Radsport-News.com
       Nachrichten durchsuchen Chat Diskussions-Foren
 
Gratis-Newsletter
Radsport-Schlagzeilen täglich per E-Mail.

Index
News-Übersicht
Ergebnisse
Teams
Kalender
Features
Archiv

Tour de France
Giro d'Italia
Vuelta a España
Tour de Suisse
Deutschland-Tour
Friedensfahrt
Strassen-WM
Bahn-WM
Olympia
Weltcup
UCI-Rangliste
Sixdays

 
 
 
Chat
Downloads
Feedback


Amazon.de - Die Top 100 Buecher-Bestseller





Festina-Prozess: Die Urteile
Virenque nicht schuldig der Anstiftung zu Doping
Bewährungs- und Geldstrafen für Ex-Teamchef Roussel und Ex-Pfleger Voet

22.12.00 (rsn) - Der französische Radstar Richard Virenque ist am Freitag im Strafprozess um den Dopingskandal in der Festina-Affäre wie erwartet freigesprochen worden vom Vorwurf der Anstiftung zu Doping. Den 31-Jährigen, der in dem mehrmonatigen Verfahren (strafrecht- lich irrelevantes) eigenes Doping zugab, erwartet jedoch noch eine Sperre durch die Sportverbände. Der ehemalige Festina-Sportdirektor
Bruno Roussel und Ex-Pfleger Willy Voet wurden von der 7. Strafkammer des Gerichts von Lille verurteilt zu Geldstrafen und zur Bewährung ausgesetzten Haftstrafen von einem Jahr bzw. zehn Monaten.

Der belgische Ex-Festina-Betreuer Willy Voet, dessen Verhaftung an der belgisch-französischen grenze den Tourskandal von 1998 ausgelöst hatte,
wurde zu zehn Monaten Gefängnis auf Bewährung und 30.000 Francs (knapp 9.000 Mark) Geldstrafe verurteilt. Der Ex-Sportchef von Festina, Bruno Roussel, erhielt ein Jahr Gefängnis auf Bewährung und eine Geldstrafe von 50.000 Francs. Urteile wurden gegen
Der Festina-Skandal - Hintergrund
  • Verbruggen fühlt sich "nicht verantwortlich"
  • Hat Indurain gedopt? - Spanier empört
  • Wie König Richard bei Festina herrschte
  • Virenque gibt erstmals Doping zu
  • Wie alles begann: 8. Juli 1998
  • Festina ausgeschlossen von der Tour 98
  • Chronologie der Ereignisse: 8.-16.Juli 1998
  • Tour am Abgrund: Festina-Fahrer "gestehen"
  • Sperren für "geständige" Zülle und Co.
  • "Du Bastard wärst jetzt tot..."
  • Wie bei Festina Doping organisiert wurde

  • s.a. Reaktionen nach den Urteilen
  • acht Angeklagte gesprochen. Der Prozess gegen den an Krebs erkrankten ehemaligen Festina-Arzt Eric Rijckaert (Belgien), der flächendeckendes Doping im Team geleitet hatte, wurde abgetrennt.

    Mit den Strafen blieben die Richter in dem seit 23. Oktober währenden Prozess in Lille nur leicht unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft, die am 6. November plädiert hatte auf Strafen von 18 Monaten Haft auf Bewährung und 50.000 France Geldstrafe für Roussel, sowie 14 Monate und 20.000 Francs für Voet.

    Der Masseur Jeff d'Hont, vor seiner Zeit bei Festina auch beim Team Telekom beschäftigt, erhielt neun Monate auf Bewährung. Zu je fünf Monaten Bewährungsstrafe wurden außerdem zwei weitere Helfer des Teams verurteilt. Die angeklagte Apothekerin Christine Paranier und der frühere Teamarzt der spanischen Once-Mannschaft, Nicolas Terrados, müssen 30 000 beziehungsweise 10 000 Francs Strafe zahlen.

    Der vorsitzende Richter Daniel Delegove sagte, das Gericht habe bei den relativ milden Urteilen "den Kontext berücksichtigt" und die "Defizite und Ambiguitäten in der allgemeinen Dopingbekämpfung". Mit anderen Worten: Roussel, Voet, Virenque und Co. waren nach Ansicht des Gerichts auch ein Stück weit Opfer in einem sportlichen Umfeld, das Doping bis heute als Kavaliersdelikt ansieht.

    Richard Virenque hatte beim zweiten Verhandlungstag am 24. Oktober nach jahrelangem Leugnen und der Veröffentlichung eines Buches mit dem Titel "Meine Wahrheit" eingeräumt, doch gedopt zu haben. «Ich war ein Schaf in der Herde und bin mitgelaufen», sagte Virenque. Dieses Geständnis war freilich in dem Strafprozess ohne Belang, da Doping am eigenen Körper nach französischem Recht nicht strafbar ist. Der ehemalige Festina-Kapitän war angeklagt wegen des Vorwurfs der Anstiftung seiner Teamkollegen zu Doping. Dies war nach Ansicht von Staatsanwalt, der auf Freispruch Virenques plädiert hatte, und des Richters nicht nachzuweisen.

    Der Festina-Skandal war ins Rollen gekommen, nachdem am 8. Juli 1998 Willy Voet mit einem offiziellen Tour de France-Mannschaftsfahrzeug von Festina in der Nähe von Lille vom Zoll angehalten worden war. Bei der Routinekontrolle fanden die Beamten Unmengen an Dopingprodukten. Von einer "fahrenden Apotheke" sprach man damals. Voet war auf dem Weg nach Dublin, wo die damalige Tour de France begann. Wahrend der Frankreichrundfahrt 1998 wurden immer neue Details des "organisierten Dopingsystems" (Roussel) von Festina bekannt. Festina-Teamchef Roussel war während der Tour verhaftet worden. Die neun Festina-Profis waren ausgeschlossen worden von der Tour. Es war das erste Mal in der Geschichte der grande boucle, dass eine Mannschaft komplett disqualifiziert wurde.

    Die Zukunft von Richard Virenque ist ungewiss. Die Karriere des in Casablanca geborenen Bergspezialisten könnte beendet sein. Trotz seines bemerkenswerten Comebacks bei der vergangenen Tour mit Rang sechs ist er weiter ohne Mannschaft für die kommende Saison. Zudem erwartet ihn eine sechsmonatige Sperre. Der zuständige Schweizer Radsportverband - Virenque lebt in der Nähe von Genf und fährt unter eidgenössischer Lizenz - will am 29. Dezember sein Urteil bekanntgeben. Nach neuem Reglement des internationalen Radsport-Verbandes UCI würde die Sperre erst im Februar beginnen, die Saison 2001 müsste Virenque somit in jedem Falle weitgehend abschreiben.

    Diesen Artikel versenden

    s.a. Reaktionen auf die Urteile

    Festina-Affäre: Übersicht




    Der Radsport-Shop - Herbst/Winter 2000/2001




    Copyright © 1996-2001 by radsport-news.com
    Alle Rechte vorbehalten.