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23.05.98 - Mit seinem zweiten Giro-Sieg innerhalb von drei Tagen
meldete sich Mario Cipollini, der zu Beginn des Giros noch ein wenig
an sich selbst gezweifelt hatte, eindrucksvoll im Kreis der allerbesten
Sprinter der Welt zurück. Super-Mario holte sich mit dem Sieg im Massensprint
bei der siebten Giro-Etappe |
am Samstag den insgesamt 23. Giro-Tageserfolg seiner
Karriere. In der Gesamtwertung behielt Alex Zülle die Führung, während
der zweitplazierte Michele Bartoli sich wiederum als "Jäger der verlorenen
Sekunden" betätigte und seinen Rückstand durch eine Zeitbonifikation
bei einer Intergiro-Wertung um zwei Sekunden verringerte.
"Ich hätte nie gedacht, daß ich diese Etappe gewinnen könnte",
so Cipollini nach seinem Triumph in Matera. "Vier Kilometer vor dem Ziel
gab es einen Anstieg und normalerweise spricht so etwas nicht für
einen Sprintsieg von Cipollini. Die Schlüsselstelle war, als Michele Bartoli
250 Meter vor dem Ziel den Sprint anzog. Da sah ich die Möglichkeit zum
Sieg."
Michele Bartoli, der die Etappe als Fünfter beendete, hatte um eine
Plazierung unter den ersten Drei gekämpft, um eventuell mit einer
weiteren Zeitbonifikation das Rosa Trikot, das er bereits an einem Tage
tragen durfte, zurückzuholen. Zwar ist sich Bartoli wohl bewußt,
daß er am Ende nicht um den Giro-Gesamtsieg mitfahren kann, aber
zu gerne würde er noch ein paar Tage Rosa tragen, vor allem natürlich
an seinem Geburtstag: der Mann aus der Toskana feiert am Mittwoch (27.05.)
seinen 28. Geburtstag.
Alex Zülle, der große Giro-Favorit, war am Samstag nicht so
berechenbar wie Bartoli. Der Schweizer überraschte seine Konkurrenten
mit einer Attacke, die zu diesem Zeitpunkt absolut niemand erwartet hatte.
Zülle führte zeitweise mit zwei Minuten Vorsprung vor seinen
Rivalen.
"Ich hab das nicht gemacht um die anderen Favoriten anzugreifen",
so Zülle später über seine Aktion. "Ich wollte einfach
meinem Team etwas Arbeit abnehmen. Nach meiner Attacke mußten
die Teams von meinen Rivalen hart arbeiten."
Die letzten 40 Kilometer der 7. Etappe waren geprägt von
Dutzenden Attacken, die aber alle fehlschlugen. 18km vor dem Ziel gab es einen
schweren Sturz, in den sechs Fahrer verwickelt waren. Bruno Cenghialta (Riso Scotti)
ging dabei im wahrsten Sinne des Wortes baden: der 35jährige Veteran
stürzte kopfüber in einen Wassergraben, konnte aber das Rennen
fortsetzen. Schlimmer erwischte es Sandro Giacomelli (Amore e Vita), der
sich an der Schulter verletzte und das Rennen aufgeben musste.