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Tour de France |
Verfolger holen Gold und Silber In Berlin und Leipzig knallten die Korken Freese: Vierer kann Weltrekord fahren / Doch noch Profivertrag für Bartko?
Bei den Eltern
des Olympiasiegers in Potsdam und Trainer Uwe Freese in Berlin, die
den Erfolg zu Hause am Fernseher verfolgten, stand das Telefon schon
umitelbar nach dem Rennen aus Dauerbetrieb. «Das war schon toll. So
wie wir es geplant haben, ist es aufgegangen», kommentierte der
langjährige Coach von Bartko eher nüchtern und zurückhaltend, während
rings um ihn herum ein Jubelsturm losbrach.
Aber auch im Umfeld von Jens Lehmann herrschte eitel Sonnenschein.
«Das war unheimlich spannend, ich habe beim Finale und vor allem beim
Halbfinale gezittert», gestand Ehefrau Gaby. Sie war in den
vergangenen Jahren durch ein Wellental der Gefühle gegangen. Erst als
am Samstag feststand, dass ihr Mann das Finale erreicht und damit
nach 1992 erneut mindestens eine Silbermedaille sicher hatte, fielen
von der ehemaligen DDR-Straßenmeisterin die Lasten der Vergangenheit
ab. Denn in den vergangenen acht Jahren hatte sie ihrem Jens nach
sportlichen Rückschlägen sehr oft den Rücken stärken müssen.
So war der jetzt 32-jährige Ex-Weltmeister und Mannschafts-
Olympiasieger von 1992 beim missglückten Atlanta-Auftritt der
Deutschen 1996 nur TV-Beobachter. Lehmann war damals trotz
ausgezeichneter Leistungen als «zu alt» abgestuft und nicht in den
Kader aufgenommen worden. Bartko war zur gleichen Zeit als «Versager»
für das Scheitern des Vierers bei den Atlanta-Spielen ausgemacht
worden und stand sogar vor dem frühen Ende seiner Karriere.
Der Durchbruch für beide kam erst mit dem neuen, in diesem Jahr
tödlich verunglückten Bundestrainer Robert Lange. Dieser vertraute
beiden und setzte sie auch wieder im Vierer ein. Bei der
Weltmeisterschaft in Berlin vor einem Jahr zahlte sich das aus: Gold
mit der Mannschaft, Gold und Silber in der Einzelverfolgung durch
Bartko und Lehmann. Wiederholung in Sydney 2000.
Beide haben nun in Sydney nahtlos an den WM-Auftritt von Berlin
angeknüpft und Langes Konzept umgesetzt. Aber der Weg war hart:
Bartko hatte im Frühjahr einen schweren Trainingsunfall und brach
sich das Schlüsselbein. Lehmann kollidierte gleich zwei Mal mit
Autos, einmal auf Mallorca zu Beginn des Jahres, das zweite Mal erst
wenige Tage vor Eröffnung der Spiele in Sydney. Dabei flog er sogar
durch die Frontscheibe des Fahrzeugs. «Jens hat mich sofort
angerufen. Ich habe noch vor den Meldungen im Radio Bescheid gewusst.
Das war sehr wichtig», schilderte die Ehefrau und erzählte, dass ihr
Mann vor der Sydney-Reise davon gesprochen hat, dass er noch nicht
vom Rad steigen will und sogar an Athen 2004 denkt.
Trainer Freese hat gemeinsam mit seinem Schützling Bartko trotz
der Absage des Teams Telekom ein gutes Profi-Angebot in der
Hinterhand. «Mal sehen, was sich jetzt noch ergibt. Der Vierer wird
noch eine Klasse besser, der kann Weltrekord fahren. Robert und Jens
haben sich bestens verkauft. Robert ist nach Sydney gefahren, um zu
gewinnen, dafür haben wir mehr als hart gearbeitet.» In Anspielung
auf die Querelen der Vergangenheit fügte Gaby Lehmann hinzu: «Beide
haben nicht aufgegeben, jetzt ernten sie die Früchte harter Arbeit.»
Jürgen Strauß, dpa
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