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Tour de France |
"La Doble Copacabana" Ein Jesuiten-Pater macht Bolivien zur Radsportnation Härtestes Rennen der Welt / Vierter kolumbianischer Sieg / 500.000 in La Paz
Es sind Extrembedingungen, unter denen der Kolumbianer Ismael
Sarmiento am Sonntag seinen Gesamtsieg holte.
Kaum einer der vier Tagesabschnitte verlief
in Höhen unter 4.000 Metern über dem Meer.
Ohne gute Akklimation geht hier nichts:
die gefürchtete "Soroche", die Höhenkrankheit, droht.
Bis auf eine gingen alle Etappen mit giftig steilen Bergankünften zu Ende
und zu allem anderen kommen bei der "Doble Copacabana" auch noch
extreme klimatische Bedingungen hinzu mit enormen Temperaturschwankungen zwischen
Hitze und eisiger Kälte. Die Zutaten für ein legendäres
Rennen.
Einzigartig wie das Rennen ist auch der Gründer und Organisator
Eduardo Perez Iribarne. Der Jesuiten-Pater, Chef einer katholischen Radiostation in La Paz, fungiert bei seinem Rennen
nebenbei auch noch als Live-Kommentator. Mit einem ununterbrochenen
Redeschwall im typischen Singsang, der von südamerikanischen Fußballreportern
bekannt ist ("Goooool"), bringt Pater Eduardo die "Doble Copacabana"
in die Wohnstuben des armen Landes, das im Gegensatz zu Kolumbien oder
zum benachbarten Chile über keine Radsporttradition verfügt.
Dass die Bolivien-Rundfahrt dennoch nun bereits zum sechsten Mal
hintereinander ausgetragen wurde, spricht für sich. Und
nicht nur das: Beim Finale am vergangenen Sonntag in La Paz
kamen nach Angaben der Organisatoren rund 500.000 Zuschauer
zusammen, um die Schlussetappe zu verfolgen. La Paz hat 1,5 Millionen
Einwohner...
Wie in den vergangenen Jahren auch, wurde die sechste Ausgabe des Rennens
von den Kolumbianern absolut dominiert. Zwei der vier Etappen gingen
an die südamerikanischen "Bergziegen", dazu Gesamtwertung und - wie es dem Land
von Luis Herrera gebührt - die Bergwertung.
Im kommenden Jahr wird "La Doble Copacabana" vermutlich
noch mehr Europäer anziehen. UCI-Präsident Hein Verbruggen
hat den Bolivianern versprochen, das Rennen aufzuwerten und
als Kategorie 2.5-Rennen in den internationalen Kalender aufzunehmen.
Einem fünften kolumbianischen Sieg wird dies freilich
kaum entgegenstehen.
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