93.Berliner Sechstagerennen
Rebellen nicht erwünscht beim großen Fest
02.12.03 (dpa/rsn) -
Die Radsportfans dürfen sich beim 93. Berliner
Sechstagerennen vom 22. bis 27. Januar 2004 in der BerlinArena wieder
auf ein sportliches und gesellschaftliches Erlebnis von Weltklasse
freuen. Das versprach Veranstalter Heinz Seesing am Dienstag auf
einer Pressekonferenz. Im Weltklassefeld fehlen eigentlich nur die
drei «Rebellen», die mit ihrem Boykott des Vierers bei der WM in
Stuttgart für Schlagzeilen gesorgt hatten.


"Ein Stück Berlin"
Fotos: Roth
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Trotz der wirtschaftlich angespannten Situation sei für das Top-
Event «alles in trockenen Tüchern», meinte Seesing. «Die
Kartennachfrage ist schon jetzt unerwartet hoch, für das Wochenende
ist das Gros der Sitzplätze ausverkauft. Das ist einmalig», sagte der
Organisationschef, der 1997 die Traditionsveranstaltung am neuen Ort
wiederbelebt hatte.
Im Januar hoffen die Berliner den 500 000. Besucher seit dem Neustart im Velodrom 1997 zu begrüßen.
Auch Marketing-Chef Rainer Schnorpfeil zeigte sich angetan: «Wir
sehen dem 93. Rennen relativ entspannt entgegen, es gab schon
unentspanntere Zeiten.» Angesichts der allgemeine Wirtschaftsflaute
sei «das Vermarktungsergebnis sehr zufrieden stellend». Die 95 Logen
seien für einige Tage schon komplett an den Mann gebracht. Grund für
die hohe Nachfrage ist laut Seesing die Tatsache, «dass das Berliner
Sechstagerennen längst Erlebnischarakter hat». Haupttrumpf der
Veranstaltung bleibe aber der Sport.
Berlins Radsport-Idol Otto Ziege (77), weit über 40 Mal
Sportdirektor bei Sechstagerennen, kündigte an, «dass im Eliterennen
alles was Rang und Namen hat, dabei sein wird».
Mit dem Duo Robert Bartko/Guido Fulst werden im Velodrom zwei Doppel-Olympiasieger an den Start gehen, deren sportliche Wiege an der Spree stand. Der immer noch für Berlin startende Bahnspezialist Fulst und der inzwischen beim Team Rabobank als Straßenprofi aktive Bartko könnten als "Hecht im Karpfenteich" den Favoriten das Leben schwer machen und endlich einmal wieder für einen Berliner Sieg im ältesten deutschen Sechstage-Rennen sorgen. 1973 gab es mit Wolfgang Schulze den letzten Sieg eines Berliner Profis bei einem Sechstage-Rennen an der Spree.
Hinzu kommen mit den Cottbusern Danilo Hondo, Etappensieger beim Giro, und Olaf Pollack, der in diesem Jahr bei der Tour mit seinem Sturzpech von sich Reden machte, zwei der besten deutschen Straßensprinter. Beide sollen in der kommenden Saison beim Team Gerolsteiner für Etappen- und Klassiker-Siege sorgen. Ein Platz unter den besten Drei in Berlin wäre für sie ein gutes Omen für die Straßen-Saison 2004. Auf Grund ihrer langjährigen Erfahrungen als Bahn-Nationalfahrer sehen sich die schnellen Lausitzer als Herausforderer für die etablierten Teams.
Als Top-Favoriten werden Berlins Zuschauer aber erneut die Schweizer Bruno Risi und Kurt Betschart begrüßen dürfen. Die Vorjahres-Gewinner von Berlin feierten kürzlich in München ihren 33. gemeinsamen Sechstage-Sieg. Neben Scott McGrory aus Australien und dem Belgier Matthew Gilmore gehen als weitere deutsche Hoffnung Andreas Kappes (Köln) und Partner Andreas Beikirch (Büttgen) ins Rennen. "Wir haben wieder die besten Sechstage-Fahrer der Welt komplett am Start", ist sich der sportliche Leiter Otto Ziege sicher.
Nicht gedacht ist laut Seesing an einen Start der bei der WM in
Stuttgart in den Skandal um den Bahn-Vierer verwickelten Jens
Lehmann, Sebastian Siedler und Christian Bach. «Solange die
Angelegenheit mit dem BDR nicht endgültig geklärt ist, werden wir sie
nicht unter Vertrag nehmen.» Außerdem gebe die Art und Weise, wie die
Dinge in Stuttgart abgelaufen seien, Anlass zur der Befürchtung, dass
sich so etwas wiederholen könne.
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