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Start des Giro d'Italia: 3.830 Kilometer, 22 Etappen, 4 Favoriten
15.05.98 - Vor zwei Jahren war der Giro d'Italia das letzte mal außerhalb
Italiens gestartet worden. Aber damals in Athen wurden die Rennfahrer zwar freundlich-neugierig
bestaunt, aber so richtiges Radsport-Fieber wollte in der griechischen Hauptstadt
nicht aufkommen. 1998 wird der Giro wieder, nun zum insgesamt sechsten Mal,
außerhalb Italiens gestartet und diesesmal verspricht der Startort
mit Begeisterung nicht zu geizen.
In der französische Mittelmeerstadt Nizza ist bereits Tage vor
dem Start der Italien-Rundfahrt das "Giro-Fieber" (Gazzetta dello Sport)
ausgebrochen. Und dies liegt ganz sicher nicht nur daran, daß Nizza
bis ins Jahr 1860 zur italienischen Republik Piemont gehörte.
Nizza hat auch eine große Radsport-Tradition. Seit 1933 ist
die Stadt Zielort der bedeutenden Fernfahrt Paris-Nizza
und 1981 wurde hier die Tour de France gestartet.
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Für die Fahrer könnte, wie die das Rennen veranstaltende
Gazzetta dello Sport schrieb, Nizza ein gutes Omen sein, denn
das Wort "Nizza" kommt von "Nike", der griechischen Siegesgöttin.
Vier von den den 162 Fahrern, die sich am Samstag aufmachen, die 3.860km des
81. Giro d'Italia unter die schmalen Rennreifen zu nehmen, gelten als
die großen Favoriten. Zwischen Pavel Tonkov (Mapei), Ivan Gotti (Saeco),
Marco Pantani (Mercatone Uno) und Alex Zülle (Festina) dürfte die
Entscheidung fallen, alles andere wäre eine Überraschung.
"Zülle ist der Favorit Nr. 1. Er gewinnt zu 50 Prozent",
sagt Marco Pantani. Wen man auch fragt,
Journalisten, Trainer, Rennfahrer und Fans, - die meisten tippen auf einen
Girosieg von Alex Zülle. Bei der
Tour de Romandie hat der Mann aus St. Gallen
einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen. Zülle selbst
hört es gar nicht so gern, wenn man ihn den
großen Favorit nennt. "Ich sehe mich nicht als Favorit auf der
Höhe von Tonkov, Pantani und Gotti. Der Giro ist ein neues
Kapitel für mich. Gotti und Tonkov sind favorisiert, weil sie
die beiden letzten Giros gewonnen haben und Pantani will unbedingt
für Italien siegen."
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Neue Perspektiven
Nachdem beim Giro 98 erstmals nach fünf Jahren Abstinenz
wieder die gute alte RAI
wieder für die TV-Übertragung verantwortlich ist
(5 Stunden täglich auf RAI3, kommentiert von
Ex-Profi Davide Cassani),
hat man sich beim staatlichen TV-Sender gleich etwas
Neues einfallen lassen. Eine Mini-Kamera in den Rennrad-Rahmen soll
für spektakuläre Bilder aus dem Peloton sorgen.
Eine 260 Gramm schwere Kamera, ähnlich den Mini-Kameras,
die bei den Formel 1-Übertragungen eingesetzt werden,
überträgt Bild-Signale (Ton-Übertragungen aus dem Peloton
läßt die UCI nicht zu) an einen Sateliten. Bei Tests
bei Milan-San Remo soll das System hervorragend funktioniert haben.
Alle 18 Teams haben dem Einsatz der Kameras zugestimmt. Allerdings
werden nur die Domestiken die Kameras dabei haben, nicht die
Teamkapitäne. Unter den nominierten "Kameramännern" werden
täglich vier Rennfahrer ausgesucht, die dann die Kameras mit
auf die Etappe nehmen.
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Auch Ivan Gotti, Gewinner des Giro d'Italia im Vorjahr, sieht
Pluspunkte bei Zülle: "Ein Vorteil für Alex ist das abschließende
Zeitfahren. Wenn ich (vor dem Zeitfahren) keinen größeren Abstand
auf Zülle herausgefahren habe, wird es ganz schwer."
Die Entscheidung wird wie so oft in den Bergen fallen. Die Kletterer
Gotti und vor allem Pantani müssen bei den Bergetappen
Zülle soviel Zeit abnehmen, daß der Schweizer diese
nicht mehr beim Zeitfahren einen Tag vor Ende des Giro zurückholen kann.
Gelegenheit dazu bieten den Kletterspezialisten insgesamt 23.600 Höhenmeter.
Drei schwere Bergetappen stehen in der dritten Giro-Woche auf dem Programm.
Ein gewisses Fragezeichen steht hinter Pavel Tonkov,
Girosieger von 1996, der sowohl am Berg als auch beim Zeitfahren gute
Leistungen bringen kann. Marco Pantani über Tonkov:
Bei ihm weiß man nie, an was für einem Punkt seiner Vorbereitung
er ist, wann er wirklich stark ist."
Für reichlich Spannung ist jedenfalls gesorgt.
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