Bahn-WM 1999 in Berlin
Am Ende gibts doch noch die "Fiedel"-Show
Judith Arndt holt Silber, Kappes/Pollack Bronze
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24.10.99 - Einen großartigen Abschlußtag erlebten die deutschen
Fahrer bei den Bahnweltmeisterschaften im Berliner Velodrom. Die
Frankfurterin Judith Arndt holte im Punktefahren der Frauen ihre
zweite Silbermedaille und wurde wie bereits in der Verfolgung Zweite
hinter der Französin Marion Clignet. In der "Sechstagedisziplin" Americain
jubelte das Duo Olaf Pollack/Andy Kappes über Bronze nach einem
spektakulärem Rennen. Doch einer überstrahlte am Ende alle
anderen: Publikumsliebling Jens Fiedler aus Chemnitz revanchierte sich
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seine Niederlage im Sprintfinale und wurde wie im Vorjahr
Weltmeister im Keirin.
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Da saß er plötzlich auf der Holzbahn und ließ sich feiern für
seine Titelverteidigung im Keirin, der japanischen Sprintvariante, bei der die
Rennfahrer erst einige Runden lang in aller Ruhe hinter einem Schrittmacher hinterherfahren,
bevor es dann am Ende umso spannender wird. Der geschäftstüchtige Sachse
(Motto: "Heute trainieren, morgen kassieren") setzte sich natürlich nicht irgendwohin
auf dem 250-Meter-Oval, sondern da, wo der Aufdruck des Sponsors seines Profi-Teams
"Erdgas-XXL-Team" prangte. Genau wie im Vorjahr rettete "Fiedel" seine
WM mit Keirin-Gold, nachdem er im Sprint im Finale an einem Franzosen
gescheitert war. "Gott sei dank, es ist vorbei, Das ist Wiedergutmachung für
den verpassten Sprinttitel. Jetzt freue ich mich auf Sydney",
so der vielbejubelte 29-jährige nach dem turbulenten Keirin-Wettbewerb.
Fiedler fuhr im Keirin-Finale mit hauchdünnem Vorsprung über die Ziellinie
vor dem Neuseeländer Anthony Peden und dem Franzosen Frederic Magné,
und das obwohl der Deutsche eingangs der Zielgeraden von dem Amerikaner
Marty Nothstein behindert worden war. Nothstein wurde von der Jury
später auf den letzten Platz zurückgesetzt.
Nach der Zieldurchfahrt lag zunächst Hochspannung in der Halle, niemand
konnte mit bloßem Auge sehen, ob Peden oder Fiedler die Nase vorn hatte,
dann brach Jubel los: Das Zielfoto zeigte Fiedler vorne.
Der drehte noch eineinhalb Ehrenrunden, hielt dann auf dem "Erdgas"-Werbeaufdruck
und schmiss sein sündhaft teures Spezialrad einfach weg, um sich
von seinen Fans feiern zu lassen.
Der Keirin-Wettbewerb, bei dem ohnehin schon viele Ruppigkeiten,
die etwa im Sprint zur sofortigen Disqualifikation führen würden, zugelassen
sind, war geprägt von einer Serie von Regelverstößen.
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WM-Notizen
Auffällig Normalerweise schaut alles neugierig einem Sportler hinterher, wenn
er nach dem Wettkampf noch in Sportkleidung durch die Halle geht. Andreas Kappes
wurde am Sonntag von seiner Frau die Show etwas gestohlen, als er nach seiner
Bronze-Medaille gemeinsam mit Gattin dem gläsernen ARD-Studio zustrebte.
Die tief-dekolletierte Marion Kappes zog mehr Blicke auf sich...
Lautstarker Fan Ein Schweizer Risi-Fan feuerte am Sonntag sein Idol eifrig an.
Ob die Frauen gerade ihr Punkterennen austrugen oder die Sprinter
den Keirin, stets schallte ein lautstarkes "Bruuuno" durch die Halle...
WM wieder im Sommer? Gerüchten zufolge soll
die UCI damit liebäugeln, die Bahn-WM doch nun wieder
im Sommer stattfinden zu lassen, wie dies bis letztes Jahr üblich
war. Frühestens 2001, wenn die Bahn-WM in Antwerpen (Belgien)
stattfindet, könnte der August-Termin zurückkommen.
In Berlin herrschten unterdessen auch am vorletzten Oktober-Wochenende
beinahe sommerliche Temperaturen von fast 20ºC.
Auf Wiedersehen, Berlin, Hello Manchester!
Die Bahn-WM 2000 wird im britischen Manchester stattfinden.
Die Engländer präsentierten sich im Berliner Velodrom
an einem Sonderstand.
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Sieben Mal
griffen die Rennkommissare der UCI nachträglich ein.
Prominentestes "Opfer" der Jury war der französische
Sprintweltmeister Laurent Gané, der im Halbfinale wegen
einer Unregelmäßkeit vom dritten auf den letzten Platz deklassiert
wurde und ausschied. Gané war sauer: "Es gab viele Unregelmäßigkeiten,
aner ich habe nichts falsch gemacht. Fiedler war es, der die Tür zugemacht hat
und ich werde deklassiert. Das ist schade, das Finale wäre anders gelaufen!"
Das Zweiermannschaftsfahren, das vor dem Keirinfinale ausgetragen wurde,
war mindestens genauso spektakulär und von einigen Stürzen und
vielen Nickeligkeiten des grossen Feldes mit 18 Mannschaften geprägt.
"Das war heute ein ganz schwerer Gang. Teilweise war es wie beim Keirin",
so Andy Kappes, der zusammen mit Olaf Pollack die Bronze-Medaille
erkämpfte.
Vermutlich wäre sogar noch mehr drin gewesen für das deutsche Duo,
wenn die siegreichen Spanier Isaac Galvez und Juan Llaneras nicht kurz vor Schluss
einen Rundengewinn erziel hätten und so mit drei Pünktchen
Weltmeister wurden. Nach der vierten von zehn Wertungen mussten die Deutschen eine
Schrecksekunde überstehen, als
Pollack stürzte, aber sogleich mit zerfetzter Hose weitermachen konnte.
Die Schweizer Mitfavoriten Bruno Risi/Kurt Betschart hatten mehr Pech.
Da Risi nach dem Sturz nicht sofort weiterfuhr, wurde die Neutralisierung
des Gestürzten aufgehoben und den Schweizern wurde eine
Strafrunde aufgebrummt, was die in aussichtreicher Position liegenden
Eidgenossen eine Medaillenchance kostete. Risi und Betschart versuchten noch
eine Attacke, kamen damit aber nicht durch bei diesem schnellen Rennen,
bei dem einzig den spanischen Siegern ein Rundengewinn gelang.
"Es war sehr schwer heute. Ich habe nicht an eine Siegchance geglaubt.
Aber wir haben einfach mal die Attacke versucht", so
der 30 Jahre alte Llaneras, der zum vierten Male einen Weltmeistertitel
gewann, zum zweiten Mal im Americain.
Etwas ruhiger ging es beim Punkterennen der Frauen zu,
bei dem die Französin Marion Clignet nach Gold in der Verfolgung ihren zweiten Titel
in diesem Jahr und insgesamt das vierte Regenbogen-Trikot ihrer
Karriere holte. Wie in der Verfolgung wurde die 23 Jahre alte Frankfurterin
Judith Arndt Silbermedaillen-Gewinnerin hinter der in den USA geborenen 35 Jahre alten Französin.
"Mit dieser Medaille habe ich überhaupt nicht gerechnet, denn ich quäle mich
mit einer Virusinfektion herum", so die vielseitige Judith Arndt, die
auf der Strasse vor wenigen Wochen beim Zeitfahren in Verona Sechste geworden war.
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Mit den drei Medaillen vom Sonntag schraubten die Starter und Starterinnen
des Bund Deutscher Radfahrer (BDR) die WM-Ausbeute auf insgesamt elf Medaillen.
Drei Mal Gold, je vier Mal Silber und Bronze lautet die WM-Bilanz des BDR.
Nur die erneut dominanten Franzosen (7 Gold, 2 Silber, 1 Bronze) übertrafen
den Gastgeberverband. Zehn der insgesamt zwölf Goldmedaillen gingen
somit an Frankreich und Deutschland. Ansonsten gewannen die Schweizer (Risi im
(Punkterennen) und die Spanier (Americain) je einmal Gold, der internationale
Bahnsport erwies sich in Berlin noch deutlicher als zuvor als Zweiklassengesellschaft,
auch wenn mit Südkorea und China
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Zweiklassengesellschaft
Der WM-Medaillenspiegel
G S B
Frankreich 7 1 2
Deutschland 3 4 4
Schweiz 1 0 0
Spanien 1 0 0
Australien 0 2 0
Neuseeland 0 1 1
China 0 1 0
Dänemark 0 1 0
Grossbritannien 0 1 0
Ukraine 0 1 0
Kanada 0 0 1
Südkorea 0 0 1
Italien 0 0 1
Litauen 0 0 1
Russland 0 0 1
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zwei Nationen erstmals Podiumsplazierungen holten.
BDR-Präsident Manfred Böhmer: "Unsere Bilanz ist ausgezeichnet und
übertrifft unsere Erwartungen. Trotzdem haben wir gegenüber den Franzosen
sogar noch Boden verloren. Die internationale
Spitze ist ein Jahr vor den Olympischen Spielen noch kleiner geworden."
Die Ergebnisse vom Sonntag:
Ergebnisse: Keirin/Männer
Ergebnisse: Punkterennen/Frauen
Ergebnisse: Americain/Männer
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