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30.05.98 - Marco Pantani (Mercatone) enttäuschte seine zahlreich angereisten
Fans bei der 14. Giro-Etappe nicht: Wie angekündigt attackierte
der "Pirat" auf dem 15km langen schweren Schlußanstieg zur
Bergankunft im Dolomiten- Wintersportort Piancavallo und ließ
alle hinter sich. Alex Zülle blieb cool: der Schweizer ließ
sich auf keinerlei Scharmützel ein, fuhr seinen Rhythmus
durch und begrenzte nicht nur |
seinen Rückstand auf Pantani, sondern
holte sich auch noch gleich das Rosa Trikot zurück. Auch Pavel Tonkov
hielt sich mit seinem dritten Platz noch alle Giro-Siegchancen offen.
Aus dem Rennen um den Gesamtsieg heraus ist hingegen Vorjahressieger
Ivan Gotti, der am Ende einbrach und über 5 Minuten verlor.
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Vier Jahre nach seinen ersten beiden Giro-Etappensiegen 1994, die
bis dato auch die einzigen blieben, konnte Marco Pantani wieder beim
Giro d'Italia jubeln. "Ich habe vom Start bis zum Ziel um diesen Sieg
gezittert, weil ich wußte, das es nicht ein so großer Anstieg
war", so der Etappensieger im Ziel. Dabei brauchte er eigentlich
gar nicht Angst um seinen Sieg haben, denn als Pantani, den seine
Mercatone-Truppe lehrbuchmäßig "im Schlafwagen" in den
Schlußanstieg hineinfuhren, schließlich zur Attacke ansetzte,
waren seine Konkurrenten schon froh, wenn sie nur halbwegs
an dem Italiener dranbleiben konnten.
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Einstellungssache
"Heute Nacht habe ich nicht schlafen können. Vielleicht
habe ich maximal eine Stunde oder so die Augen zu gehabt.
Aber ich tue einfach so, als sei ich die ganze Nacht in einer
Discothek gewesen. Ich habe schlimme Kopfschmerzen, aber
dieses Kopfweh aufgrund von Schlafmangel bin ich gewohnt."
Marco Pantani vor der 14. Etappe.
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Zunächst blieb der Giro-Sieger von 1996, Pavel Tonkov, noch
dran am Hinterrad von Pantani, aber 11km vor dem Ziel mußte
auch der Russe den "Piraten" ziehenlassen. Pantani fuhr die letzten
10 Kilometer alleine durch die Spaliere begeisterter Fans dem Ziel entgegen.
"Wenn Pantani attackiert, kann man ihn nur einmal kontern, nicht ein
zweites Mal", so Alex Zülle später. "Also bin ich den
Berg in meinem eigenen Rhythmus hochgefahren." Die Taktik von
Zülle ging auf. Nachdem sich Tonkov von vorne etwas zurückfallen
ließ, bildeten Zülle, Tonkov sowie der Polti-Profi Giuseppe
Guerini eine kleine Zweckgemeinschaft und das Trio fuhr gemeinsam
den Berg hinauf. Tonkov und Zülle gaben so am Ende gerade
mal 13 Sekunden auf Pantani ab.
Der Träger des Rosa Trikot, Andrea Noe (Asics), der erst am Vortag
die Gesamtführung übernommen hatte, kämpfte tapfer bis
zur Erschöpfung, kam am Ende auf einen für ihn sensationellen
5. Platz, aber sein Rückstand von 1:51 Minuten
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war dennoch zu groß
und er mußte das Maglia Rosa
bereits nach einem Tag wieder
abgeben. Neuer Gesamtbester nun wieder Alex Zülle, der bereits zum
neunten Mal beim diesjährigen Giro das rosa Trikot trägt.
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Alex Zülle
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Weniger glücklich war Vorjahressieger Ivan Gotti (Saeco),
der völlig einbrach und am Ende abgeschlagen auf Platz 40 mit
einem Rückstand von 5:01 Minuten landete. "Es war heute ein
wichtiger Test und ich habe ihn nicht bestanden", so Gotti zerknirscht.
"Ich habe einfach nicht die Form wie im letzten Jahr."
Nach Gottis Ausscheiden aus dem ursprünglichen Favoriten-Quartett
gibt es nun mit Pantani, Zülle und Tonkov also nur noch drei Rennfahrer, die den Giro-Sieg 1998
wohl unter sich ausmachen werden. Entschieden ist aber noch gar nichts,
wenn auch Zülle am ehesten Chancen auf einen Sieg hat.
Am Sonntag steht nun eine wichtige Vorentscheidung an: Beim 40km-Zeitfahren
in Triest muß Zülle Tonkov und vor allem Pantani
einige Minuten abnehmen, um sich vor der Schlußwoche, wenn
drei ganz schwere Berg-Etappen anstehen, ein gewisses Polster auf den
Kletterkünstler Pantani zuzulegen. "Ich habe heute sehr
viel Kraft gelassen wegen des hohen Tempos", so Zülle
am Samstag. "Deswegen bin ich nicht so sicher, ob ich beim
Zeitfahren am Sonntag in Topform bin."