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Berzin wehrt sich gegen Doping-Gerüchte und verspricht "guten Giro 99"

03.02.99 - Der Russe Evgeny Berzin (28) stieg vor fünf Jahren kometenhaft auf, gewann den Giro d'Italia und das "Monument" Lüttich- Bastogne -Lüttich. Seitdem ging es jedoch Jahr für Jahr ein bißchen weiter bergab mit ihm und immer öfter und nicht nur hinter vorgehaltenener Hand wird Berzin als klassisches Beispiel eines dopenden Sportlers bezeichnet, der seinen Blitz-Aufstieg unerlaubten Mitteln verdankt und den genauso schnellen Abstieg deren gesundheitsgefährdenden Nebenwirkungen. Jetzt platzte Berzin angesichts neuer Doping-Beschuldigungen der Kragen.

Der Franzose Erwann Mentheour, der Ende 1997 mit gerade mal 25 Jahren seine Radsport-Karriere beendete, nachdem er in die Annalen einging als erster Radprofi, der wegen eines zu hohen Hämatokrit-Werts gesperrt wurde (bei Paris-Nizza 97), behauptet in einem neuerschienenen Buch mit dem Titel "Secret Defonce" (so viel wie "Geheimer Durchbruch") u.a., daß Evgeny Berzin momentan unter großen gesundheitlichen Problemen leide, die auf exzessiven Gebrauch von Dopingmitteln zurückzuführen sei.

"Ich fühle mich sehr gut und ich bin in Topform. Ist denn Mentheour etwa ein Doktor?", konterte Evgeny Berzin jetzt die Vorwürfe, die durch einen teilweisen Vorabdruck des Buchs sowie aufgrund eines Mentheour-Interviews in der Tageszeitung 'France Soir' für Wirbel sorgten. Berzin weiter: "Wer ist denn dieser Herr, daß er sich erlaubt, solche Dinge zu sagen? Ich kenne ihn nicht und ich habe ihn noch nie in meinem Leben gesehen. Mein Arzt und ich sind die einzigsten, die über meinen Gesundheitszustand Auskunft geben können."

Schwere Vorwürfe in "Geheimer Durchbruch"

Erwan Mentheour (Jahrgang 73), der als Profi u.a. bei Cedico (95), AKI-Gipiemme (96) und Francaise des Jeux (97) fuhr, erhebt in seinem Buch "Secret Defonce" schwere Vorwürfe gegen praktisch die gesamte Profi-Szene. Der Ex-Profi aus Brest schreibt über die "psychologische Schwelle", die durch die erste EPO-Spritze überschritten wird und die am Ende zum Gebrauch des "pot belge", des berüchtigten Doping/Drogen-Cocktails aus Kokain, Amphetaminen, Heroin, Schmerzmitteln und Kortison, führt.

Produkte wie diese, so Mentheour in seinem Buch, machten "aus einem Ackergaul ein Rennpferd, aus der Lantern Rouge der Tour de France 90 den besten Kletterer der Tour 1998", womit Mentheour den Italiener Rodolfo Massi meint.

Auf die Kritik an seiner "Nestbeschmutzung" entgegnete Mentheour, der seine Karriere beendete, "damit der Besenwagen für mich nicht irgendwann ein Leichenwagen ist", im französischen Fernsehen: "Man sagt, ich würde annderen in die Suppe spucken, aber das ist manchmal notwendig, wenn die Suppe vergiftet ist."

Berzin, der 1999 ebenso wie etwa Claudio Chiappucci, Stefano Della Santa und Armand de las Cuevas beim italienisch-spanischen Rennstall "Almeria-Amica Chips" unter Vertrag ist, kündigte mögliche rechtliche Schritte an gegen Erwan Menteour sowie auch gegen 'France Soir'. "Ich bin bereit, meine medizinischen Unterlagen zu veröffentlichen", so Berzin kämpferisch.

Von der sportlichen Seite her will Evgeny Berzin, der 1998 bei FdJ bis auf einen überzeugenden Auftritt bei Lüttich- Bastogne -Lüttich praktisch völlig unterging, in diesem Jahr wieder für positive Schlagzeilen sorgen und der Russe legte die Meßlatte für sich hoch an:

"Ich will wieder um den Sieg beim Giro d'Italia kämpfen, ich kann wieder auf ein ganz hohes Niveau zurückkehren. Meine beiden anderen Ziele sind die Vuelta und die Weltmeisterschaft", so Berzin ohne jede falsche Bescheidenheit.

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