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Team Coast zwischen zwei Trainingslagern
Schweda: "Freue mich auf erstes Milan-San Remo"
Lindner-Truppe ab 9. Januar nach Mexico / Classicissima erstes Saisonhighlight


Coast-Teamchef Lindner
28.12.00 (rsn) - Die Profis des deutschen Team Coast, das vor einigen Tagen nun auch ganz offiziell von der UCI den GS-I-Status für die nächste Saison bekam und damit 2001 ebenso wie Telekom bei allen Klassikern dabei sein wird, erholen sich Weihnachten und Neujahr vom ersten harten Trainingslager der Mannschaft, das im Dezember in Spanien absolviert wurde. Am 9. Januar bereits steht das zweite Trainingscamp auf dem Programm. Dann wird die Truppe von Sportdirektor Wolfram Lindner nach Mexiko fliegen.

Ursprünglich wollte Coast-Sportdirektor Wolfram Lindner mit seinen Rennfahrern in Italien Quartier beziehen für das erste Training. Doch da es in Nord-Italien im Dezember fast nur regnete, verlegte man den Trainingsaufenthalt kurzerhand nach Spanien. Die Coast-Profis spulten ihre Kilometer ab
in der Nähe des Touristen-Zentrums Llorret de Mar. Von der berüchtigten Discotheken-Szene an der Costa Brava bekam die Lindner-Truppe freilich nichts mit.
Hintergrund
  • Offiziell: Coast ist in erster Division
  • Interview mit "Coast"-Sportdirektor Lindner
  • Schweda unterschreibt bei "Coast"
  • Team Coast hat GS-I-Status sicher
  • Escartin: "Gute Chancen auf Tourstart"
  • Spanier Gamendia zu Coast
  • Coast holt Alex Zülle
  • "Wir waren abends ganz schön kaputt nach täglich 180, 200 Kilometern auf dem Rad. Wir haben viele Kilometer gemacht. Abends lagen wir so halb im Koma und ich konnte gerade noch so die Tasten am Laptop bewegen", sagt Coast-Profi Raphael Schweda, der das Training als "sehr professionell" beschreibt. Teamchef Lindner analysierte jeden Abend die Dateien, die die Radcomputer der Fahrer am Tage aufzeichneten. Schweda: "Aber im Dezember haben wir fast nur im Grundlagenbereich trainiert. In Mexiko im Januar geht es noch viel mehr zur Sache."

    Im zweiten Trainingslager im mexikanischen Tuluca, wo Lindner zu DDR-Zeiten mit seinen Mannschaften trainierte, werden dann erstmals auch die Coast-Stars wie Alex Zülle und Fernando Escartin dabei sein. Die beiden Rundfahrt-Hoffnungen des zweiten deutschen GS-I-Teams, das auf eine Einladung zur Tour de France hofft, hatten sich im Dezember allein vorbereitet.

    Der alte Fuchs Wolfram Lindner (59), der von 1970 bis 1990 die DDR-Topfahrer wie Bernd Drogan, Uwe Raab, Uwe Ampler und Olaf Ludwig zu WM- und Olympiasiegen führte und danach als Schweizer National-Coach Asse wie den Olympiasieger von 1996 Pascal Richard oder den Weltmeister von 1998 Oscar Camenzind, betreute, hat für das Trainingslager in Mexiko von 9. bis 31. Januar einiges vor. Schweda: "Er hat einige Innovationen angekündigt. Ich lasse mich mal überraschen."

    Der 24-jährige Raphael Schweda, der von Team Nürnberger zu dem zweiten deutschen Top-Rennstall wechselte, fühlt sich bereits sehr wohl im neuen Umfeld. Coast-Teamchef Lindner vertraut auf das große Potenzial des Brandenburgers, der demnächst ins Rheinland umziehen wird. "Ich habe in Spanien ein langes Gespräch mit Lindner geführt, natürlich auch über meine Renneinsätze zu Beginn der Saison." Erstes Highlight nicht nur für Schweda, sondern für die ganze Mannschaft wird die Classicissima sein, Mailand-San Remo am 24. März. Schweda: "Ich freue mich schon unheimlich darauf, zum ersten Mal da zu fahren. Ich will da im Finish unter den letzten 50 Mann sein und dann für unsere Klassiker-Spezialisten wie Mauro Gianetti, Frank Hoj oder Lars Michaelsen fahren."

    Schwedas Rennprogramm bis zur Deutschland-Tour Ende Mai ist zwar nicht so voll wie in den Jahren zuvor, dafür haben es die Rennen aber in sich: Es geht los in Spanien mit Ruta del Sol und Trofeo Luis Puig, in Belgien folgen Het Volk und Kuurne-Brüssel-Kuurne, dann Tirreno-Adriatico als Vorbereitung auf Milan-San Remo; nach der Primavera folgen Anfang April Harelbeke, Drei Tage von De Panne und Flandern-Rundfahrt. "Und wenn ich diese Woche in Belgien einigermaßen überstehe, kann ich auch bei Paris-Roubaix was zeigen", sagt Schweda, der sich im Frühjahr nach überstandener "Hölle des Nordens" den deutschen Fans bei Henninger Turm und Deutschland-Tour zeigt. Der Überraschungs-Zweite der Hamburger Cyclassics im letzten Jahr bleibt dabei aber auf dem Boden: "Mein Ziel in diesem Jahr ist es, mich gut ins Team zu integrieren als Stammfahrer, als vierter, fünfter Mann im Team für die Klassiker. Damit wäre ich schon sehr zufrieden."

    Für Schweda oder etwa auch den Dürener Sascha Henrix, der von Festina zum Lindner-Team wechselte, ist Team Coast eine neue Profi-Mannschaft, doch kennen sie den Profi-Zirkus, kennen - mit Ausnahme vielleicht von Milan-San Remo - die großen Rennen, das Ambiente, die Taktik, die sportliche Härte. Dagegen ist für Fahrer wie Klaus Mutschler (23) oder Christoph von Kleinsorgen (20) das Team zwar das alte geblieben, doch sonst ist für die Fahrer, die bis zu diesem Jahr in der kleinen Wattenscheider GS-II-Mannschaft von Klassiker-Starts weit entfernt waren, alles neu. Die jungen Rennfahrer, die bis vor einigen Monaten nicht für möglich gehalten hatten, im Jahr 2001 in einer GS-I zu fahren, schauen nervös und aufgeregt auf die neue Saison. Bei Wolfram Lindner mit seiner typischen Mischung aus väterlicher Fürsorge und fachlicher Strenge sind sie da nicht in schlechten Händen.

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