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22.12.00 (rsn) - Der französische Radstar
Richard Virenque ist am Freitag im Strafprozess um den Dopingskandal
in der Festina-Affäre wie erwartet freigesprochen worden
vom Vorwurf der Anstiftung zu Doping. Den 31-Jährigen,
der in dem mehrmonatigen Verfahren (strafrecht-
lich irrelevantes) eigenes Doping zugab,
erwartet jedoch noch eine Sperre durch die Sportverbände.
Der ehemalige Festina-Sportdirektor |
Bruno Roussel und
Ex-Pfleger Willy Voet wurden von der 7. Strafkammer des
Gerichts von Lille verurteilt
zu Geldstrafen und zur Bewährung ausgesetzten Haftstrafen von einem Jahr bzw. zehn Monaten.
Der
belgische Ex-Festina-Betreuer Willy Voet, dessen Verhaftung
an der belgisch-französischen grenze den Tourskandal von
1998 ausgelöst hatte,
acht Angeklagte gesprochen.
Der Prozess gegen den an Krebs erkrankten ehemaligen Festina-Arzt
Eric Rijckaert (Belgien), der flächendeckendes Doping im Team
geleitet hatte, wurde abgetrennt.
Mit den Strafen blieben die Richter
in dem seit 23. Oktober währenden Prozess in Lille nur leicht unter den
Anträgen der Staatsanwaltschaft, die am 6. November
plädiert hatte auf Strafen von 18 Monaten Haft auf Bewährung
und 50.000 France Geldstrafe für Roussel, sowie
14 Monate und 20.000 Francs für Voet.
Der Masseur Jeff d'Hont, vor seiner Zeit bei Festina auch beim
Team Telekom beschäftigt, erhielt neun Monate auf Bewährung. Zu je
fünf Monaten Bewährungsstrafe wurden außerdem zwei weitere Helfer des
Teams verurteilt. Die angeklagte Apothekerin Christine Paranier und
der frühere Teamarzt der spanischen Once-Mannschaft, Nicolas
Terrados, müssen 30 000 beziehungsweise 10 000 Francs Strafe zahlen.
Der vorsitzende Richter Daniel Delegove sagte,
das Gericht habe bei den relativ milden Urteilen
"den Kontext berücksichtigt" und die "Defizite
und Ambiguitäten in der allgemeinen Dopingbekämpfung".
Mit anderen Worten: Roussel, Voet, Virenque und Co.
waren nach Ansicht des Gerichts auch ein Stück weit Opfer in
einem sportlichen Umfeld, das Doping bis heute als Kavaliersdelikt
ansieht.
Richard Virenque hatte beim zweiten Verhandlungstag am 24. Oktober nach jahrelangem Leugnen
und der Veröffentlichung eines Buches mit dem Titel "Meine Wahrheit"
eingeräumt, doch gedopt zu haben.
«Ich war ein Schaf in der Herde und bin mitgelaufen», sagte Virenque.
Dieses Geständnis war freilich in dem Strafprozess
ohne Belang, da Doping am eigenen Körper nach französischem Recht
nicht strafbar ist. Der ehemalige Festina-Kapitän war angeklagt wegen
des Vorwurfs der Anstiftung seiner Teamkollegen zu Doping.
Dies war nach Ansicht von Staatsanwalt, der auf Freispruch
Virenques plädiert hatte, und des Richters nicht nachzuweisen.
Der Festina-Skandal war ins Rollen gekommen, nachdem am 8. Juli 1998
Willy Voet mit einem offiziellen Tour de France-Mannschaftsfahrzeug
von Festina in der Nähe von Lille vom Zoll angehalten
worden war. Bei der Routinekontrolle fanden die Beamten
Unmengen an Dopingprodukten. Von einer "fahrenden Apotheke"
sprach man damals. Voet war auf dem Weg nach Dublin, wo
die damalige Tour de France begann. Wahrend
der Frankreichrundfahrt 1998 wurden immer neue Details des
"organisierten Dopingsystems" (Roussel) von Festina bekannt.
Festina-Teamchef Roussel war während der Tour verhaftet worden.
Die neun Festina-Profis waren ausgeschlossen worden
von der Tour. Es war das erste Mal in der Geschichte
der grande boucle, dass eine Mannschaft komplett
disqualifiziert wurde.
Die Zukunft von Richard Virenque ist ungewiss.
Die Karriere des in Casablanca
geborenen Bergspezialisten könnte beendet sein. Trotz seines
bemerkenswerten Comebacks bei der vergangenen Tour mit Rang sechs ist
er weiter ohne Mannschaft für die kommende Saison. Zudem erwartet ihn
eine sechsmonatige Sperre. Der zuständige Schweizer
Radsportverband - Virenque lebt in der Nähe von Genf und fährt
unter eidgenössischer Lizenz - will am 29. Dezember sein Urteil
bekanntgeben. Nach neuem Reglement des internationalen Radsport-Verbandes UCI würde die
Sperre erst im Februar beginnen, die Saison 2001
müsste Virenque somit in jedem Falle weitgehend abschreiben.