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Tour de France |
Doppel-Olympia-Sieger Bartko wird Strassenprofi "Ich glaube, ich tauge eher zum Klasssikerfahrer" "Jetzt wird Geld verdient" - Telekom nun doch wieder an Bartko interessiert
Auch wenn ein Fernseh-Reporter nach dem Gold in der Einzel-
Verfolgung mit Bartko jubelte und ihm gratulierte («Jetzt wird
richtig Geld verdient»), werden die ersten Jahre im Profi-Business
auch für den 24-jährigen Berliner kein Zuckerschlecken. Die Gage im
ersten Lehrjahr kann auf etwa eine Viertelmillion Mark taxiert
werden.
Bartko machte aber klar, dass er noch nicht unterschreiben werde.
«Ich muss den Vertrag prüfen», sagte Bartko, für den drei Kriterien
beim Übertritt am wichtigsten sind: «Wer ist in der Mannschaft,- wie
sieht mein Rennprogramm aus - und natürlich die finanzielle Seite.»
Bartko weiß, dass er das Eisen schmieden muss, solange
Geb. 23. Dezember 1975 in Potsdam;
Verein: SC Berlin
Bartko, der noch lange brauchen wird, um sich in die Preislagen
Jan Ullrichs (rund sechs Millionen DM pro Jahr) oder Erik Zabels (rund
zwei Millionen DM) hochzustrampeln, räumt sich selbst zwei Jahre
Lehrzeit ein. «Zuerst werde ich meine Aufgaben bekommen. Ich glaube,
ich würde eher zum Eintagesfahrer taugen als zum großen Rundfahrer,
weil ich in den Bergen zu schwach bin», sagte Bartko. Er verweist
bei 79 Kg bei 1,86 Meter Körpergröße stolz «auf lediglich sieben
Prozent Fettanteil». Zu den meisten Zeiten im Jahr wären das für
Ullrich Traummaße. «Ich könnte mir Bartko in zwei, drei Jahren bei
der Tour de France durchaus als Top-Zeitfahrer vorstellen», meinte
Lindner, hinter dem ein Konzern für Sportbekleidung steht.
Der große Lehrmeister des jetzigen Telekom-Pressesprechers Olaf
Ludwig (Weltmeister, Olympiasieger, Weltcupsieger als Profi, Grünes
Trikot) scheint das Rennen um Bartko gewonnen zu haben. Die besten
Voraussetzungen hatte einmal Telekom, aber Teamchef Walter Godefroot
sprang vor den Spielen plötzlich ab, obwohl Bartko feste Zusagen der
Bonner hatte. «Wir müssten ihn zu lange umlernen und haben kein Platz
im Team», hieß es vor drei Wochen. Die plötzliche Popularität des
Doppel-Olympiasiegers, der auf jeden Fall in Berlin bleiben will
(«Meine Freundin und mein Hund sind dort»), ließ die Bonner plötzlich
zurückrudern. Wahrscheinlich kam ein Wink aus der Chefetage.
«Ich fliege jetzt nach Sydney, dort wird es auch ein Gespräch mit
Bartko geben», sagte Godefroot am Mittwoch. Am Ort seines größten
Triumphes erklärte der umworbene Bahnfahrer: «Davon weiß ich nichts.»
19.09.00 Deutscher Gold-Vierer fährt Fabel-Weltrekord |