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Giro: Päpstlicher Segen half auch dem Protestanten Magnusson

25.05.98 - Der Segen des Papstes für das von einer katholischen Anti-Abtreibungsorganisation gesponsorte Team "Amore e Vita" anläßlich einer Audienz Anfang April war auch für den protestantischen Schweden Glenn Magnusson ein gutes Omen: Der Amore e Vita-Sprinter setzte sich am Montag bei der 9. Etappe des Giro durch in einer
hauchdünnen Entscheidung gegen Silvio Martinello (Polti) und Mario Cipollini (Saeco), der einen glatten Hattrick verpasste. Michele Bartoli hätte bei dem 169km langen Tagesabschnitt von Foggia nach Vasto das Rosa Trikot um ein Haar übernommen, aber es reichte nicht ganz und Giro-Favorit Alex Zülle blieb in der Gesamtwertung vorn.

Der Rennverlauf am Montag glich in der ersten Hälfte des Rennens dem der achten Etappe am Vortag. Teils den taktischen Regeln einer typischen Übergangsetappe folgend, teils aus Protest gegen die langen Bus-Transfers, die die Fahrer in der ersten Giro-Woche oft nach der Zielankunft noch zu absolvieren hatten, ließ es das Peloton anfangs ruhig angehen. Wie am Vortag änderte sich das erst, als die Intergiro-Wertung anstand. Michele Bartoli war vor allem scharf auf den Gewinn der Intergiro-Wertung: die Zeitbonifikation von sechs Sekunden hätte für den Toskaner das Maglia Rosa bedeutet. Aber Bartoli kam beim Intergiro am Montag nicht über einen 5. Platz hinaus und hat weiterhin fünf Sekunden Rückstand auf Alex Zülle.

"Bartoli wollte der Erste sein beim Intergiro, aber sein Team hat so früh soviel gemacht, daß ihnen beim Zwischensprint dann die Kraft ausging", so Alex Zülle über Bartolis Anstrengungen, ihm den rosa Stoff wieder abzunehmen. Aber so ganz Ernst nimmt der Schweizer das Duell sowieso nicht: "Bartoli will das Trikot für ein paar Tage tragen, mein Ziel ist hingegen, das Trikot am letzten Tag in Mailand zu tragen und dazu werden die Bergetappen in der letzten Woche entscheidend sein."

Nach der Intergiro-Wertung setzte sich eine 13köpfige Ausreißergruppe u.a. mit Angel Edo (Kelme), Elio Aggiano, Andrea Ferrigato und Sergei Smetanine (alle Vitalicio) vom Feld ab. Im Peloton organisierte Zülles Festina-Truppe pflichtgemäß die Verfolgung und die Fluchtgruppe schrumpfte langsam zusammen. 30 Kilometer vor dem Ziel war aus der Gruppe ein Duo geworden: Marc Streel (Casino) und Enrico Cassani (Polti) erreichten den Zielort Vasto mit 36 Sekunden Vorsprung vor dem Feld, aber da waren noch 10km auf einem Schlußkurs zu absolvieren und die Chancen der zwei gingen gegen Null.

Fünf Kilometer vor dem Zielstrich passierte es schließlich und die Zwei waren wieder eingefangen, das Feld wieder komplett. Cipollinis Saeco-Team setzte sich an die Spitze des Feldes, um den Massensprint für "SuperMario", der von Giro-Tagessieg Nr. 25 träumte, vorzubereiten.

Doch dieses Mal war das Glück nicht auf Cipollinis Seite. Auf den letzten Metern war "Cipolla" schlecht positioniert und kam am Ende auf Platz drei hinter Sprint-Altmeister Silvio Martinello vom Polti-Team. Cipollini nach der Etappe: "Schade, daß ich die harte Arbeit meines Teams nicht krönen konnte, aber ich hatte am Schluß einfach keinen Platz zum Manövrieren."

Glenn Magnusson nutzte seine Chance und holte sich seinen dritten Tageserfolg beim Giro. Bereits 1996 und 1997 holte sich der sympathische Schwede, der aussieht als käme er geradewegs aus einer Verfilmung eines Astrid Lindgren-Romans, jeweils einen Giroetappensieg.

"Es ist ein großartiges Gefühl ein so großes Team wie das von Cipollini zu schlagen", meinte Magnusson nach seinem Sieg am Montag. "Mein Team ist ja ganz klein im Vergleich und für uns ist ein Giro-Sieg ein einzigartiges Erlebnis. Ich weiß, daß Cipollini der Beste ist, aber ich habe viel Erfahrung und ich habe immer auch eine Chance, ihn zu schlagen."







Ergebnisse - 9. Etappe Giro d'Italia

24.05.98 Giro: Super-Mario zum Dritten: "Cipolla" nicht zu schlagen
23.05.98 Giro: Super-Mario holt den 23. Giro-Tageserfolg seiner Karriere
22.05.98 Giro: Alex Zülle macht Ernst - War das schon die Vorentscheidung?
21.05.98 Giro: Cipollini und Bartoli am Ziel ihrer Träume
20.05.98 Giro: Miceli staubt Etappensieg ab, Michele Bartoli verpasst erneut "Rosa"
19.05.98 Giro: Sprintsieg für Nicola Minali, Alex Zülle fürs erste ohne Rosa Trikot
18.05.98 Angel Edo gewinnt zweite Giro-Etappe
17.05.98 Mariano Piccoli narrt die Sprinter-Teams
16.05.98 Auftakt nach Maß: Alex Zülle gewinnt den Giro-Prolog
15.05.98 Start des Giro d'Italia: 3.830 Kilometer, 22 Etappen, 4 Favoriten








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