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Giro: Asics-Triumph in Schio - Etappensieg an Bartoli, Rosa für Noe

29.05.98 - Wer wagt gewinnt: Marco Pantani und Alex Zülle waren zwar ungemein stark den schweren Schlußanstieg kurz vor dem Ziel der 13. Etappe des Giro d'Italia hinaufgeklettert, aber nach Stürzen auf den rutschigen, regennassen Straßen auf der anschließenden Abfahrt verloren sie die Führung, während Giuseppe Guerini (Polti),
Paolo Bettini, Andrea Noe und Michele Bartoli (alle Asics) mit vollem Risiko die Abfahrt herunterrasten. Lohn der Angst: Etappensieg für Michele Bartoli und das Rosa Trikot für Andrea Noe.

Das Finale der 13. Etappe des Giro, 166km von Carpi nach Schio in Venezien, war hochdramatisch. Zunächst entwickelte sich auf dem steilen Schlußanstieg zum Passo Zovo (650m), dem einzigen Berg des Tages, wenige Kilometer vor dem Ziel ein kleiner Schlagabtausch zwischen den Giro-Favoriten. Marco Pantani (Mercatone) attackierte als Erster auf den Rampen zum Zovo, die bis zu 10-Prozent-Steigung aufweisen. Dem Italiener folgten zunächst nur Oscar Camenzind und Pavel Tonkov (beide Mapei). Dahinter tat sich zunächst ein kleines Loch auf zum folgenden Hauptfeld, aber Alex Zülle, Pantanis Hauptgegner beim Kampf um den Giro-Sieg, setzte nach einer kleinen Schrecksekunde nach und heftete sich an die Fersen von Tonkov und Pantani.

Das Trio der Giro-Favoriten Pantani, Tonkov und Zülle erreichte mit einem ordentlichen Vorsprung auf den Rest des Feldes die Passhöhe des Zovo, aber dann begann ein völlig neues Rennen.

Marco Pantani stürzte bereits an der ersten Kurve der nassen, rutschigen Straße hinunter nach Schio. Alex Zülle, der nur wenige Meter hinter Pantani fuhr, konnte ebensowenig wie Pantani die Balance halten und fiel kopfüber beinahe auf den im

Straßengraben liegenden Pantani. Beide Rennfahrer verletzten sich bei diesem Sturz nicht und konnten gleich weiterfahren.

Auf dem weiteren Verlauf der Abfahrt hatten fast alle Fahrer große Probleme, Stürze zu vermeiden. In einigen Kurven mußten sowohl Pantani als auch Zülle anhalten, und konnten abermalige Stürze nur mit mühe vermeiden. Ivan Gotti stürzte und Tonkov konnte in einer Kurve nur ganz knapp den Zusammenstoß mit einem Fahrzeug eines Rennkommissars vermeiden. In dieser Situation wollten die Giro-Favoriten dann kein Risiko mehr eingehen und waren in der Folge nur noch darauf bedacht, die wenigen Kilometer bis ins Ziel möglichst heil zu überstehen.

Fundsache

"Hasta ora pero ci son los bonificaciones Bartoli Intergiro Maglia Rosa moquette zimmer frei."

Alex Zülle laut Gazzetta dello Sport "in seiner Alchimie von Spanisch- Italienisch- Französisch- Deutsch, das niemand übersetzt, weil es niemand versteht, aber alle vorgeben zu verstehen". [FAZ]

Volles Risiko dagegen fuhren Michele Bartoli, der sich zusammen mit Giuseppe Guerini (Polti) und seinen Teamkollegen Andrea Noe und Paolo Bettini auf der Abfahrt 6km vor dem Ziel an die Spitze des Rennens setzte. Dieses Quartett fuhr wie der Teufel dem Ziel entgegen.

"Es ist merkwürdig", so Andrea Noe, der am Ende Vierter wurde und das Maglia Rosa übernahm. "Wenn es trocken ist, fahre ich nicht schnell bergab, aber wenn es naß ist, sind die anderen scheinbar viel ängstlicher als ich."

Bartoli und Co. erreichten die Zielgerade mit komfortablem Vorsprung vor der ersten Verfolgergruppe und die Vier konnten den Sieg unter sich ausmachen, wobei Guerini gegen drei Fahrer aus dem Asics-Team eigentlich keine Chance hatte. Und unter den Asics war auch klar, daß Kapitän Bartoli den Sieg beanspruchen würde, während Andrea Noe, der Überraschungssieger bei der 11. Etappe, mit dem Rosa Trikot mehr als zufrieden war. Und genauso kam es dann auch: Bartoli sprintete einige hundert Meter vor dem Ziel los und ließ Guerini nur Platz Zwei, Noe ließ am Ende ausrollen, kam auf Platz Vier hinter Teamkollege Bettini und konnte sich über das Maglia Rosa freuen.

Asics-Teamkapitän Michele Bartoli strahlte am Ende der Etappe und freute sich über einen totalen Triumph seiner Mannschaft: "Es ist eine formidable Belohnung für uns, mit drei Fahrern hier am Ende ganz vorne mit dabei zu sein, Etappensieg und das rosa Trikot zu holen." Und weiter meinte er: "Manche [Fahrer] klettern gut, andere können gut abfahren, heute mußte man eben beides gut können, um die Etappe zu gewinnen."





Ergebnisse - 13. Etappe Giro d'Italia

28.05.98 Doppel-Schlag beim Giro: Laurent Roux gewinnt Etappe und Rosa Trikot
27.05.98 Andrea Noe überrascht Pantani, Zülle hat alles unter Kontrolle
26.05.98 Cipollini mit neuem Amulett schreibt Giro-Geschichte
25.05.98 Giro: Päpstlicher Segen half auch dem Protestanten Magnusson
24.05.98 Giro: Super-Mario zum Dritten: "Cipolla" nicht zu schlagen
23.05.98 Giro: Super-Mario holt den 23. Giro-Tageserfolg seiner Karriere
22.05.98 Giro: Alex Zülle macht Ernst - War das schon die Vorentscheidung?
21.05.98 Giro: Cipollini und Bartoli am Ziel ihrer Träume
20.05.98 Giro: Miceli staubt Etappensieg ab, Michele Bartoli verpasst erneut "Rosa"
19.05.98 Giro: Sprintsieg für Nicola Minali, Alex Zülle fürs erste ohne Rosa Trikot
18.05.98 Angel Edo gewinnt zweite Giro-Etappe
17.05.98 Mariano Piccoli narrt die Sprinter-Teams
16.05.98 Auftakt nach Maß: Alex Zülle gewinnt den Giro-Prolog
15.05.98 Start des Giro d'Italia: 3.830 Kilometer, 22 Etappen, 4 Favoriten








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