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Der Neuanfang des Evgeny Berzin - Jetzt doch noch die ganz große Karriere?

19.02.98 - Im Jahre 1994 gewann Evgeny Berzin Lüttich-Bastogne-Lüttich, kurz danach in beeindruckender Art und Weise den Giro d'Italia. Es schien, als ob der Russe eine glanzvolle Karriere vor sich habe. Aber seitdem sind die Siege des Russen rar. Siege wie der bei der Tour-Etappe von Val d'Isere 1996, als er auch für einen Tag das Gelbe Trikot tragen konnte, ließen zwar hin und wieder die Klasse von Berzin durchblitzen, die große Karriere hingegen schien ausgeträumt. Doch jetzt, nach seinem Wechsel nach Frankreich zu Francaise des Jeux will der 28jährige es noch einmal allen zeigen.

"Ich war in einer Sackgasse", sagt Berzin. "Mit meinem vorigen Sportdirektor Emanuele Bombini war keine Kommunikation möglich." Symptomatisch für die Differenzen zwischen dem Rennfahrer und seinem Team war Berzins Stundenweltrekord-Versuch im Oktober 1997. Mit ungenügender Vorbereitung ging Berzin auf das Velodrom von Bordeaux, obwohl er selbst nicht an einen Rekord glaubte. Der Rekordversuch war vetraglich mit Team und Sponsoren vereinbart. Der Rekordversuch scheiterte kläglich. Berzin stieg bereits nach 14km entnervt vom Rennrad.

In diesem Winter wechselte Evgeny Berzin aus Italien zu Marc Madiots Francaise des Jeux nach Frankreich, wo er den nach Italien heimkehrenden Davide Rebellin ersetzen soll.

In Frankreich kam ein müde und traurig wirkender, stiller Berzin an, aber im Laufe der Wochen des Trainings mit den neuen Teamkameraden und einem neuen Directeur Sportif macht er eine vollkommene Wandlung durch. Nach ein paar Wochen erkennen die anderen Rennfahrer des Teams ihn kaum noch wieder. Teamkollege Stephan Heulot: "Evgeny hat sich unheimlich viel Mühe gemacht, um sich ins Team zu integrieren. Es ist leicht, mit ihm klarzukommen."

Das war nicht immer so bei Berzin, der etwa mit ehemaligen Teamkollegen wie Piotr Ugrumov früher so manchen teaminternen Hahnenkampf ausgefochten hat. Aus dem ehemaligen Gewiss-Ballan-Team von 1994/95 vergraulte er im Laufe der Zeit eine ganze von Top-Rennfahrern.

Die Wandlung des Evgeny Berzin hat viel mit der sachten Führung seines neuen Sprtdirektors, Marc Madiot, zu tun. Madiot läßt seine Rennfahrer im Winter an der sehr langen Leine, kontrolliert kaum, ob die Fahrer die Trainingspläne einhalten oder sich einen guten Tag machen. Beim Trainingslager zum Jahresbeginn wird dann jedoch mit Disziplin gearbeitet und auch der Teamgeist wird großgeschrieben. Resultat: Evgeny Berzin scheint wiedergefunden zu haben, was ihm immer am meisten fehlte: Ehrgeiz und der Wille, seinen Platz in einer Mannschaft einzunehmen und auch Verantwortung im Team zu übernehmen.

"Ich mag Herausforderungen", so Marc Madiot. "Und ich weiß, daß Berzin noch große Anstrengungen unternehmen muß, um wieder auf sein Niveau zu kommen. Aber je mehr Tage vergehen, desto mehr bin ich überzeugt, daß wir (mit Berzin) das richtige machten."





Copyright © 1996, 1997, 1998 by Kersten Volk
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