"Der geht nie kaputt"
Udo Bölts: 15 Jahre Leidenschaft und Leiden
19.09.03 (dpa) - «Quäl dich, du Sau»! Mit diesem - selbst unter
Atemnot leidend - herausgepressten und berühmt gewordenen «Befehl» an
seinen Chef Jan Ullrich gilt Udo Bölts als Königsmacher für dessen
Tour-de-France-Sieg 1997. Am Samstag
führt den 37-Jährigen seine persönliche Ehrenrunde des 37-
durch seinen Heimatort Heltersberg.


Fotos: Roth
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Beim Anstieg zum «Grand Ballon» in den
Vogesen, als dem Träger des Tage zuvor in den wesentlich steileren
Serpentinen von Andorra errungenen Gelben Trikots die Puste
auszugehen drohte, stellte der pfälzische Vorzeige-Radprofi seine
überall geschätzten Qualitäten unter Beweis: Großes Kämpferherz und
starker Charakter. "Quäl Dich, Du Sau" - Tausende von Hobby-Radler haben sich diesen
Kultspruch zu Eigen gemacht, manch einer sogar gegen drohende
Antriebsschwächen im Alltag aufs Handy geladen.
Nur wer dienen kann, kann herrschen. Dieses Prinzip hat Udo Bölts
früh begriffen und bis heute verinnerlicht. Der Edel-Domestike, dem
den deutschen Rekord von zwölf Tour-Teilnahmen auf ewig wohl niemand
mehr nehmen wird, geht bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt in diesen
Tagen auf seine persönliche «Tour d'Honneur». Die Ehrenrunde des 37-
Jährigen führt auch ihm zu Liebe an diesem Samstag gegen 15.00 Uhr
durch seinen Heimatort Heltersberg.
Udo Bölts
Foto: Roth
Geb. 10.08.66 in Rodalben, Wohnort: Heltersberg;
Verheiratet, zwei Kinder;
1,79m/70kg.
Profi 1989-2003
Teams: Team Stuttgart (89-90), Telekom (91-2002), Gerolsteiner (2003)
Größte Erfolge:
Deutscher Meister 1990, 1995 und 1999,
Clasica San Sebastian 96,
Rund um Köln 1994,
Dauphiné Libéré 1997,
Grand Prix Wallonie 1998,
Etappensieger Giro d'Italia 92,
1 Etappe Tour de Suisse 96,
Etappe Bicicleta Vasca 1997,
Etappe Baskenland-Rundfahrt 1992,
Etappe Deutschland- Rundfahrt 2000,
Vierter Platz Straßen-WM 97.
Tour de France: 12 Teilnahmen (1996 und 1997 als Helfer der Sieger Riis bzw. Ullrich),
Gesamtneunter 1994.
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Dort werden sie ihm jene Ovationen bereiten, die ihm in den
Radsport-Ländern Frankreich (Tour) oder Italien (Giro) anerkennend
entgegen schlugen. In Deutschland, das nach der «Gelb-Sucht» eines
Didi Thurau oder Ullrich meist nur Siegern Ruhmeskränze zu flechten
pflegt, stand die Rad-Kompetenz eines Udo Bölts meist nur unter dem
Scheffel. Schmerzensmann Bölts war vielleicht allzu bereit, sich
selbst zurückzunehmen - und damit möglicherweise manchen Sieg zu
verschenken.
Einer wie Bölts hatte auch immer das richtige Gespür für die
eigenen Grenzen. Deshalb wusste er auch: Allein bist du nichts. So
sah und sieht er auch die Rolle des Kapitäns eines Teams, dem er sich
ohne Gesichtsverlust unterordnen konnte, um diesem zum Erfolg zu
verhelfen. Im neidlosen Verzicht lag seine Größe.
Ein Beispiel seiner Bescheidenheit: Bölts reagierte geradezu
erstaunt, als er 1992 bei der Baskenland-Rundfahrt sein großes Idol,
den spanischen Bergkönig Pedro Delgado, auf der «Königsetappe» hinter
sich ließ. Gleiches gelang ihm im selben Jahr beim Giro d'Italia. Udo
Bölts wurde auf seine ureigene Art zum speziellen Siegertypen. Den
Sieg über sich selbst, das Überwinden von Grenzen stellte er stets in
den Vordergrund. So auch, als er beim Ironman 2000 auf Hawaii, den er
knapp zwei Stunden hinter dem Sieger beendete, seine Leidensfähigkeit
überprüfte.
Mit dem Leiden soll es für den leidenschaftlichen Rad-Profi, der
alle seine zwölf Frankreich-Rundfahrten unter dem Triumphbogen von
Paris beendete - 1994 wurde er Neunter - nun ein Ende haben. Nach
vier Amateur- und 14 Profijahren nimmt der «Quälgeist» aus
Heltersberg, über den sein früherer Telekom-Teamchef Walter Godefroot
sagte «der geht nie kaputt», in der Heimat seinen Hut.
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16.09.03 Interview mit Udo Bölts
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