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Neue EPO-Nachweise bei der Tour
Expertenkommission hat noch Zweifel

22.06.00 - Die Entscheidung über ein neues Testverfahren zum Nachweis von Doping mit dem Hormon Erythropoietin (EPO) ist am Donnerstag vom Radsport-Weltverband UCI verschoben worden. Die von der UCI eingesetzte Expertenkommission hat nach einer ersten Prüfung noch Zweifel an der neuen Analysemethode. Dies teilte die UCI am Abend mit.

Drei vom IOC benannte Ärzte - Jordi Segura (Spanien), Peter Hemmerbach (Norwegen) und Björn Ekblom (Schweden) - haben das neue Testverfahren geprüft und sollten es für praktikabel erklären. Zwei dieser Wissenschaftler sind bislang nicht hundertprozentig überzeugt von der
Methode und verlangten eine weitergehende Überprüfung "anderer Aspekte", bevor man eine Entscheidung treffen könne.
Hintergrund
  • Was ist EPO?
  • EPO-Nachweise erstmals bei der Tour
  • UCI-Präsident: "Mißtrauen wird abnehmen"
  • Die "sauberste Tour, die möglich ist"
  • Das offizielle UCI-Statement im Wortlaut
  • In einem offiziellen UCI-Statement hieß es, man werde nun "in den nächsten Tagen die Auswirkungen dieses Expertenurteils prüfen und über das weitere Vorgehen beraten". Ob die verbleibenden neun Tage bis zum Beginn der Tour de France ausreichen, das Verfahren doch noch durchzubringen, ist nun eher zweifelhaft.

    Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc, der fest mit Einführung der Methode gerechnet hatte, und die französische Gesundheits- und Sport- Ministerin Marie-George Buffet, die die Entwicklung des neuen Tests forciert hatte, waren perplex. Zwei Stunden vor der offiziellen Bekanntgabe des Aufschubs durch die UCI hatte die Ministerin erklärt, sie rechne mit der Zulassung des neuen Kontroll-Systems «am Abend oder in den nächsten Tagen». Auf jeden Fall sollte die 87. Tour durch das neue Verfahren etwas mehr Transparenz und Glaubhaftigkeit in den Doping-Kampf bringen. Diese Hoffnung scheint nun vorerst zerstört.

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    Zum ersten Mal bestand die Chance, über Urin- Tests zwischen körpereigenem und synthetisch hergestelltem EPO zu unterscheiden. Bisher war über Blutkontrollen nur ein Annäherungswert gefunden worden, der keinen schlüssigen Doping- Nachweis zuließ. Bei einem Hämatokritwert von über 50 Prozent fester Bestandteile im Blut folgte bisher durch die UCI eine Wettkampfverbot für 14 Tage aus «Gesundheitsschutz».

    Ein auffällig hoher Hämatokritwert, wie er beispielsweise im Vorjahr beim Giro d'Italia dem Spitzenreiter Marco Pantani aus Italien zum Verhängnis geworden war, muss nicht zwingend auf die Gabe von EPO zurückzuführen sein. Ein Wasserverlust im Körper oder Training in der Höhe über 3 000 Meter vermehren ebenfalls die roten Blutkörperchen und erhöhen den Hämatokritwert.

    Nach eigenen Angaben können die Mediziner in Chatenay-Malabry EPO bis drei Tage nach der Injektion im Urin nachweisen. Pro Woche können maximal 80 Proben analysiert werden. Die Dauer dafür betrage 48 bis 72 Stunden, wie Labor-Chef Jacques de Caurriz mitteilte. Die Testpremiere im Wettkampf sollten am kommenden Sonntag bei den französischen Straßen-Meisterschaften stattfinden.

    Der 1998 bei der Tour enttarnte Betreuer des Festina-Teams, Willy Voet (Belgien), hatte in einem Enthüllungsbuch geschrieben, dass sich verschiedene Profis während der Tour ständig EPO gespritzt hätten. Von der Polizei vernommene Spitzenfahrer, unter anderen Ex- Weltmeister Alex Zülle (Schweiz), gaben EPO-Gebrauch zu und bestätigten indirekt Voets Version.

    Caurriz und sein Team untersuchten 102 eingefrorene Urinproben der Tour'98, davon wiesen 28 erhöhte EPO-Konzentrationen auf. Die 14 höchsten wurden analysiert - alle zeigten das Muster von gentechnisch

    22.06.00 Entscheidung "heute abend oder morgen früh"
    21.06.00 EPO-Nachweise bei der Tour: Entscheidung fällt am Donnerstagnachmittag
    15.06.00 EPO-Nachweise: Urteil der Expertenkommission bis zum 22. Juni
    09.06.00 Drei Wissenschaftler sollen EPO-Test absegnen
    08.06.00 Neue EPO-Tests: Labor-Chef erwartet "sauberste Tour, die möglich ist"
    28.05.00 UCI-Präsident nimmt Stellung zu neuen EPO-Tests - Verbruggen: "Das Mißtrauen wird abnehmen"



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