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"La Doble Copacabana"
Ein Jesuiten-Pater macht Bolivien zur Radsportnation
Härtestes Rennen der Welt / Vierter kolumbianischer Sieg / 500.000 in La Paz


Die Anden
13.11.00 (rsn) - Das höchst- gelegene Radrennen der Welt, die "Doble Copacabana" im südameri- kanischen Andenstaat Bolivien ging am Sonntag in La Paz mit dem vierten Sieg in Folge eines Kolumbianers zu Ende. Die Bolivien-Rundfahrt, die zum nunmehr sechsten Mal ausgetragen wurde, ist auf dem Weg, zur Legende zu werden. Auch immer mehr Europäer zieht es zu dem Rennen, das Kletteretappen in den
Alpen oder Pyrenäen wie Flachetappen aussehen läßt: Bei der "Doble Copacabana" befindet sich das Peloton während des Rennens durch die Anden stets oberhalb von 3.800 Metern Höhe in Regionen, in denen die Luft eigentlich schon fürs Spazierengehen zu dünn ist.

Es sind Extrembedingungen, unter denen der Kolumbianer Ismael Sarmiento am Sonntag seinen Gesamtsieg holte. Kaum einer der vier Tagesabschnitte verlief in Höhen unter 4.000 Metern über dem Meer. Ohne gute Akklimation geht hier nichts: die gefürchtete "Soroche", die Höhenkrankheit, droht. Bis auf eine gingen alle Etappen mit giftig steilen Bergankünften zu Ende und zu allem anderen kommen bei der "Doble Copacabana" auch noch extreme klimatische Bedingungen hinzu mit enormen Temperaturschwankungen zwischen Hitze und eisiger Kälte. Die Zutaten für ein legendäres Rennen.

Einzigartig wie das Rennen ist auch der Gründer und Organisator Eduardo Perez Iribarne. Der Jesuiten-Pater, Chef einer katholischen Radiostation in La Paz, fungiert bei seinem Rennen nebenbei auch noch als Live-Kommentator. Mit einem ununterbrochenen Redeschwall im typischen Singsang, der von südamerikanischen Fußballreportern bekannt ist ("Goooool"), bringt Pater Eduardo die "Doble Copacabana" in die Wohnstuben des armen Landes, das im Gegensatz zu Kolumbien oder zum benachbarten Chile über keine Radsporttradition verfügt. Dass die Bolivien-Rundfahrt dennoch nun bereits zum sechsten Mal hintereinander ausgetragen wurde, spricht für sich. Und nicht nur das: Beim Finale am vergangenen Sonntag in La Paz kamen nach Angaben der Organisatoren rund 500.000 Zuschauer zusammen, um die Schlussetappe zu verfolgen. La Paz hat 1,5 Millionen Einwohner...

Das Rennen in Bolivien ist einzigartig. Selbst beim 6km-Prolog- zeitfahren waren echte Kletter- qualitätren gefragt: Der Auftaktabschnitt
6.Bolivien-Rundfahrt - Endstand
1. Ismael Sarmiento (Col)  7h51:12
2. Jairo Pérez (Col)        + 0:16
3. Graciano Fonseca (Col)     0:23
4. Cid Martínez (Bol)         0:48
5. Aldrin Salamanca (Ven)     1:09
endete mit einem 2.5km langen Anstieg. Die zweite Etappe etwa führte das Feld der Rennfahrer, darunter Teams aus Frankreich (Châteauroux), Holland ("Claro" mit dem Sechsten des U23-Weltcups Frank Van Dulmen) und die italienische U23-Nationalmannschaft, in die Bergankunft am Kloster von Copacabana am Titicaca-See, dem höchstgelegenen See der Welt, an dem nach der Mythologie der alten Inka das Leben der Welt seinen Ursprung hat. Die Zuschauer der "Doble Copacabana" sind buntgemischt: modern gekleidete junge Frauen und Männer aus der dünnen Mittelschicht des Landes mischen sich mit traditionell gekleideten Indios.

Wie in den vergangenen Jahren auch, wurde die sechste Ausgabe des Rennens von den Kolumbianern absolut dominiert. Zwei der vier Etappen gingen an die südamerikanischen "Bergziegen", dazu Gesamtwertung und - wie es dem Land von Luis Herrera gebührt - die Bergwertung. Im kommenden Jahr wird "La Doble Copacabana" vermutlich noch mehr Europäer anziehen. UCI-Präsident Hein Verbruggen hat den Bolivianern versprochen, das Rennen aufzuwerten und als Kategorie 2.5-Rennen in den internationalen Kalender aufzunehmen. Einem fünften kolumbianischen Sieg wird dies freilich kaum entgegenstehen.

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06.11.99 (1999) Bolivien-Rundfahrt: Radrennen in 4.400 Meter Höhe - In der "Hölle der Anden" ist die Luft dünn



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