausreißergruppen gingen und ich meine Hoffnungen auf eine zweite gute Etappenplatzierung begraben musste, war für mich persönlich der Giro rum. Beim Zeitfahren könnte ich im besten Fall vielleicht 15. werden. Dafür in den roten Bereich zu gehen, lohnt eigentlich nicht.

Heute morgen bin ich früh aufgewacht, obwohl ich eigentlich hätte ausschlafen können. Mein Start war erst um 13:45 Uhr. Das Glockenläuten von der Kirche neben dem Hotel haute aber voll rein um sieben Uhr. Da konnte ich nicht mehr schlafen und bin zum Frühstück. Wir sind heute Mittag mit den Rädern zum Start gefahren, es waren vom Hotel aus nur fünf Kilometer. Am Start in unserem (mit Espressomaschine ausgerüsteten) Wohnmobil noch kurz einen Kaffee getrunken, los gings. Das Zeitfahren begann für mich zunächst sehr gut. Auf den ersten 30 Kilometern lief es prima, am Ende bekam ich blöderweise einen Hungerast. Die letzten acht Kilometer wurden bei jeder Pedalumdrehung immer schwerer, ich habe nur noch an eine schöne Cola gedacht... Die Zeit blieb am Ende stehen bei 1:01 sonstwas, nicht schlecht eigentlich. Ohne den Hungerast da am Ende wäre eine Zeit zwischen 15 und 20 drin gewesen.

Bißchen schade war es für unseren Fernando Escartin, der heute keinen richtig guten Tag hatte. Er hat sich geärgert, den sechsten Platz verloren zu haben. Naja, aber Achter, das ist auch okay. Top 10 im Gesamten war das Ziel. Bert Grabsch wurde Fünfter! Hollala, nicht schlecht. Er hat sich die Strecke heute morgen angeschaut, das ist gut, wenn man weiß, wo die Kurven sind, wie lang die Anstiege usw. Die Zeitfahrspezialisten nehmen vor dem Rennen ein spezielles Frühstück zu sich. Kein Müsli, kein dunkles Brot. Nur Reis, Pasta oder Weißbrot. Müsli quillt im Magen auf, das ist nicht gut bei der tiefen Position beim Zeitfahren. Man kann sich ja eine Stunde lang nicht aufrichten. Der Magen muss ganz klein sein, sonst gibt es Probleme mit dem Atmen. Aber essen muss man ja auch. Bequem ist die Zeitfahrposition eh nicht: Der Rücken tut weh, die Muskulatur verspannt, aber man gewöhnt sich dran als Rennfahrer. Beim ersten Kampf gegen die Uhr am Anfang einer Saison ist es allerdings schon erst mal eine Qual nach der Winterpause.

Nach dem Rennen wollte ich zurück ins Hotel auch wieder mit dem Rad fahren. Da die ersten fünf von uns schon weg waren mit dem Auto und ich nicht warten wollte, bis die nächsten drei ins Ziel kamen, habe ich mich allein auf den Weg gemacht. 30km etwa. Habe mich natürlich fürchterlich verfranst in den Mailänder Außenbezirken. Gerettet hat mich dann ein älteres Ehepaar. "Ah, Giro, Giro", rief der Mann. Supernett: Die sind dann im Auto hinter mir hergefahren und haben mich bis ins zehn Kilometer entfernte Hotel gelotst. Ich hoffe, es lag an deren Radsportbegeisterung und nicht daran, dass ich so bemitleidenswert wirkte...

Morgen kommt der letzte Tag. Viel passieren wird nicht mehr, eine Ehrenrunde für Savoldelli, am Ende ein Sprint. Gleich nach dem Rennen ins Flugzeug Richtung Heimat. Es war ein schöner Giro, aber ehrlich gesagt, jetzt ist es auch genug. Drei Wochen sind lang, es ist schwer, konzentriert zu bleiben. Man mag irgendwann die immer gleichen Gesichter nicht mehr sehen, der immer gleiche Tagesablauf. Ich freue mich darauf, meine Freundin zu sehen und ich freue mich auf ganz banale Alltagsdinge. Zum Bäcker gehen, etwas selbst zu Essen zu machen statt im Hotel zu essen, im eigenen Bett schlafen. Das genießt man dann zwei Tage lang und dann kribbelt es schon wieder und man ist heiß auf das nächste Rennen!


In den Dolomiten, 30.05.02. Heute morgen beim Aufstehen dachte ich, über Nacht plötzliche Lähmungserscheinungen bekommen zu haben. Arme und Beine waren so was von schwer. Habe mich aus dem Bett in die Dusche geschleppt, dann zum Frühstück. Kaffee, leckerer italienischer Capuccino, das hat dann aber die Lebensgeister wieder geweckt und es konnte losgehen in eine lange, lange Dolomitenetappe.

Acht Stunden saßen wir heute im Rennsattel. Am Schlussanstieg nahm es gar kein Ende, ich hatte mich blöderweise auch noch verguckt im Etappenplan, ich dachte der letzte Berg sei 1100 Meter hoch, wir kamen so aus dem Tal, bei rund 500 Metern und bei 1100 Metern war das Ziel immer noch weit. Das Ziel war bei 1600 Metern... Ich bin jetzt nach der Etappe ziemlich müde, aber es ist nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Mein Körper, der Stoffwechsel funktioniert noch ganz gut. mein Magen ist in Ordnung und wenn man gut essen kann und trinken,
Foto: Roth
dann nimmt der Körper auch noch Vitamine, Mineralstoffe usw. auf. Man regeneriert sich doch halbwegs. Bei der Spanien-Rundfahrt letztes Jahr ging es mir wesentlich schlechter.

Die Etappe begann ruhig heute, man merkte, dass alle eigentlich megakaputt sind. Bis zum ersten Berg ging es schnell, wir fuhren Fernando Escartin in den ersten Anstieg - dann riefen wir noch "Allez!" und wünschten ihm Glück. Den Rest des Tages fuhr ich im grupetto, im "Omnibus".

Bei der Vuelta ist das mit dem grupetto ziemlich chaotisch, da fährt jeder wild durcheinander für sich, bis es nicht mehr geht und irgendwann sammelt sich zufällig eine Gruppe oder auch nicht. Beim Giro ist das ganz anders, richtig professionell. Am ersten schweren Berg wird dann gerufen "grupetto!", "grupetto!" und diejenigen, die die Berge möglichst kräfteschonend überstehen wollen, sammeln sich in einer Gruppe. Heute war das grupetto groß, 60 Mann.

Im grupetto gibt es eine große Kameradschaft untereinander. Da verpflegen die Sportlichen Leiter aus den Begleitfahrzeugen heraus alle Fahrer querbeet, nicht nur die eigenen. Die Trinkflaschen gehen kreuz und quer, wir hatten heute ein paar Mal welche von CSC, Colpack trank Wasser von uns usw. Im grupetto hilft man sich auch sonst, wenn es geht. Da kommt es schon öfter mal vor, dass einer von den Kollegen geschoben wird, wenn er fertig ist. Mit dem Zeitlimit gab es keine Probleme heute, wir kamen mit 36 Minuten Rückstand ins Ziel, das Limit lag bei 10 Prozent, bei 7,5 Stunden macht das 45 Minuten.

Wir fuhren heute die Berge hoch mit einem Schnitt zwischen 12 und 18 km/h. Man geht nicht ans Limit. Vom Tempo her könnten sicherlich auch viele Touristikfahrer mithalten an einem Berg. Schwer ist es halt deswegen, weil die Etappe 220km lang ist und wir seit drei Wochen Rennen fahren.

Um einen Anstieg möglichst kräfteschonend hochzufahren, muss man einen flüssigen Tritt finden, nicht zu dick. So wie Armstrong fährt, das ist schon zu extrem. Ich könnte diesen "Spinning"-Stil nicht fahren, andererseits fährt zum Beispiel Ullrich wieder zu dicke Gänge. Einer wie er kann das, aber nachmachen sollte man das nur, wenn man so gut ist wie er... Ob man Wiegetritt fährt oder im Sitzen - das ist letztlich Geschmacksache, eine Frage des Fahrertyps. Ich persönlich fahre ab und zu mal gern im Wiegetritt zur Auflockerung, aber schnell nur im Sitzen.

Morgen die Etappe nach Brescia ist eigentlich nach meinem Geschmack. Es ist die letzte Gelegenheit, dass eine Gruppe geht. Am Samstag ist das Zeitfahren, am Sonntag in Mailand wird gesprintet, Cipollini hat sich doch nicht umsonst über die Dolomiten gequält... Ich werde morgen versuchen, in einer Gruppe mitzufahren, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Mal abwarten, wie ich mich morgen früh fühle, wie ich mich regeneriere jetzt. Heute abend geht es mir recht gut, aber morgen früh kann es schon wieder ganz anders aussehen. Ich würde schon gern etwas probieren morgen. Gut, dass wir ein bißchen ausschlafen können, Wecken ist erst um zehn morgen früh. Jetzt - es ist halb neun - geht es erst mal zum Abendessen. Ich habe Hunger auf etwas richtig Gutes!


In den Dolomiten, 29.05.02. Puh, ich bin ganz schön müde nach der ersten großen Bergetappe. Die Beine sind schwer, die Gelenke. Es ist aber gut, dass wir jetzt endlich in den Bergen sind. Wenn man vorher dauernd darüber nachdenkt, die Berge kommen, die Berge kommen - das ist oft noch schlimmer, als tatsächlich dann nachher das Klettern, auch wenn es schon eine ziemliche Quälerei war heute.

Es begann recht schnell, am ersten Pass sind wir aber recht ruhig hochgefahren mit gleichmäßigem Tritt. Bis zur Marmolada (Passo di Fedaia/2.057m) war ich vorne in der ersten Gruppe, dann habe ich abreißen lassen und zusammen mit Fabrizio bin ich dann weiter gefahren im ersten grupetto. Wir haben uns immer mal wieder sehr gern schieben lassen von den Fans, die Italiener rufen einfach den tifosi zu, Komm schieb' mal! Ich habe immer mal gewunken, ganz angenehm, mal ein bißchen Anschubhilfe zu bekommen... Eine Schinderei war es natürlich trotzdem. Ich habe mich gefreut, es waren auch viele Deutsche unter den Fans, einige haben mich sogar erkannt und meinen Namen gerufen. Schönes Gefühl!

Am Pordoi (2.239m) habe ich gar keinen Rhythmus gefunden. Es war auch irgendwie merkwürdig, ich hätte vielleicht ein bißchen schneller fahren können, aber vorne rankommen war ausgeschlossen und das große grupetto war hinten weit weg. Wir fuhren da so irgendwo dazwischen, jenseits von Gut und Böse. Nach der Abfahrt vom Pordoi, unten im Tal beim Intergiro vor dem letzten Berg lagen wir sieben Minuten hinter der Spitze, das grupetto war eine Viertelstunde hinter unserer Gruppe. Da deppert man dann so hoch den letzten Berg, fährt seinen Tritt, Serpentine um Serpentine. Man quält sich, man ist müde, aber so richtig motiviert ist man auch nicht. Platz 70 oder Platz 120 - das ist total egal. Komisches Gefühl ist das, schwer zu beschreiben. Am Ende wurde ich 80. mit 21 Minuten auf den Tagessieger. Mittendrin statt nur dabei...

Das grupetto mit den Sprintern musste hintenraus nochmal richtig Gas geben. Am Ende hatte der "Omnibus" 27 Minuten Rückstand, da war nicht mehr viel Platz bis zum Zeitlimit, das bei rund 30 Minuten lag. Beim Giro ist das grupetto allgemein gut organisiert, da wird ziemlich genau nach Zeittabelle geschaut, da gibt es Spezialisten, die wissen genau, wie schnell man fahren muss. Aber heute hatten die auch etwas Glück.

Morgen wird es nochmal so richtig schwer. Ich bin ziemlich müde, mal schauen, wie ich mich über Nacht erholen kann. Zur Regeneration ist eine ausgiebige Massage wichtig, Stretching. Rennfahrer sind faul, wir lassen stretchen vom Masseur.. Wir nehmen jetzt Nahrungsergänzungsmittel, Protein-Shakes. Vitamine sind auch sehr wichtig. B1, B6, alles was für den Stoffwechsel gut ist. Und dann kann man nur hoffen, dass man gut schläft, dass sich der Körper ein bißchen regeneriert. Gute Nacht...!


Conegliano, 28.05.02. Schon wieder einer ausgeschieden! Diesmal also Francesco Casagrande... Die Nachricht von seiner Disqualifikation ging heute abend herum wie ein Lauffeuer. Als wir heute Mittag am Anfang der Etappe nach 20km über die Bergwertung fuhren, sah ich rechts den Kolumbianer liegen, links stand Casagrande am Straßenrand. Malte (Urban) erzählte mir später, er hätte gesehen, wie das passiert ist. Casagrande muss den Kolumbianer richtig in die Barriere gedrückt haben. Nun ja, bei Casagrande ist wohl eine Sicherung durchgeknallt. Er steht ziemlich unter Druck, vom Team, den Medien. Ich kenne ihn nicht näher, aber vermutlich weiß er jetzt selbst nicht mehr, warum er das gemacht hat. Dass er ausgeschlossen wurde, nun gut, das ist natürlich richtig, denke ich. Wenn man so etwas Unsportliches tut, muss man die Konsequenzen tragen, egal ob man Casagrande heißt oder sonstwie.

Für uns war die Etappe heute eine ruhige Angelegenheit. Es ging langsam den ersten Berg hoch, danach begann es zu regnen. Dann haben wir uns hinten (im Peloton) reingelegt und gewartet, bis es rum ist. Die Jury hat die Zeit bei der ersten Zielpassage genommen, der Schlusskurs war sehr gefährlich. Da sind wir noch die letzte Runde gerollt, das wars.

Vor dem Start heute früh um halb acht klopfte es bei uns an der Hotelzimmertür, unser Sportlicher Leiter steht davor, sagt, wir müssten alle in fünf Minuten unten sein in der Hotellobby, allgemeine Blutkontrollen für alle. Unten hatten sie schon einen Raum vorbereitet, uns allen wurde Blut abgenommen. Niemand von den Giroteilnehmern war auffällig, was man eigentlich ja auch erwarten konnte.

Ich bin schon ziemlich nervös jetzt vor der ersten Dolomitenetappe morgen. Allen ist die Anspannung jetzt anzumerken - abgesehen natürlich von den Kletterspezialisten wie bei uns Fernando Escartin. Galgenhumor in der Mannschaft: Wir werden Fernando morgen vor uns hertreiben. Wir helfen Dir, Fernando, wir rufen unten vom Tal hoch und feuern Dich an... Wir werden unseren "Adler" fliegen lassen, ich habe ihm schon vorhin gesagt, wenn du mich morgen an Deiner Seite siehst, machst du irgendwas falsch...

Ehrlich gesagt, ich habe Schiß vor den Bergen. Bei der Vuelta letztes Jahr bin ich schon schwere Bergetappen gefahren, aber die Dolomiten sind nochmal ein anderes Kaliber. Fabrizio (Guidi) hat uns schon ein paar Horrorgeschichten erzählt... Ich bin noch nie Pordoi, Fedaia usw. gefahren. Ich habe eine 39x25-Übersetzung aufgelegt, schauen wir mal, was wird. Hoffentlich hat es besseres Wetter, ein Sauwetter wie heute, dann wird es die Hölle.

Ich will versuchen, nicht im letzten Grupetto zu fahren, das könnte eng werden. Das Zeitlimit liegt morgen bei 10 Prozent, das sind 30, 35 Minuten. Die sind ruckzuck weg an den schweren Bergen. Vor dem Zeitlimit selbst habe ich weniger Angst. Wenn man drüber ist, ist man drüber. Wenn man alles gegeben hat, und man ist draußen, dann ist das eben so, da kann man nichts machen. Aber schlimm stelle ich mir vor, du fährst da den zweiten Pass hoch und merkst, wie so langsam deine Beine leer werden und du weißt genau, da kommen noch zwei solche Pässe...

Drückt mir die Daumen!


Abona Terme, 27.05.02. Heute Ruhetag, wir waren zwar gestern noch etwas unterwegs, aber länger als bis 8:30 Uhr konnte ich nicht schlafen, Macht der Gewohnheit. Nach dem Frühstück sind wir um 11 Uhr für zwei Stunden zum lockeren Training rausgefahren. Unterwegs Kaffeetrinken wie am ersten Ruhetag war diesmal leider nicht, die Gelegenheit hat sich nicht so richtig ergeben.

Nach dem Mittagessen sind Manuel Beltran, Fabrizio (Guidi), Frank (Hoj) und ich rüber gefahren zur Sitzung des internationalen Rennfahrerverbands CPA. Das Treffen begann um 15 Uhr und es gab vor dem Saal richtig Presserummel. Hinter den verschlossenen Türen ging es hoch her, es gab kräftig Diskussionen. Fabrizio hat für uns Nichtitaliener von Team Coast übersetzt. Es waren 50 Rennfahrer da von fast allen Mannschaften, auch große Fahrer wie Cipollini waren da. Ein bißchen Unmut gab es darüber, dass Telekom bloß einen Masseur geschickt hat. Naja.

Es ist sehr gut, dass wir Fahrer mal anfangen, ernsthaft über das Dopingproblem zu diskutieren und versuchen, Lösungen zu finden. Es gibt Ansätze da. Wichtig ist, dass wir das Problem international anpacken, es hilft nichts, wenn da jeder national seine Sache macht, wir in Deutschland mit unseren Trainingskontrollen, die Italiener mit dem Strafrecht - und die Spanier, die gar nichts machen. Cipollini hat es in der Sitzung richtig ausgedrückt, wir müssen selbst mit dafür sorgen, dass der Sport nicht kaputt geht, Profiradsport hat viel Potenzial. Wie gesagt, gut ist, dass wir mal als Fahrer ein bißchen mehr gemeinsam machen in der Sache, Dinge auf den Weg bringen. Das Interesse der Fahrerkollegen daran war heute sichtbar und das macht Hoffnung. Die Sitzung heute war sehr interessant.

Morgen steht die 15.Etappe auf dem Programm. Für uns im Team wird es wohl eher ein ruhiger Tag. Es ist eine Sprinteretappe, wir sind den Berg, der am Anfang drin steht, heute im Training mal abgefahren. Wir werden morgen in erster Linie schauen, dass Fernando Escartin unbeschadet durch die Etappe kommt. Am Ende müssen wir mal sehen, wie sich Fabrizio fühlt. Michaelsen wird für ihn den Sprint anfahren. Fabrizio denkt aber wohl weniger an einen Etappensieg, für ihn hat jetzt das ciclamino-Trikot, die Punktewertung Priorität. Das kann er noch gewinnen.


Abona Terme, 26.05.02. Ein ruhiger Morgen heute früh. Um 9 Uhr gabs Frühstück, ich hatte einen Riesenhunger, ich hatte gestern wenig gegessen. Ich habe vor dem kurzen Zeitfahren genausoviel gefrühstückt wie vor einer 200km-Etappe. Wir sind in Gruppen zum Start gefahren, damit man nicht da nicht ewig warten muss. Der erste Starter bei dem Zeitfahren fuhr gegen 11:30 Uhr los, der letzte um halb fünf. Drei Mann von uns sind als erste die 80km von unserem Hotel rübergefahren an den Start, ich bin mit Fabrizio zusammen um 11 Uhr losgefahren. Wir haben seit kurzem Renault als neuen Sponsor - in dem Espace fährt es sich ganz bequem. Um Mittag herum war ich am Start.

In unserem Camper, in dem die Betreuer morgens früh losfahren und alles soweit aufbauen für uns, habe ich erstmal ein bißchen entspannt, etwas gelesen. Danach bin ich rüber zu Telekom gegangen, mal Hallo sagen. Habe mich ein bißchen mit "Schreckus" (Stephan Schreck) unterhalten, der "Ivan", wie er auch genannt wird, saß gerade auf der Rolle beim Warmfahren. Eine halbe Stunde bevor ich dran war mit dem Start bin ich auf die Rolle, habe mich so eine Viertelstunde oder so warmgefahren. Ich habe schon geschwitzt, wenn ich den Rollentrainer angeschaut habe, so warm war das heute mittag, der Start war direkt am Strand an der Adria. Als ich gerade so beim Warmfahren war, kam gerade Malte (Urban) zurück, ich habe mit ihm ein bißchen über die Strecke gesprochen, worauf man achten muss. Dann gings los.

Um 14:01 Uhr ging ich auf den Kurs, locker. Material: Scheibenrad hinten, vorne Mavic Carbon Laufrad. Nur 'ne Mütze, kein Zeitfahrhelm. Nasenpflaster? Nee, die nehme ich nicht, zu häßlich, und wirken tun die bestimmt auch nicht... Oben an der Bergwertung war ich die zweitschnellste Zeit gefahren von den bis dahin Gestarteten. Aber ich habe nicht forciert, in den Abfahrten habe ich rollen lassen, ich war etwas vorsichtig, bergrunter wars gefährlich und ich hatte keine Lust heute einen dummen Sturz zu kassieren. Am Ende fuhr ich die drittbeste Zeit bis dahin, 44:11 Minuten, bin ganz zufrieden. Meine Beine scheinen doch ganz gut zu werden.

Nach dem Rennen: Duschen, Umziehen, dann habe ich zusammen mit Frank (Hoj), der auf mich gewartet hat, auf Fabrizio gewartet. Zu dritt fuhren wir im Auto rüber nach Abona Terme in Venetien, wo wir jetzt sind. 350km langer Transfer, vier lange Stunden im Auto... Als wir ankamen, haben wir dann das Hotel nicht gefunden. Das ist hier ein Kurort mit 1.000 Hotels. Gut denken wir, rufen wir halt da an, fragen. Und was ist? Die ausgedruckte Telefonnummer in den Giro-Unterlagen ist auch falsch... Gerettet hat uns dann ein netter älterer Herr, der fuhr in seinem Auto vor uns her bis ins Hotel. Um 20 Uhr waren wir im Hotel. Die anderen wie Escartin, die am Ende gestartet sind, kamen eben erst, um 22 Uhr.

Morgen ist Ruhetag, etwas ausspannen ist angesagt. Das heißt, wir können gleich noch ein bißchen rausgehen, in die eine oder andere Kneipe hier. Ein, zwei Gläschen Rotwein trinken. Rennfahrer vertragen ohnehin meist nicht viel...


San Giacomo, 25.05.02. Ich bin ganz schön k.o. Das war richtig schwer heute. Es ging rauf und runter, enge, steile Straßen. Beim runterfahren konnte man sich kaum erholen, der vorletzte Berg war ziemlich heftig. Oben war ich da in einer Zehnergruppe drin, 20 Sekunden Rückstand auf die Gruppe mit Heppner. In der Abfahrt sind die anderen vorne rangefahren, mir ist blöderweise eine Kontaktlinse rausgerutscht aus dem Auge. Dumme Sache, ich habe abreißen lassen und bin nur noch zu Ende gefahren. Normalerweise sind Kontaktlinsen eigentlich kein Problem, Gewöhnungssache. Nur wenn man eine verliert so wie heute, dann ist es unangenehm. So nach dem Motto: Was du auf dem Hinweg nicht siehst, siehst du auf dem Rückweg...

Unser "Adler" fliegt wirklich! Fernando (Escartin) ist jetzt Dritter. Morgen beim Zeitfahren werden wohl Savoldelli und Frigo an ihm vorbeifahren im Gesamtklassement, aber sein Terrain, die hohen Berge kommen ja erst noch. Er hat eine Chance aufs Podium, das wäre eine fantastische Sache fürs ganze Team.

Heute am Start bin ich übrigens vom Fernsehen, (von der ARD) interviewt worden, die sprachen mich fast nur auf mein Tagebuch an. Auch bei Eurosport bei den Live-Übertragungen wird es wohl schon mal erwähnt, höre ich. Dass das so ein Echo gibt, hätte ich ja gar nicht gedacht.

Morgen kommt das Zeitfahren. Das ist für die von uns, die nicht auf das Gesamtklassement schauen, ein halber Ruhetag. Ich muss mal sehen, wie ich am Anfang den Puls hochkriege. Nach so vielen Kilometern jeden Tag ist das gar nicht so einfach, der Puls ist im Keller und wenn du dann so losfährst stehst du wie im Eimer, du kriegst die Pedale nicht rum. Und auf Warmfahren habe ich eigentlich auch keine Lust...

Ich fahre morgen die 30km da so mittelzügig. Auf die Zeiten achte ich nicht, man fährt gerade so, dass es nicht ganz so sehr weh tut. Die Zeit am Ende ist ohnehin nicht wichtig. Man spult die Stunde ab und hofft, dass es schnell vorbei geht. Es tut zwar schon auch weh, so ein Zeitfahren, aber es sind halt nur 30km. Vom Kopf her ist es eigentlich ganz locker, es ist keine Anspannung da, Ehrgeiz entwickle ich dabei null.

Mann, was freue ich mich schon so auf den Ruhetag... Morgen nach dem Zeitfahren kommt noch ein langer Transfer, dann ist erst mal Feierabend! Am Ruhetag ein bißchen trainieren, das geht nicht anders, wegen dem Kreislauf, da muss man eine Stunde raus. Aber sonst gehts zum Kaffeetrinken und anderen erfreulicheren Dingen ;-)


Chieti, 24.05.02. Ein Sauwetter war das heute. Strömender Regen. Fünf Stunden lang. Klatschnass und durchgrefroren, es waren 15 Grad, auf den Höhen der Abbruzzen noch deutlich kälter. Berghoch ist anstrengend, bergrunter friert man. Spaß macht das nicht. Bei so einem Wetter wie heute ölt man sich vor dem Rennen die Beine kräftig ein, damit das Wasser schön abperlt. Manchmal nehmen wir darunter noch solche Wärme-Cremes, die gibt es in unterschiedlichen Stärken und sind ganz angenehm. Aber so kalt war es heute nicht, wir sparen das Zeug für die Dolomiten, die immer näher rücken...

Der Grabschi (Bert Grabsch/Phonak) fühlt sich anscheinend wohl bei Schweinewetter wie heute, er kam wieder auf eine Podiumsplatzierung wie letzte Woche bei der Etappe in Varazze, wo es auch so geregnet hat. Bert ist wirklich stark gefahren, super, zwei Mal vorne dabei, gut für ihn!

Vor dem Start bekam unser Fabrizio Guidi drei Rosa Trikots bei der Einschreibe-Prozedur. Er bekam sie nachträglich - auch die Prämien - von den Etappen, wo der "positive" Garzelli vor ihm lag, der ja ausgeschlossen wurde inzwischen. Nun gut, Fabrizio freut sich schon, aber es ist schon sehr schade, dass er sie nun so bekommt, der Glanz, es auf dem Podium zu bekommen, es zu tragen - gerade er als Italiener beim Giro ! - den hat er nicht und unser Sponsor die Publicity nicht.

Naja, vielleicht holt Fabrizio ja noch ein Trikot, das Blaue (Intergiro) und auch das veilchenfarbene (Punkte) sind durchaus in seiner Reichweite. So viele Sprinter sind außerdem gar nicht mehr da, Cipollini ist noch dabei, er sah aber auch nicht so gut aus mehr, wie Malte (Urban) meint, der heute lange mit ihm in einer Gruppe fuhr. Einige von Euch fragten, ob das Feld Sprinter schräg anschaut, wenn sie vorzeitig aussteigen, um sich zu schonen, wie zum Beispiel Robbie McEwen jetzt. Nein, gar nicht. Es ist ja unser Beruf. Lotto sagt ihm eben, wir wollen dich bei der Tour de France in Topform haben, er macht seinen Job. Das sieht man ganz professionell.

Apropos Tour de France. Das scheint ja immer mehr ein Thema wieder zu werden für Team Coast. Wenn Saeco wirklich wieder ausgeladen wird, - und es spricht derzeit einiges dafür -, hätten wir es sicherlich am meisten verdient, nachzurücken. Allein wie Guidi und Fernando (Escartin/Gesamtfünfter) hier fahren! Von unserem guten Frühjahr ganz zu schweigen. Nun ja, Tour de France - da würde ich persönlich sicher auch nicht nein sagen, und vom Formaufbau ist der Giro vorher geradezu ideal, zumal dazwischen noch vier, fünf Wochen liegen. Unsere Teamleitung setzt momentan schon einige Dinge in Bewegung für den Fall der Fälle. Aber Tour hin oder her - uns Coast-Fahrer beschäftigt das jetzt nicht so sehr, wir sind ganz konzentriert auf den Giro. Alles andere muss man dann mal sehen, wenn das Rennen vorbei ist.

Zu Euren Fragen: Patrick möchte wissen, was man tun kann, damit einem nach drei Wochen der Hintern nicht so weh tut. - Naja, ehrlich gesagt, nicht viel, es tut ganz schön weh! Man reibt das Sitzleder ab und zu ein mit so einer Ledercreme. Am allerwichtigsten ist aber, dass man für sich persönlich den optimalen Sattel findet. Das muss jeder für sich individuell herausfinden, was für ihn der beste ist. Ich fahre von "Pro Link" den Transam, damit komme ich am besten zurecht. Und endlich will ich doch auch die seit Wochen gestellte Frage nach den Bändern beantworten, die viele im Feld am Sattel haben. Das sind solche Friedensbändchen, wehen für den Frieden in der Welt... Die verteilen Hostessen von irgendeiner Firma im Girodorf am Start. Zwei Drittel der Italiener haben die Dinger am Sattel. Wenn's Weltfrieden bringt...


Campitello Matese, 23.05.02. Die zweite schwere Bergankunft heute. Hohe Berge sind nicht gerade mein Terrain. Aber es ging heute, mir geht es ganz gut. Der Schlussanstieg war schwer, aber nicht so lang. Ich habe zunächst für Fernando Escartin gearbeitet, ihn in den Schlussanstieg reingefahren, dann "in Ruhe" im grupetto ins Ziel. Der Berg war so ein Zieher, wie gesagt, es ging. Aber es ist doch noch nicht so, dass ich mich jetzt auf die Dolomiten freuen würde...

Es war allerdings heute ein ganz spezielles und höchst lustiges Erlebnis im grupetto. Ich fuhr den letzten Berg hoch Seite an Seite mit... Marco Pantani! Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass ich mit dem "Piraten" zusammen mal einen Berg beim Giro erklettere. Allerdings ist es nicht 1999, - da wäre ich jetzt Gesamtzweiter ;-) - und heute beendet ein Pantani eben mit acht Minuten Rückstand im grupetto eine Bergetappe. Was die Fans, die tifosi heute da abgezogen haben an der Strecke, Wahnsinn, unglaublich. Ihr kennt die Bilder aus dem Fernsehen, wenn die Spitze durch die engen Zuschauergassen an tobenden Fans vorbeifährt, im grupetto hinten ist es allerdings gewöhnlich doch etwas ruhiger. Dieser Jubel... Und wie laut das war, hinterher klingen einem die Ohren. Wie im Delirium sind die Fans, sobald sie Pantani sehen. Einmal mussten wir sogar abbremsen, so eng wurde die Gasse, wir mussten fast anhalten. Ein bißchen populärer sein, davon träumen sicher alle Rennfahrer - ich auch. Aber sowas wie bei Pantani. Also, danke. Das ist doch schon etwas zu krass.

Erstaunlich, wie wahnsinnig beliebt Pantani noch immer ist in Italien. Im Peloton lachen sich alle kaputt über ihn und Mercatone Uno, wie sie wie ein Schwarm um ihn herum sind - und immer am Ende des Feldes... Pantani hat heute einmal während des Kletterns an seinem Sattel herumgeschraubt, ihn höher oder tiefergestellt. Beim Hochfahren. Habe ich noch nie gesehen, sowas. Man hat übrigens ganz und gar nicht das Gefühl, dass Pantani es unangenehm oder peinlich ist, dass er jetzt so weit hinterherfährt, nachdem er bis vor ein paar Jahren Triumphe am Berg feierte. Pantani lebt irgendwo da in einer eigenen Welt, er strahlt ein Selbstbewußtsein aus wie in seinen allerbesten Zeiten.

Jens Heppner ist beeindruckend gefahren heute. Telekom bekommt am Ende noch beim Giro mehr Publicity als bei der Tour, damit hätten sie wohl selbst nicht gerechnet. Der "alte Mann" klettert da den Berg hoch und verteidigt das Rosa Trikot. Respekt. Ich hatte es mir schon fast gedacht, dass er es vereidigen kann. Bis zu den Dolomiten kann Heppe jetzt in Rosa bleiben. Und mal abwarten, was er in den Bergen macht. Ich glaube fast, er kann unter die ersten Zehn fahren. Das scheint ja das Jahr der "Alten" zu werden: Cipollini, Museeuw, Tafi, jetzt Heppe. Da muss man wirklich eine Hochachtung haben, wie diese "Alten" es immer noch schaffen, diese Motivation und Stärke zu finden Jahr für Jahr.

Wir bei Coast freuen uns natürlich über unseren Kapitän Fernando Escartin, der jetzt Sechster ist. Unser "Adler" fliegt! Das Podium könnte noch ein Thema werden. Mal schauen, was jetzt mit Simoni passiert. Und mit Frigo muss man unbedingt noch rechnen.

Zum Schluss noch zu ein paar Fragen von Euch. Thomas möchte wissen, ob wir nicht ein bißchen Angst haben vor Manipulationen und vor untergeschobenen Sachen. Es ist schon so, dass man die Trinkflaschen immer im Auge behält. Wasser annehmen von außen am Berg ist tabu. Höchstens zum über den Kopf laufen lassen. Das ist schon traurig, dass es soweit gekommen ist, bis vor ein paar Jahren war es ja ganz normal, dass die Fans Flaschen ins Feld reichten. Vielleicht ist es ja auch ein bißchen paranoid. Aber wenn da was drin ist in ner Flasche, dann kannst du ja niemandem nachher erzählen, jemand hätte dir was gegeben.

Und dann noch eine Frage zu Pinkelpausen. Ihr lasst uns gar keine Privatsphäre, oder? ;-) Also das ist so, dass meist nach der ersten schnellen Phase im Rennen irgendwann alle gleichzeitig dafür anhalten. Oder wenn der Gesamtführende stoppt, der Gelbe (passend, nicht?) oder hier das Rosa Trikot. Dann ist das das Signal für alle, dass man auch in Ruhe mal stoppen kann, weil niemand attackiert, wenn der Gesamtleader austritt. Je nachdem, wie das Rennen läuft, muss man manchmal auch im Fahren, so halb im Stehen beim Rollen... Finde ich eher unangenehm, aber manchmal geht's halt nicht anders. Das wars für heute, bis morgen.

P.S.: Danke für die vielen, vielen Glückwünsche und aufmunternden E-Mails!! Ich versuche Eure Fragen im Tagebuch nach Möglichkeit alle zu beantworten, leider reicht nicht immer die Zeit. Viele Fragen gab's schon zu den Bändern am Sattel einiger Fahrer - Antwort morgen...! :)


Benevent, 22.05.02. Eine kurze Etappe heute, 118 Kilometer, ein bißchen rauf und runter, kurz und knackig. Es begann schnell, am Ende stand ein Rundkurs mit einem Hügel drin, den wir noch von Tirreno Adriatico her kannten. Malte (Urban) und Frank (Hoj) haben am Ende Fabrizio (Guidi) nach vorne gefahren, dann habe ich für ihn den Sprint angezogen. Es sah gut aus, er ging in guter Position in den Sprint, wurde am Ende Zweiter. Er hat sich selbst geärgert, dass er letztlich McEwen am Hinterrad hatte und der dann vorbeigehen konnte. Ich habe mir im Fernsehen die Wiederholung angeschaut, ich hatte das Gefühl, ganz am Ende war Fabrizio sogar schneller. Schon ärgerlich, unser Team hat jetzt zwei Mal den zweiten Platz geholt. Ein Etappensieg muss doch noch drin sein!

Als wir heute morgen am Start die Zeitung aufschlugen - schon wieder eine große Dopinggeschichte. Jetzt Simoni. Die Stimmung im Peloton wird gereizter. Ich habe mir heute unterwegs schon ein bißchen überlegt, was schreibe ich dazu? Es ist schwer, als Rennfahrer zu Dopingfragen Stellung zu beziehen mit mehr als Phrasen. Was immer man sagt, man wird sehr leicht mißverstanden, so oder so.

Ich denke, die ganze Dopingproblematik ist hier in Italien inzwischen ein Politikum. Es ist gewiss kein Zufall, dass Simonis positiver Fall vom April gerade jetzt während des Giros bekannt wird. Da soll etwas demonstriert werden. Da läuft vieles im Hintergrund. In Italien ist die Szene anders als zum Beispiel in Deutschland, wo ja wohl niemand auf die Idee käme, Radsport zu betreiben, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, schon allein, weil im Vergleich zu Italien der bezahlte Radsport viel zu klein ist. Ich sprach vor kurzem noch mit Fabrizio (Guidi) darüber. Er hat Abitur und ist damit die absolute Ausnahme bei den Italienern. Viele gehen nach der siebten Schulklasse ab, die kommen zum Radsport, um Geld zu verdienen. Wie zu einem Handwerkerberuf. Und wenn dann etwa ein einfacher Bauernjunge plötzlich richtig Geld verdient, finden sich im persönlichen Umfeld dann viele, die ihr eigenes Ding machen wollen, die einflüstern, mach dies, nimm jenes. Da blickt mancher Fahrer gar nicht durch, was da läuft. (Übrigens auch was Verträge angeht). Die Sportler sind da oft auch Opfer. Es gibt im Feld keinerlei Groll gegen einen Kollegen wie Garzelli.

Der Radsport macht zurzeit gerade einen Reinigungsprozess durch. Nicht nur in Italien. Was wir getestet werden, das ist unwahrscheinlich. Blut-, Urintests komplett für alle vor dem Rennen. Tests während des Trainings, der Rennen. Das Gitter ist engmaschiger denn je. Und dass dann auch mehr auffallen als früher oder bei anderen Sportarten, ist irgendwo ja logisch. Wir in Deutschland sind im System der Trainingskontrollen von German Control. Die Kontrolleure wissen jeden einzelnen Tag im Jahr, wo ich mich aufhalte. Wenn man kontrolliert wird, - das passiert mehrmals im Jahr - bekommt man einen Anruf und man muss praktisch sofort den Kontrolleuren, von denen einige übrigens ihre "Macht" richtig auskosten, zur Verfügung stehen zum Test. Ich finde das System ja sinnvoll, keine Frage. Nur kommt man sich schon auch komisch dabei vor, kein Ex-Häftling bekommt solche Bewährungsauflagen.


Caserte, 21.05.02. Das war mal ein etwas ruhigerer Tag für uns heute. Es hat recht ruhig angefangen, dann sind die drei Ausreißer rausgefahren und Telekom hat sich vors Peloton gespannt und zusammen mit ein paar anderen Teams das Feld wieder herangefahren. Im Finale hat dann Acqua e Sapone gewirbelt für Cipollini. Für uns war wie gesagt wenig zu tun und man konnte sich auch mal ein bißchen mehr als sonst unterhalten mit den Kollegen.

Bei solchen Etappen kommt man auch schon mal dazu, ein bißchen das ganze Flair des Rennens und die Landschaft zu genießen. Oft kann man das nicht, in den Bergen etwa, da sieht man praktisch nichts außer Asphalt und Rennfahrern.

Solche Sprintetappen wie heute sind im Finale immer ein Schauspiel für sich. Irgendwann merkt man, es geht los. Die von den Sprinterteams bewegen sich langsam an die Spitze und das Tempo wird immer schneller. Heute sind wir am Ende zum Teil über 60km/h gefahren, das ist wie Motorradfahren. Da ist so eine Energie im Feld, da hat niemand die geringste Chance mehr, sich abzusetzen. Die Jungs von Acqua e Sapone wechseln sich in ganz schnellen Abständen ab und wenn sich dann vielleicht noch ein Team einreiht, dann gibt es ein Höllentempo.

Je nachdem wie der Wind steht, wird dann das Feld entweder ganz langgezogen oder es ist dichtgedrängt. Wenn es lang wird, muss man aufpassen, denn dann teilt sich das Feld leicht und wenn man dann in der zweiten Gruppe ist, hat man keine Chance mehr, vorn ranzukommen. Wenn es dichtgedrängt ist, dann muss man noch mehr aufpassen, da fährt man so eng nebeneinander, da wundere ich mich selbst, wenn nichts passiert. Vollblutsprinter haben damit kein Problem, die schalten irgendwas im Kopf aus im Sprint und halten rein wie die Verrückten. Dafür muss man irgendwie geboren sein, denke ich.

Wenn ich heute im Feld mal zufällig neben Cipollini fahre, ist das für mich nicht mehr etwas besonderes. Ich sehe den Rennfahrerkollegen, nicht den Superstar. Als ich 1999 bei der Ruta del Sol zum ersten Mal neben Größen wie Pantani fuhr, da war das noch ganz anders. Als Neuprofi hat man ohnehin kein Selbstvertrauen und dann siehst du da diese Überflieger... Schon ein merkwürdiges Gefühl.

Heute war es ziemlich warm, 28, 30 Grad. Man trinkt dann bis zu acht Trinkflaschen, bei den Bergetappen ist es noch viel mehr. Das Problem ist dabei, dass bei der vielen Flüssigkeit irgendwann der Magen rebelliert. Bei der Vuelta letztes Jahr war mein Magen auch irgendwann total verkorkst. Du ißt ein Brötchen und hast das Gefühl, gerade ein ganzes Schwein vertilgt zu haben. Und 20 Minuten später hast du wieder Hunger. Magengeschichten sind neben Kreislaufstörungen die größten Gesundheitsprobleme bei einer dreiwöchigen Rundfahrt. Ich trinke viel Wasser und esse unterwegs Kuchen oder Schinkenbrötchen. Das verstößt vermutlich gegen jede sportwissenschaftliche Erkenntnis... Die hochkonzentrierten Riegel und Mineralgetränke muss man sparsam zu sich nehmen, sonst rebelliert der Magen. Bei einer großen, langen Rundfahrt können kleine Sachen große Probleme aufwerfen, das schaukelt sich schnell hoch, denn man hat ja keine Zeit zur Regeneration. Fast jeden Tag über 200km.

Morgen steht jetzt aber erstmal wieder eine kurze Etappe an. Mir geht es ganz gut, vom Kopf her auf jeden Fall. Die Beine tun etwas weh, aber es ist nicht so schlimm. Ich schaue immer von Tag zu Tag. Das nächste Ziel ist jetzt erst mal das Zeitfahren am Sonntag und der Ruhetag. Zeitfahren ist für die, die nicht aufs Gesamtklassement fahren, auch ein halber Ruhetag. Man muss zwar auch voll fahren, wenn man nicht Probleme mit dem Zeitlimit bekommen, aber es eben bloß eine Stunde, nicht den ganzen Tag. An die Dolomiten denke ich jetzt lieber noch nicht...!


Tivoli, 20.05.02. Das war ein langer Tag heute, fast 250 Kilometer lang war die Etappe. "Flachetappe", hieß es - wir lachen schon, wenn das angekündigt wird, denn flach ist es dann eigentlich nie. Rauf und runter ging es nur. Schade, dass es für Fabrizio Guidi nicht geklappt hat mit der Flucht. Drei Kilometer haben gefehlt - was für ein Pech! Es war schon wirklich beeindruckend, wie er fuhr, wirklich deftig, wie er sich gehalten hat da vorne. Ich glaube, der war richtig geladen, ein bißchen frustriert, dass in den Sprints bisher nicht das ganz große Ding raussprang. Er kommt hier aus der Gegend und ist daher besonders motiviert.

Für den Rest der Mannschaft ist in so einer Situation wenig Arbeit, wenn einer vorne fährt. Eine Spazierfahrt ist es zwar auch nicht, 250km durch die wellige Landschaft im Renntempo, aber wir brauchen immerhin keine Tempoarbeit zu machen. Malte (Urban) hat gestern, als ich in der Gruppe vorne rausgefahren war, schon nen Spruch gemacht zu einem Teamkollegen und ihn geflachst: "Ey, du kriegst gleich ein Ticket wegen Falschparkens am Berg... Dann isses nix mehr mit dem Fair-Play-Preis!"

Die Stimmung in der Mannschaft ist super, mit Malte und auch Frank (Hoj) gibts immer was zu lachen. "In drei Tagen gehts los", sagt Malte. "Und in den Dolomiten wird angegriffen", sagt er, "dann wird der ganze Zeitverlust im Gesamtklassement zurückgeholt...!"

Ich schildere mal den Tagesablauf vor und nach dem Rennen, ein paar fragten danach. Heute hatten wir nach dem 250km-Rennen noch einen Transfer im Auto von 100km. Wir kamen gegen halb acht im Hotel an. Dann erst mal unter die Dusche, gefolgt von der Massage. Der Teamdoktor checkt uns danach durch, nimmt die Werte, Blutdruck, Puls etc. Um neun Uhr gabs Essen. Und danach Freizeit. Viel kann man natürlich nicht machen. Bißchen Fernsehen, heute hatten wir erstmals auch deutsche Sender, auf Sat1 lief irgendein Film. Oder man liest ein Buch. Um elf, halb zwölf gehts ins Bett.

Morgen früh ist um 8:45 Uhr Wecken, wir kriegen täglich einen Zettel, wo der Ablauf draufsteht. Morgen ist um 9 Uhr Frühstück, 9:45 Uhr müssen die Koffer fertig sein, die werden im LKW abgeholt. Um 10 Uhr ist Abfahrt zum Etappenstart. Die Teambesprechung ist am Start in unserem Team-Wohnmobil. Um 12 Uhr ist der Start, davor ist noch Einschreibeprozedur usw.

Bei der Teambesprechung wird die grobe Taktik angesprochen. Wer wird abgestellt für unseren Kapitän Escartin? Wer soll vielleicht mal eine Attacke versuchen? Worauf gilt es zu achten? Usw. Unser Sportdirektor Fernandez läßt den einzelnen Fahrern ziemlich freie Hand, er verläßt sich darauf, dass mitgedacht wird. In der Besprechung wird nur die grobe Planung gemacht. Im Rennen werden die taktischen Feinheiten dann je nach Situation per Funk abgesprochen. Die Besprechung dauert 5, 10 Minuten, je nachdem. Auch die Fahrer sprechen schon mal Dinge an, wenn sie etwas von anderen Teams gehört haben oder die Strecke vielleicht besonders gut kennen und so. Die Sprache ist bei uns im Wesentlichen Spanisch, das die meisten von uns - mehr oder weniger - verstehen. Wenns Verständnisprobleme gibt, wird schon mal in Englisch nachgehakt für unsere Dänen, und auch für Guidi und uns Deutschen. So, jetzt ist Bettruhe, sonst krieg ich morgen am Ende noch ein Parkticket...


Lido de Camaiore, 19.05.02. Da könnt Ihr mal sehen, ein Tag mal kein Tagebuch geschrieben - schon bin ich Zweiter :-)

Zunächst einmal danke für all die Glückwünsche! Ich freue mich schon sehr über die Platzierung, die gibt mir Moral und Selbstvertrauen, zumal ich mich wirklich gut gefühlt habe, auch an den Anstiegen. Dies ist ein zweiter Rang, über den man auch wirklich mal froh sein kann, nicht so wie letztes Jahr das eine Mal in Spanien, wo ich den Sieg verpasst habe, weil ich zu früh gejubelt habe... Und auch in diesem Jahr war es irgendwie zum verrückt werden. Ich war einige gute Rennen gefahren in den Klassikern, bei Het Volk und Paris-Roubaix habe ich mich stark gefühlt und die Platzierungen waren nicht schlecht, aber jedes Mal bin ich Ende der jeweiligen Gruppe ins Ziel gekommen. Das hat mich gewurmt! Heute war ich dann doch mal im vorderen Bereich.

Ich hatte mich gestern mordsmäßig geärgert. Ich wollte da auch in einer Ausreißergruppe mitfahren, aber als es soweit war, die wegfuhren, war ich gerade mit meiner Regenjacke beschäftigt. Und es war vorbei. Danach bin ich bloß noch zu Ende gefahren, die Regenjacke habe ich gar nicht mehr ausgezogen. Eine frustrierende Etappe. Heute hatte ich mir vorgenommen, die Fluchtgruppe nicht zu verpassen. Das ist immer auch ein bißchen Glücksache. Ich habe vom Start weg gemerkt, dass es mir ganz gut ging. Irgendwann attackierten eine paar Fahrer und ich hatte so das Gefühl, das ist die Gruppe, die geht. Telekom formierte sich im Feld schon mit ein paar Mann, da bin ich noch vorne in die Spitze hingefahren, Rik Verbrugghe
Foto: Roth
ist an meinem Hinterrad mit vorgefahren. Die Gruppe fand zusammen, es war die richtige Entscheidung.

Als zwanzig Kilometer vor Schluss Verbrugghe attackiert hat, da war nichts zu machen, da kam niemand mit, er war sehr stark heute. Im Finale trat 600 Meter vor Schluss Faresin an, er kam nicht weg. Dann, so 400 Meter vor dem Ziel sah ich, es ist ein Loch hinter mir. Da dachte ich mir, das müsst ihr erst mal zufahren, und wenn, dann müssen sie bluten dafür. Ich kam weg, Moreni heftete sich an mein Hinterrad, er kam aber nicht mehr vorbei. Wie gesagt, so eine Platzierung gibt einem Selbstvertrauen. Es kommen noch eine Reihe von welligen Etappen, die mir liegen könnten. Ich fahre jetzt nicht auf Krampf, sondern ganz locker. Moral habe ich und die Form ist auch da. Die Beine tun mir weh, aber beim Massieren ist das ein nicht wirklich unangenehmes Gefühl. Mal abwarten bis morgen, aber ich glaube eigentlich nicht, dass ich überdreht habe heute im Sprint.

Heute morgen am Start war unheimlich viel los, so viele Zuschauer. Garzelli wurde von den Fans total freundlich empfangen, keine Pfiffe oder so, nichts. Dass Garzelli positiv war, war ein Schock im Feld. Dass bei Mapei sowas passiert... Man fragt sich, warum einer aus dieser perfekt organisierten Mannschaft ein uraltes und nachweisbares Maskierungsmittel nimmt. Aber mehr will ich dazu jetzt auch gar nicht mehr sagen zu dem Thema. Im Publikum waren heute morgen jede Menge Mädels, die sich aufgebrezelt haben wie für 'nen Diskobesuch. Da gabs nicht nur für die Zuschauer was zu gucken beim Einschreiben... Apropos Frauen: Der Mexikaner (Julio Perez Cuapio/Panaria), der letztes Jahr die Pordoi-Etappe gewonnen hat, hatte damals ja übers Fernsehen beim Siegerinterview trocken gemeint, übrigens suche er auch noch ein Mädchen. Heute morgen saßen wir im Zelt von "Esta The" und nebenan saß Cuapio. Eine Italienerin hat er gefunden, und die läßt ihn selbst beim Zeitungslesen gar nicht mehr los...

Wir sind heute untergebracht in einem dieser typischen toskanischen Promenadenhotels am Meer, die im Sommer bestimmt total überlaufen sind. Keine Luxusklasse, aber wir haben Meeresblick und MTV im Fernsehen. Essen? Keine Ahnung, da geht es jetzt erst hin. Bis morgen!


Im Piemont, 17.05.02. So, die erste Bergetappe haben wir hinter uns, die Abstände sind vorne fürs erste gemacht, im Gesamtklassement hat sich alles etwas gesetzt. Jetzt wird Mapei, das in den letzten Tagen alles kontrolliert hat, auch mal eine Gruppe gehen lassen. Die morgige Etappe könnte ganz interessant werden, da gibt es bestimmt eine Ausreißergruppe, übermorgen eher nicht, aber dann die nächsten Tage wieder. Mal schauen, was ich da machen kann...! Ich fühle mich so - mittel. Nicht wirklich schlecht, der Ruhetag hat gut getan.

Heute war die Etappe am Anfang ruhig, dann schnell, am Ende sehr nervös. Ich bin mit einer 39x25-Übersetzung gefahren und am Colletto del Moro hat es gerade so gereicht. Das Ding war wirklich megasteil. Bei uns im Team war zunächst für Fabrizio (Guidi) gefahren worden beim Intergiro, Fernando (Escartin) scheint in großer Form zu sein, er war am Ende Sechster. Für mich ging es hintenraus an den Bergen nur darum, die Etappe durchzufahren. Ich bin im grupetto gefahren, das heute supergroß war, um die 60 Mann. Das Zeitlimit ist heute kein Problem gewesen fürs grupetto, das wird erst bei den Etappen ein Problem, bei denen es von Anfang an Berge gibt.

Es waren heute sehr, sehr viele Zuschauer da, unheimlich viele auch mit dem Rennrad. Einige der tifosi sind sehr enthusiastisch, aber im großen und ganzen sind die Fans in Deutschland auch nicht anders. Am Berg wird man oft geschoben, das ist nicht unbedingt unangenehm. (Andre) Korff hat erzählt, an dem einen Berg hätte er die letzten 1.000 Meter gar nicht mehr treten müssen...! Die Abfahrten sind keine wirkliche Erholung. Man muss an den engen Passtrassen sehr aufpassen, sich konzentrieren und wenn man dann am Fuß des nächsten Anstiegs ankommt steht man schon mal ziemlich im Laktat und muss erst wieder den Rhythmus finden. Heute war das alles noch nicht so wild, bei den richtigen Dolomitenetappen wird das erst spaßig.

Ich komme gerade vom Essen, das ist hier im Hotel ausgezeichnet. Piemont ist ja bekannt für gutes Essen. Es gab Pasta alla Oglio, Tiramisu (wie jeden Tag), guten Käse. Tolles Essen. Die Zimmer sind dafür eher etwas rustikal. Bis gestern war hier auch noch 'ne Klassenfahrt, 30 Gören im ersten Schuljahr. Da war richtig Bambule morgens. Eine Trinkflasche haben sie alle mindestens abgeschleppt...

Morgen (Samstag) werde ich übrigens vermutlich nicht dazu kommen, Tagebuch zu führen. Nach der Etappe steht noch ein 200km langer Transfer auf dem Programm. Also, bis spätestens Sonntag!


Im Piemont, 16.05.02. Hallo aus Italien, aus dem Piemont. Wir sind hier in einem kleinen Dorf im Nichts, mit schöner Aussicht, man kann die Alpen sehen von unserem Hotel. Der gestrige Tag war ziemlich stressig, erst die Etappe in Straßburg, die alles in allem dann doch wieder 250km lang war, dann schnell duschen und ab ins Flugzeug. Ein ganzer Flieger voll mit Rennfahrern. Wenn da was passieren würde, das wäre ein ziemlicher Schlag für den Profiradsport... So ein Flug - das ist irgendwie Klassenfahrt-Atmosphäre. Gegen 22 Uhr waren wir im Hotel. Die Fahrer unserer Teamfahrzeuge mussten Nachtschicht einlegen. Die Begleitautos kamen heute Nacht gegen 2 Uhr hier an, die LKWs mit dem ganzen Material heute morgen.

Der Ruhetag tut gut. Abhängen ist angesagt. Wir sind heute morgen ein bißchen trainieren gefahren, den Berg vom Hotel runter in die nächste Stadt, dort schön gemütlich ins Kaffee gesetzt, nachher wieder den Berg rauf. Zweieinhalb Stunden Training. Die Ruhe tut gut, eigentlich wollte ich ein bißchen die Bücher lesen, die ich dabei habe, aber zu mehr als dem Spiegel hab ichs dann doch nicht geschafft. Man bekommt an solchen Ruhetagen irgendwie auch nichts auf die Reihe.

Morgen steht die erste Bergetappe auf dem Programm. Wir werden bis zum ersten Intergiro-Zwischensprint für Fabrizio (Guidi) fahren. Danach - naja, ich hoffe, ich verliere richtig viel Zeit!

Das klingt vielleicht blöd, ist aber so. Ich will im Gesamtklassement so weit weg sein vom Schuss, dass ich dann bei den nächsten mittelschweren Etappen eine Chance habe, dass die im Feld mich eventuell auch wegfahren lassen. Wenn man im Gesamtklassement noch irgendwo in der Reichweite liegt, wo man denen vorne gefährlich werden kann, lassen die einen ja nicht wegfahren. Ich habe in solchen Situationen immer einen Engel und einen Teufel links und rechts auf der Schulter sitzen: Der Engel schreit: Auf, los, attackiere, fahre vorne in der Spitze mit! Der Teufel ist ganz cool: Ach, Junge, mach mal ruhig, es kommen ja noch andere Etappen... Meine Moral ist aber sehr gut, ich will schon ganz gern was versuchen bei den welligen Etappen, vielleicht in einer Gruppe wegfahren und dann mal schauen, was passiert.

Meine Beine sind allerdings wie Beton. Die 50km heute waren genauso vom Gefühl, als ob es 250km wären, und ich meine das nicht im Guten... Man entwickelt da irgendwo einen Galgenhumor. Den anderen geht es ja auch nicht besser - naja, das hoffe ich wenigstens...! Malte (Urban) und ich, wir heulen uns gegenseitig was in die Ohren, und dann geht's wieder. Die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut. Fabrizio (Guidi) ist in der Intergiro-Wertung vorne dabei und wir als Mannschaft haben eine Aufgabe.

Danke für Eure vielen Fragen, ich kann aber leider gar nicht alle beantworten und bei den allzu technischen Sachen fragt Ihr außerdem gerade den Richtigen - ich habe bei sowas eher zwei linke Hände und verlasse mich da ganz auf unsere Mechaniker. Einige haben gefragt nach dem Puls. Mein Ruhepuls liegt bei 48, der maximale Puls bei 196, der geht im Laufe der Saison, je mehr Rennen ich fahre, immer weiter runter. Der Durchschnittspuls bei einer Flachetappe liegt bei etwa 130 Schlägen. Bei Bergetappen bei rund 160 im Schnitt. So, das wars für heute - drückt mir die Daumen, dass es morgen nicht ganz so schlimm wird!


Esch, 14.05.02. Puh, ich bin ganz schön groggy... Es waren fast 700km in den letzten drei Tagen, das merkt man schon in den Beinen, zumal es heute ein welliges Profil hatte und es war dazu auch noch ganz schön kalt. 15km vor Schluss war da ein Anstieg, eigentlich ein kleines Ding, aber da musste ich reinhalten bis zum Anschlag. Das sind so die Tage, an denen du nur dank guter Moral durchkommst. Unangenehm, du drückst aufs Pedal wie ein Blöder, aber irgendwie kommt nichts. Als wir aufs Zimmer kamen vorhin, ging Malte zuerst unter die Dusche, ich hab mich paar Minuten aufs Bett gelegt. Ich bin eigentlich schon für eine ordentliche Hygiene - aber das hat so eine Überwindung gekostet, aufzustehen...

Toll wäre es, wenn wir morgen das Rosa Trikot holen würden für Fabrizio (Guidi), der immer noch Gesamtzweiter ist und ein paar Sekunden weg ist. Mit dem Rosa Trikot könnten wir den Ruhetag richtig genießen... Heute hat es leider nicht geklappt, Fabrizio ist so ein typischer Italiener, bei solchen kühlen Temperaturen wie heute hat er Probleme, da verhärten die Muskeln usw., da fehlt ihm so der letzte Punch im Sprint. Beim Intergiro-Zwischensprint ist Hoy angefahren, Korff fuhr bis 500 Meter vor Schluss, dann ich bis 250 Meter, dann sollte Lars (Michaelsen) verlängern und Guidi abschließen. Am Ende war Strazzer noch dazwischen, Guidi wurde Vierter. Da war dann klar, dass im Sprint am Ende auch wohl nicht viel bei ihm gehen würde heute. Aber es ist noch alles drin: Unser großes Ziel morgen lautet wieder: Rosa Trikot für Guidi. Das wäre schon ein Ding, wenns klappt. Rosa Trikot am Ruhetag, und für Fabrizio wäre es natürlich besonders schön, im Maglia Rosa nach Italien zu kommen.

Zu Euren Fragen: Ich muss sagen, Ihr lasst Euch ganz schön was einfallen :-)

Anne fragt, ob es im Radsport "Groupies" gibt. Naja, hier in Belgien sind die Groupies leider meist 50 Jahre alte Männer, die dir alles aus den Händen reißen, was sie kriegen können. Autogramme, Mützen, was auch immer, und das am liebsten doppelt... Weibliche Groupies gibt es aber auch, in Holland und auch in Deutschland kommen immer mehr Mädels, habe ich das Gefühl. Da gibt es im Feld so ein paar Spezialisten, die lassen nix anbrennen. Namen nenne ich natürlich keine, aber es gibt da einen nicht mehr so ganz jungen Rennfahrer mit einem ausgeprägten Faible für 18-jährige Mädchen... Mehr sag' ich aber nicht ;)

Dann gibt es eine Frage nach der Bein-Rasur: Also ich persönliche rasiere mir die Beine immer unter der Dusche nass mit Rasierschaum, aber das macht jeder nach seinem Geschmack. Einer aus unserem Team rasiert sich sogar komplett am ganzen Körper... Sinn der Beinrasur ist es vor allem, dass das beim Massieren angenehmer ist, auch bei Verletzungen, Schürfwunden ist Beinbehaarung sehr unangenehm, ohne heilt es auch besser. Und es ist natürlich auch ein besseres Gefühl im Wind, obwohl man so auch nicht schneller wird.

Till möchte wissen, wie es so ist im Peloton, wie man sich den Umgang unter den Kollegen vorstellen muss. Es ist schon eigentlich ein bißchen so wie auch bei normalen Arbeitsplätzen. Heute morgen saßen wir zum Beispiel vor dem Rennen zusammen mit den Jungs von Telekom. Da gibt es überhaupt keinerlei Abgrenzung untereinander, meist sitzt man mehr so nach Nationen zusammen, Telekom, Coast, Gerolsteiner, das spielt da keine Rolle. Rivalität unter den Teams gibt es dann, wenn es darauf ankommt im Rennen, aber davor und danach nicht, da ist alles ganz locker und kameradschaftlich.

Im Peloton wird viel geplaudert während des Rennens, solange es noch ruhig ist in der ersten Stunde oder so. Smalltalk, großartige tiefschürfende Gespräche sind da natürlich nicht so möglich. Aber es ist schön, wenn man da einen dabei hat, der für ein bißchen Spaß sorgt, bei uns ist Malte (Urban) der Spaßvogel. Bei so nem Wetter wie heute, ist es schon mal gut für die Moral, wenn man auch was zu Lachen hat, dann erträgt man die Anstrengungen doch um einiges leichter.


Lüttich, 13.05.02. Wahnsinn, was heute morgen in Köln am Start los war! Und das am Montagmorgen! Hat wirklich Spaß gemacht, es war eine tolle Atmosphäre am Dom, tolles Wetter hatte es dazu. Der Segen vom Dompropst war, naja - nett. Gläubig bin ich eigentlich nicht. Mir tun die Beine ein bißchen weh nach den 209 Kilometern heute, aber es geht mir trotzdem gut. Ich komme so langsam auf "Betriebstemperatur".

In der Gegend von Düren stand unser Teamkollege Sascha Henrix am Streckenrand und winkte uns zu, fand' ich sehr nett. Malte (Urban) hat mich noch drauf aufmerksam gemacht. In der Eifel wurde die Etappe richtig wellig. Unsere Taktik war, dass Hoj einen Freifahrtschein hatte, er lag vor der Etappe im Gesamtklassement auf Platz 5. Der Rest der Mannschaft fuhr für Fabrizio Guidi, der sich gut fühlte vor dem Rennen. Das hat auch sehr gut geklappt.

Beim Intergiro (Zwischensprintwertung) sind erst Malte (Urban) und Andre (Korff), dann ich und am Schluss Michaelsen für Guidi den Sprint angefahren. Den Intergiro hat er dann auch gewonnen und sich Punkte und Zeitgutschrift geholt. Guidi ist im Intergiro punktgleich mit Cipollini, im Gesamtklassement ist er Zweiter. Das bestimmt nun in den nächsten Tagen unsere Taktik. Unser Sponsor würde sich sicher freuen, wenn wir das Rosa Trikot holen könnten für ein, zwei Tage! Guidi ist hochmotiviert, und er ist ein netter Kerl mit einem etwas hintergründigem Humor. Er ist lange schon dabei im Geschäft und ziemlich abgeklärt, einer der weiß, was geht.

Es gibt ein paar Fragen nach dem Material, das wir fahren. Heute bei der welligen Etappe bin ich das EV4 von Bianchi gefahren, ein extrem leichtes Alurad mit Vollkarbongabel, Komponenten Campagnolo C-Record. Insgesamt wiegt das Rad so etwa 7 bis 8 Kilo, ist sehr gut zu handeln. Bei den Flachetappen wie gestern fahre ich ein Titanrad, das ist etwas schwerer, aber stabiler. An Laufrädern fahren wir bei Flachetappen Mavic Cosmic Carbon, bei Bergetappen das leichtere Ksyrium von Mavic. Einer von Euch fragt, ob wir schon neues Material von 2003 fahren. Nein, bis jetzt noch nicht, aber ich habe gesehen, dass die von Bonjour schon die neuen Time-Pedale testen von 2003, bei Robin habe ich die gesehen. Ich denke, wir bekommen die auch bald. Naja, und wo ich gerade beim Material bin, muss ich auch noch erwähnen, dass ich Brillen von Adidas trage und Schuhe von Diadora!


Münster, 12.05.02. Die Etappe war sehr langsam, die ersten vier Stunden fuhren wir im 34er-Schnitt. Dass es heute so kommen würde und vom Rennverlauf langweilig sein würde, war aber eigentlich logisch. Jeder wusste, dass Cipollini und sein Team unbedingt eine Sprintankunft haben wollten und jeden Ausreißer stellen würden. Da hat's eben erst gar keiner versucht. Ich war ganz froh, dass es erstmal piano ging. 225km - soviel hatte ich auf dem Tacho - sind so und so lang und ich bin noch etwas eingerostet. Ich brauche noch ein paar Tage, um auf 'Betriebstemperatur' zu kommen. Bis zum Ruhetag werde ich mich mal noch ein bißchen einrollen, dann schauen wir mal.

Es hat Spaß gemacht heute zu sehen, wieviele Zuschauer am Streckenrand standen. Soviele Fahnen, deutsche und italienische, überall dominierte rosa am Strassenrand. Die Zuschauer sind wirklich gigantisch gewesen, die italienischen oder spanischen Fahrerkollegen waren auch alle ganz weg. Man sieht wirklich, dass Radsport bei uns Volkssport geworden ist - und das mit oder ohne Ullrich. Ein paar riefen unterwegs "Erik, Erik!", wo doch Zabel ja gar nicht hier ist. "Jan" rief übrigens niemand...

In den Massensturz am Ende war ich nicht verwickelt, es passierte genau vor mir und ich konnte noch bremsen. Da musste ein Sturz passieren, das konnte gar nicht anders sein bei solch einem Höllentempo auf einem ganz abgegitterten Kurs. Escartin war gestürzt, er kam aber glimpflich davon. Bartoli lag genau vor mir, der arme Kerl, hat es ihn schon wieder erwischt in Deutschland!

Einige fragen per Mail, wie es mit der Ernährung ist bei einer dreiwöchigen Rundfahrt. Zum Frühstück werden allgemein viele Kohlenhydrate gebunkert. Die Spanier bei uns im Team essen Reis oder Nudeln zum Frühstück, ich mag lieber Müsli und Brot. Obst vor dem Rennen nur sehr wenig wegen der Fruchtsäure. Frühstück ist etwa drei Stunden vor dem Rennen. Unterwegs bekommen wir in den Beuteln ziemlich abwechslungsreiche Kost, Schinkenbrötchen, Äpfel, Kuchen usw. Auch Powerriegel, aber man kann eben nicht nur Riegel essen, sonst kannst Du die bald nicht mehr sehen. Viel trinken ist wichtig. Am besten Coca Cola und Powerade :-)

Gleich nach dem Rennen gibt es einen Eiweißdrink, ein Baguette, das ist wichtig für den Regenerationsprozess. Abends wird dann richtig gegessen, ganz normal, Salat, Pasta, Reis, Fleisch oder Fisch. Die Ernährung ist im Grunde die gleiche, ob Flachetappe wie jetzt oder Berge. Bei großen Kletteretappen muss man unterwegs ein bißchen mehr essen und vor allem natürlich trinken.

So, jetzt steht noch ein Transfer nach Köln auf dem Programm (bzw. ist der gerade im Gange, wir sind gerade im Teamauto auf der Autobahn unterwegs und die Fahrer machen wieder nur Blödsinn mit dem Teamfunk...) Morgen werden wir gesegnet vom Kölner Kardinal. Schaden kann es bestimmt nicht, wir haben ja noch einige Etappen vor uns...


Groningen, 11.05.02. Beim Prologzeitfahren habe ich heute gemerkt, dass die Knochen noch ziemlich steif sind. Ich habe ein paar Wochen keine Rennen bestritten, das merkt man, zumal bei diesem engen, winkligen Kurs heute, bei dem man mit 60km/h eine Gerade fuhr, dann voll abbremsen und wieder beschleunigen usw. Gut, dass es nicht geregnet hat, es war sehr diesig, ich hatte schon Regen befürchtet, wodurch es noch gefährlicher geworden wäre. Für mich ist es alles allerdings nicht so dramatisch,
ich brettere beim Prolog nicht wie ein Verrückter, denn ich fahre ja nicht wirklich aufs Gesamtklassement - naja und ohnehin: Ich liege 10 Sekunden vor Simoni. Wenn's so bliebe... Niermann und Hiekmann waren stark, Siebter und Zehnter.
Respekt!

Cipollini hat heute wieder seine Show abgezogen, er trug Tiger-Look. Wir haben auch ein neues Outfit, Coast hat einen neuen Co-Sponsor und wir haben neue Hosen bekommen. Schwarz-gelb, sehr dezent, gefällt mir gut. Drei Tage sind wir jetzt schon hier in Groningen, die medizinischen Tests haben sie am Donnerstag gemacht. Das zieht sich ganz schön in die


Foto: Roth
Länge, gut dass es nun endlich losging. Auch heute beim Prolog ist es für uns Fahrer eher langweilig. Man wartet ewig, fährt sich etwas warm, dann geht man raus und nach 6km war es schon wieder vorbei... Schon merkwürdig irgendwie, einerseits ist es langweilig, andererseits auch aufregend, denn dies ist schließlich der Giro. Ich freue mich schon auf die morgige Etappe nach Münster. Wir werden im Sprint für Fabrizio (Guidi) fahren, er fühlt sich gut, sagt er. Gruppen gehen morgen bestimmt nicht weg, ich bin mir ziemlich sicher, dass Cipollini seine Jungs arbeiten läßt für eine Sprintankunft. Mal schauen, was passiert.


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