16.05.98 - Auftakt nach Maß für Alex Zülle: der
schweizer Favorit der diesjährigen Italien-Rundfahrt gewann am
Samstag den Prolog des 81. Giro d'Italia knapp vor dem Zeitfahr-Vize-Weltmeister
Sergej Gontschar (Cantina Tollo). Auf das Klassement des 7km-Zeitfahrens
in Nizza hatte auch ein plötzlicher Wetterumschwung einen nicht unerheblichen
Einfluß.
Zeitfahr-Spezialist Zülle brauchte für den 7 Kilometer langen
Prolog-Kurs 7:55 Minuten und 24 Hundertstel (53,053km/h). Gontschar
war nur wenig langsamer und für den Ukrainer wurde am Ende
eine Zeit von 7:56.89 Minuten notiert. Dritter wurde der Litauer
Arturas Kasputis (Casino) mit einer Zeit von 8:05.00.
Während zu Beginn des Prologs noch sehr gute äußere
Bedingungen geherrscht hatten, zog sich der Himmel später zu und
just als die großen Favoriten an den Start gingen, machten
Sturm und heftiger Regen den Parcours für die Fahrer zu einem
zweifelhaften Vergnügen.
Marco Velo (Mercatone Uno), der als einer der ersten gestartet war,
hatte bei Sonne und milden Temperaturen eine erste Bestzeit
gefahren, die fast zwei Stunden Bestand haben sollte. Am Ende lag
der 24 Jahre alte Italiener auf Platz Vier der Tageswertung.
Der erste, der nach knapp zwei Stunden Velos Zeit knackte, war
Arturas Kasputis aus der Casino-Mannschaft. Dann kam der große Sturm.
Auf nassen Straßen fuhren die meisten der Favoriten eher verhalten.
Pavel Tonkov fuhr auf Platz 21, Ivan Gotti kam mit 31 Sekunden Rückstand
auf Platz 49. Marco Pantani fuhr mit einer brandneuen
Aluminium-Zeitfahrmaschine auf Platz 76, sein Rückstand 39 Sekunden.
Als Alex Zülle startete, waren viele Straßen bereits wieder
etwas abgetrocknet. Doch daß dem St. Gallener Regen und nasse
Straßen bei Zeitfahren nichts ausmachen, ist hinreichend
bekannt. Unvergessen etwa sein Prolog-Sieg bei der Tour de France 1996,
als er im strömenden Regen von Hertogenbosch die Bestzeit fuhr.
Dies tat er auch in Nizza wieder.
Zülle geht nun mit dem Rosa Trikot des Gesamtbesten an den Start der
ersten Etappe, die am Sonntag über 159km von Nizza nach Cuneo
führt.