26.01.98 - In Interviews sprach Telekom-Sprintstar Erik Zabel in letzter
Zeit viel davon, daß in der deutschen Sportlandschaft
nicht viel Platz für Radsportler sei, daß Jan Ullrich
alles andere an Radsport in den Schatten stelle.
In diesen Tagen war es nun Zabel, der seinerseits die
Sechstage-Rennfahrer an den Rand drängte - mehr oder weniger durch
seine bloße Anwesenheit.
Die Veranstalter des Berliner Sechstagerennens flogen eine
Abordnung des Teams Telekom einen Tag vor dem Ende des Trainingslagers
aus Mallorca ein. Giovanni Lombardi, Steffen Wesemann,
Jan Schaffrath und Erik Zabel sollten ein wenig
Tour-Atmosphäre in das Velodrom an der Landsberger Allee bringen.
Da jedoch heute für ambitionierte Straßenfahrer ein Sechstage-Start
eigentlich schon fast undenkbar geworden ist, mussten sich die Berliner
für die Telekom-Stars etwas einfallen lassen.
Zabel und seine Kollegen fuhren nun nicht das Sechstagerennen mit, sondern
starteten nur im Rahmenprogramm am Donnerstag, Freitag und Samstag bei
einem Ausscheidungsfahren, bei dem jeweils der letzte einer Runde
ausscheidet, und "dabei nicht allzu erleichtert gucken darf" (FAZ).
Zabel gewinnt programmgemäß einige dieser Rennen, die Zuschauer
sind begeistert, Zabel und Co. um ein paar Mark reicher.
Doch hat Zabels Anwesenheit im Berliner Velodrom nicht nur mit Geld
zu tun. Dort wo heute das neue Velodrom steht, stand einmal
die legendäre Seelenbinderhalle mit der Winterbahn, auf der
zu DDR-Zeiten Tausende Fans den Fahrern zujubelten. Zabel, Schaffrath und Wesemann
haben als Schüler der Kinder- und Jugendsportschule selbst noch auf
der inzwischen abgerissenen und durch das moderne Velodrom ersetzten
Winterbahn ihre Runden gedreht. Und 1950 gewann einmal ein gewisser
Detlev Zabel das Rennen auf der Winterbahn. Natürlich ist
Zabel Sen. da, als sein inwischen berühmter Sohn wieder an die
Landsberger Allee zurückkehrt. Und auch Sohn Erik schaut gern
zurück: "Das war etwas Besonderes damals. Aber wir hatten ja auch nix
anderes..."
Die Zuschauer in Berlin bekamen am Sonntag dann noch einmal
einen Star aus vergangenen Tagen zu sehen: Olaf Ludwig,
der vor fast genau einem Jahr das 86. Berliner Sechstagerennen, das erste
im neuen Velodrom, mit seinem damaligen Partner Jens Veggerby gewann,
bevor er ganz mit dem aktiven Rennsport aufhörte. Ludwig,
inzwischen Vizepräsident des BDR, ist immer noch beliebt wie eh und je.
Ludwig war bei seinem Besuch am Sonntag, am "Familientag" der Sixdays,
stets von Fans umlagert, deren Autogrammwünsche er wie immer
mit unendlicher Geduld und Freundlichkeit erfüllte.
"Am meisten hat's mich gefreut", so der Olympiasieger von 1988
und mehrfache Tour-Etappensieger, "daß ich meinem Freund
Jens Veggerby die Siegesschleife überreichen konnte."
Veggerby und Partner Jimmy Madsen gewannen am Sonntag die große
Jagd und liegen nun eine Runde vor Baffi/Kappes und Martinello/Villa.