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Urteile im Festina-Prozess: Reaktionen
"Eine Welt der Omerta zum Einsturz gebracht"

22.12.00 (rsn) - Bei den Beteiligten der Festina-Affäre, die am Freitag mit den Gerichtsurteilen ihren Abschluß fand, überwog Erleichterung am Ende von zweieinhalb Jahren, in denen sich ihr Leben mehr oder weniger nur um den Dopingskandal von 1998 drehte. "Ich bin froh für mich und meine Familie, dass es vorbei ist",
sagte der freigesprochene Richard Virenque am Freitag in Lille. Auch die zu Bewährungsstrafen verurteilten Roussel und Voet zeigten sich erleichtert.

"Es ist heute das Ende von langen zweieinhalb Jahren", so Virenque. "Ich
Hintergrund
  • Die Urteile im Festina-Prozess
    Festina-Affäre: Übersicht
  • bin froh, auch wenn jetzt noch das Urteil (über die Dopingsperre) des Schweizer Verbands am nächsten Freitag aussteht. Ich fürchte, es gibt noch ein Gerichtsverfahren."

    "Ich denke, das Gericht hat verstanden, was passiert im Profi-Radsport. Ich komme noch ganz gut raus aus der Sache. Ich hatte mehr befürchtet", sagte Ex-Festina-Pfleger Willy Voet. "Es waren zwei Jahre, in denen ich nicht gearbeitet habe, ich konnte nicht das Geld bezahlen, das der Zoll von mir (als Entschädigung) haben will." Befragt nach dem Freispruch für Virenque sagte der Belgier, es sei "gut für ihn", wies aber darauf hin, dass Virenque in Italien (in Frankreich ist im Gegensatz zu Italien Doping selbst nicht strafbar, nur die Anstiftung, Beihilfe etc.) nicht so leicht davon gekommen wäre: "Pantani bekam drei Monate auf Bewährung." Und wird Willy Voet wieder zurückkommen in die Radszene als Soigneur ? "Ich denke nicht. Ich werde immer le vélo lieben, aber die Dinge sind nun einmal nicht mehr rückgängig zu machen."

    Der ehemalige Festina-Teamchef Bruno Roussel, der heute als Immobilenverkäufer arbeitet, sagte fatalistisch: "Es gibt ein Leben vor und nach Festina. Ich finde die Bilanz für mich am Ende ganz zufriedenstellend." Zum Freispruch von Virenque sagte der zu einem Jahr Haft auf Bewährung und 50.000 Francs Geldstrafe verurteilte Roussel: "Ich bin nicht unzufrieden deshalb. Richard hat schon in den letzten zwei Jahren einen hohen Preis gezahlt."

    Der Anwalt von Bruno Roussel, Maitre Thibault de Montbrial sprach von einem "milden Urteil". Das Gericht habe "die seit einem halben Jahrhundert geltende Wirklichkeit im Radsport erkannt" und die Vorwürfe gegen die Angeklagten im Zusammenhang gesehen. Künftig müssten sich Sportler in solchen Fällen jedoch auf härtere Strafen einstellen. Der Prozess habe, so der Anwalt, "eine Welt der Omerta zum Einsturz gebracht und vielleicht erwächst aus den Trümmern ein sauberer Sport."

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