09.11.99 - Vor wenigen Wochen war der 23 Jahre alte Berliner Robert Bartko
der gefeierte Mann bei der Bahn-WM im Velodrom in seiner Heimatstadt. Zwei Mal,
in der Einzel- und der Mannschaftsverfolgung holte Bartko Gold. Bei der Suche nach einem
Vertrag mit einem Profi-Rennstall für die kommende Saison half aber bisher auch das WM-Edelmetall
nicht.
Als Bartko in Berlin vor gut drei Wochen Doppel-Weltmeister wurde, hatte er erklärt,
er wolle jetzt auf die Strasse wechseln und er suche immer noch nach einem Team. Allein
ein GS-III-Rennstall, eine Kategorie, wo Rennfahrergehälter manchmal nur knapp die Grenze des
630-DM-Gesetzes überschreiten, habe mal unverbindlich angefragt. Damals
schien es jedoch, als würde Bartko dies schon bald als eine amüsante Anekdote
erzälhlen können. Zwei Weltmeistertitel - da würde sich sicherlich
ganz schnell jemand melden.
Ein Irrtum. Jetzt ist fast Mitte November, die meisten Teams haben ihre Saisonplanungen längst
abgeschlossen, und Robert Bartko hat immer noch keinen Profi-Vertrag unterschreiben können.
"Ernsthafte Angebote gab es nicht", so der deprimiert wirkende Bartko.
"Wenn ich jetzt keinen Vertrag mehr bekomme, dann bleibe ich bei meinem Verein
und wechsle nach den Olympischen Spielen 2000 in Sydney auf die Strasse."
Derzeit fährt der Berliner bei den Münchner Sixdays wie
schon bei dem Sechstagerennen in Dortmund
überraschend weit vorne mit, obwohl es erst sein fünfter Sechstage-Start ist.
Gemeinsam mit dem australischen Routinier Scott McGrory ging er sogar mit Siegchancen
in die Finalnacht in der Münchner Olympia-Halle. Siggi Renz, Rennleiter in München,
ist voll des Lobes für Bartko: "Er hat ausgezeichnete physische Voraussetzungen
und auch die nötige Disziplin und Härte", so Renz.
Um seine Verträge mit den Sixdays-Veranstaltern muß sich Robert Bartko
keine Sorgen machen.