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91.Berliner Sechstagerennen
Bartko: Von Australien gleich zum Bahn-Comeback
Martinello/Aldag führen nach erster Nacht / Sprinter: Fiedler vor Tournant

25.01.02 (dpa/bb) - Doppel-Olympiasieger Robert Bartko kehrte nach eineinhalb Jahren auf die Radrennbahn zurück. Beim 91. Berliner Sechstagerennen jagt der Straßen-Profi um die Piste wie zu besten Zeiten als Bahnfahrer. Der Potsdamer Telekom-Fahrer hat in der Nacht zum Freitag mit seinem Partner Andreas Beikirch aus Büttgen unter dem Jubel der 10 000 Auftaktbesucher gleich die zweite Jagd gewonnen und mischt in der Gesamtwertung vorn mit.

Dabei gehörte der zweifache Goldmedaillengewinner von Sydney noch 24 Stunden vor dem Start gar nicht zu den angekündigten Rennfahrern. Ein Sturz des Kölners Andreas Kappes, der sich das Schlüsselbein brach, brachte Bartko kurzfristig an die Stelle seines ersten großen Triumphes zurück. 1999 holte er sich im Berliner Velodrom bei der
Weltmeisterschaft beide Verfolgungs-Titel, ein Jahr später klappte das gleiche bei Olympia. Seitdem hat er kein Bahnrennen mehr bestritten.

«Ich bin jetzt Straßen-Profi, und diesen Schritt habe ich noch nie bereut. Im Gegenteil, ich will auch künftig weiter bei Telekom in die Pedalen treten», betont Bartko, von dem in seinem ersten Profi-Jahr 2001 keine Spitzenplatzierungen zu vermelden waren. «Dazu bin ich zu sehr Realist, ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann.» Der Olympiasieger sieht sich vor allem als mannschaftsdienlichen Fahrer bei den klassischen Ein-Tages-Rennen. «Ein Helfer für Jan Ullrich am Berg werde ich nie sein können.»

Die Nachricht von seinem kurzfristigen Engagement in Berlin erhielt er bei der Rückkehr aus Australien bei Landung in Berlin. Eigentlich wollte er zu Hause nur die Wäsche wechseln und dann weiter nach Mallorca zum Team fliegen, das sich dort auf die dortige Rundfahrt Anfang Februar vorbereitet. «Körperlich bin ich ja immer noch in Australien, der Jetlag ist noch nicht verdaut», sagte Bartko zum Sechstage-Auftakt. Auf der Straße erwartet Team-Chef Rudy Pevenage von ihm in dieser Saison zumindest bei Zeitfahren kleinerer Rundfahrten vordere Platzierungen.

Martinello/Aldag führen nach der ersten Nacht

Das Titelverteidiger-Duo Silvio Martinello (Italien) und Rolf Aldag aus Ahlen hat zum Auftakt des 91. Berliner Sechstagerennens die Führung übernommen. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag gewann Telekom-Profi Aldag mit seinem Partner gleich die erste Jagd und verteidigte auch in der abschließenden Halbstunden- Hatz diese Position knapp.

Martinello/Aldag rangieren mit 50 Punkten nur einen Zähler vor den rundengleichen Italienern Adriano Baffi/Marco Villa sowie der Überraschungsmannschaft des Tages, Robert Bartko (Potsdam)/Andreas Beikirch (Büttgen/36), an der Spitze. Beide gewannen die zweite Jagd des Abends.

Im Sprintercup gab es einen Sieg des Doppel-Olympiasiegers Jens Fiedler (Chemnitz) vor Weltmeister Arnaud Tournant aus Frankreich. Bei den Stehern ließ sich Lokalmatador Carsten Podlesch nicht überraschen. Der Europameister gewann vor dem EM-Vierten Jan Richter aus Cottbus.

"Gedanklich bei Vorbereitung auf Straße"

Bartko hatte sich frühzeitig von Pevenage die Genehmigung für einen Start beim Berliner Sechstage-Rennen geholt. Am Ende der Verhandlungen hatten sich aber Veranstalter und der Bartko-Manager Hans Betz nicht über die Gage einigen können. «Wir kamen irgendwie nicht zusammen», umschreibt Bartko das. In der Szene munkelt man von einer Forderung von 50 000 Mark - die wollten die Berliner nicht auf den Tisch packen, wesentlich heruntergehen wollte Betz aber auch nicht. Nun brachten die Umstände beide Partner doch zusammen.

Vorerst sieht Bartko seinen Berlin-Auftritt aber eher als Intermezzo an «Gedanklich stecke ich voll in der Vorbereitung auf die Straße. Nach der Tour Down Under in Australien, die ich als 36. beendete, geht es im Februar in Mallora auch in Europa endlich los. Danach werden wir sehen, welche Rennen für mich passen.»

Insgeheim hofft er, wieder bei Paris-Roubaix dabei zu sein, wo er im vorigen Jahr als Neuling auf der ersten Hälfte schwer für seinen Teamkameraden Steffen Wesemann arbeiten musste, und dann ausstieg. «Mich reizen die Frühjahrsklassiker», sagt Hundeliebhaber Bartko.

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