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Tour de France |
Hintergrund: Was ist EPO? EPO, der Star unter den Dopingmitteln
Wie wirkt EPO?
Bei Ausdauersportlern ist der Schlüssel zum Erfolg ein "langer Atem".
Um lange und dauerhaft große Leistungen zu vollbringen, müssen
Muskeln mit Sauerstoff versorgt werden. Transportíert wird
dieser im Blut durch die roten Blutkörperchen (Erythrozyten).
Grundsätzlich kann man sagen: Je mehr rote Blutkörperchen,
desto besser werden die Muskeln mit Sauerstoff versorgt.
Die Bildung der Erythrozyten kann man durch Training in der Höhe
(oder in Unterdruckkammern) anregen. Dies ist - natürlich -
erlaubt.
Eine andere - verbotene - Methode, um mehr rote Blutkörperchen
im Blut zu haben, ist die künstliche Zugabe von Erythropoietin (EPO).
Dieses ist ein körpereigenes Hormon, das die Produktion der
Erythrozyten anregt: je höher der Erythropoietin-Spiegel,
desto mehr rote Blutkörperchen produziert der Körper.
Seit den achtziger Jahren wird EPO in der Pharmaindustrie gentechnisch hergestellt. Als Medikament (z.B. "Epogen"
vom Biotech-Konzern Amgen) hilft es bei der Behandlung von Anämie (Blutarmut) oder der Therapie von
Krebskranken nach einer Chemotherapie.
Doch nicht nur Kranke wissen die Wirkungen von EPO-Präparaten
zu schätzen.
Bei Radsportlern, Schwimmern, Skilangläufern und Leichtathleten in Ausdauerdisziplinen
ist EPO seit Anfang der neunziger Jahre der Star unter den Dopingmitteln,
zumal es bei Dopingkontrollen bisher nicht nachweisbar war.
"Wenn Du EPO nimmst, ist es, als ob Du plötzlich noch einen Gang mehr hast",
sagte mal ein prominenter deutschsprachiger Radprofi gegenüber RADSPORT-NEWS.COM
Vor allem im italienischen Radsport nahm EPO in den neunziger Jahren
epidemiehafte Ausmaße an, wovon zahlreiche unterhaltsame Anekdoten
überliefert sind. Beim Giro d'Italia 1996, der in Griechenland
begann, nahm zum Beispiel eine Karawane von Teamfahrzeugen
den ewig langen Landweg von Athen über den Balkan, Slowenien, Venedig
und wieder nach Süden bis Mittelitalien, weil durchgesickert
war, dass eine Polizeirazzia auf die offizielle Giro-Fähre
in Brindisi wartete. So schaukelten die Teamhelfer eben die EPO-Ampullen gut
gekühlt in den mit Kühlschränken ausgerüsteten
Autos tausende Kilometer quer durch Europa.
Gefährliche Nebenwirkungen
Bei der Strassen-Weltmeisterschaft 1996 in Lugano in
der Schweiz, wo EPO leichter zu kaufen ist, als in Italien,
sorgte die Anwesenheit der vielen Profi-Teamhelfer
für einen Wirtschaftsaufschwung besonderer Art.
Während der wenigen Tage der WM in Lugano im Oktober 96 wurde in den Apotheken
EPO im Wert von über 6 Millionen DM
verkauft.
Die Sportler, die so fleißig EPO spritzten - und bei bevorstehenden
Kontrollen das Blut wieder mit Wasser verdünnten! -
gehen indes die gesundheitlichen Risiken der künstlichen Vermehrung
der roten Blutkörperchen ein: Herzinfarkt durch Bluthochdruck, Embolie durch Verdichtung und
Verklumpen der Erythrozyten.
"Professionelle" Sportgruppen sorgten vor: Als Festina-Teamhelfer
Willy Voet vor der Tour de France 1998 mit seinem Auto
randvoll mit EPO und anderen Dopingmitteln erwischt wurde,
fand die Polizei auch viele Medikamente gegen Bluthochdruck und Embolie...
Manche Radsportler puschten ihre Hämatokritwerte (feste Bestandteile im Blut,
d.h. vor allem rote Blutkörperchen) so hoch, dass das Blut kaum noch
durch die Arterien fließen konnte. Es sind Fälle überliefert
von Radprofis, die während einer großen Rundfahrt nachts mehrmals
aufstehen mussten, um Gymnastik zu treiben, um das Blut in Wallung zu halten.
Aufgeschreckt durch viele dieser Horrorgeschichten, die
1996 vor allem in Frankreich zahlreiche Schlagzeilen produzierten,
reagierte der internationale Radsportverband - im Gegensatz etwa
zu den Sportverbänden anderer Disziplinen - schließlich.
Da ein Nachweis nicht möglich war, griff
man zu einer Notlösung. Es wurde ein Hämatokrit-Limit
festgelegt (50%), ab dem ein Radsportler "aus Gesundheitsgründen"
pausieren muss für 15 Tage.
Bei RADSPORT-NEWS.COM konnte man am 29. Januar 1997
lesen:
So unzureichend das Hämatokrit-Limit auch ist: es
gab eben bislang nichts anderes und man muß der
UCI zugutehalten, dass sie mit ihm die schlimmsten Auswüchse
des EPO-Dopings, wie es sie bis 1996 gab, wieder zurückschraubte.
Mit dem neuen EPO-Urintest, der voraussichtlich bei der Tour de France
2000 erstmals angewandt wird (s. Story dazu),
wird das Kapitel EPO nun hoffentlich ein für alle mal
geschlossen. Auch wenn das Thema Doping mit Sicherheit nie ganz verschwinden
wird, ist dies ein großer Fortschritt. (kv)
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