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Umstrittene Bahn-Kalender-Reform der UCI
"Wintersport" Bahn: Sixdays-Veranstalter besorgt

16.12.02 (rsn) - Die Veranstalter des traditionsreichen Berliner Sechstagerennens wiesen dieser Tage süffisant darauf hin, dass ihr Chef Heinz Seesing "schon einmal" den Rücktritt des Präsidenten des Weltradsportverbands UCI Hein Verbruggen gefordert habe. Nicht nur in Berlin sorgen sich die Sixdays-Organisatoren, dass die umstrittene Kalender-Reform der UCI, die Bahn-Radsport zum Wintersport macht, auf ihre Kosten gehen wird.

Die UCI beschloß im vergangenen Oktober gegen den Widerstand der Verbände der großen Radsport-Nationen, ab 2005 Bahn-Weltmeisterschaften nicht mehr wie bisher im Sommer oder Herbst, sondern im März auszutragen. In den Wintermonaten zuvor sollen die wichtigsten Wettkämpfe und die Weltcups stattfinden. Bahn-Radsport wird zum Wintersport - und das obwohl nicht mal in der Bahn-Nation Deutschland genügend überdachte und heizbare Bahnanlagen für Rennen (und vor allem Training) zur Verfügung stehen.

Vor allem die Veranstalter der Sechstagerennen, die Saison für Saison realiter die Zuschauermassen anlocken, von denen die UCI-Strategen bisher nur träumen, laufen gegen die Pläne Sturm. Die Berliner Organisatoren sprechen von "blindlings inszeniertem Vorwärtsdrang" des Weltverbands. Wenn künftig Bahn-Weltcup-Rennen im Winter stattfinden, so werden diese den Sixdays-Terminen zwangsläufig ins Gehege kommen. Wie die Schwächung der Traditions-Veranstaltungen, die wie in Berlin seit 1909 alljährlich zigtausende Zuschauer anlocken, dem Bahn-Radsport helfen soll, dass weiß man nur in den UCI-Amtsstuben des "Welt-Radsport-Zentrums" im betulichen Aigle.

"Auch wenn es (bei Sixdays) nicht nur - wie bei offiziellen Meisterschaften - um gefahrene Zeiten und Geschwindigkeiten geht, so vereinen die Sechstagerennen das gesamte Spektrum des Bahnsports und bieten mit Weltklasseathleten Spannung und Stimmung. Die Zuschauer sind begeistert, ob in Dortmund, München, Bremen, Stuttgart oder Berlin. Das ist ein wirklicher Beitrag zur Erhaltung des Bahn-Radsports", sagt Heinz Seesing, Chef der Berliner Sixdays und Ehrenpräsident des Verbands Deutscher Radrennveranstalter (VDS).

In den nächsten Jahren wird den Sixdays-Veranstaltern vorerst noch keine direkte Konkurrenz drohen: Bis 2005 wird es in Mittel- und Westeuropa weder Bahn-Weltmeisterschaften noch -Weltcups geben: Der Bahn-Weltcup findet bis 2005 in Moskau, Mexiko, Südafrika und Australien statt, die Weltmeisterschaften werden in den nächsten drei Jahren in Übersee (China, Australien, USA) ausgetragen. Beim Bund Deutscher Radfahrer, der gegen die Kalender-Reform war, macht man inzwischen gute Miene zum bösen Spiel. Man müsse nun, da die Entscheidung gefallen sei, "das Beste aus der Situation machen", heißt es in der Verbandsführung.

Langweilige Weltmeisterschaften

Irgendwann in weiterer Zukunft soll auch in Deutschland wieder mal ein Bahn-Weltcup ausgetragen werden, über die Bewerbung um eine Bahn-Weltmeisterschaft 2006 in Stuttgart oder Berlin wird nachgedacht. "Heute sind ganz einfach keine Bewerber für Weltcup-Rennen da. In Berlin 99 hat der Weltcup 800.000 DM gekostet und an den drei Tagen zusammen kamen 1200 Zuschauer. Die Weltcups müssen zeitgemäßer werden, sonst wird das nichts, ganz egal ob im Sommer oder Winter", klagt BDR-Sportdirektor Burkhardt Bremer. "Bei den Weltcups wie auch der Bahn-WM ist es heute ein schlichtes Abfragen der Leistung, bei der auf die Zuschauer-Attraktivität überhaupt nicht geachtet wird. Bei der WM werden zum Beispiel an einem Abend alle Zeitfahren ausgetragen. Stundenlang einer nach dem anderen, das muss den Zuschauer doch einfach langweilen. Und die Siegerehrungen, bei denen Emotionen sichtbar werden und die die Menschen hinter den Leistungen zeigen, die werden am nächsten Tag gemacht, wenn die großen Emotionen garantiert schon rum sind. Wenn es eine schlechte Veranstaltung ist vor leeren Rängen, dann hilft TV-Präsenz auch nicht, im Gegenteil."

"Bahn-Weltcups und -WM, die plätschern heute einfach so dahin wie vor 30 Jahren. Das muss alles zeitgemäßer präsentiert werden, damit es für Zuschauer vor Ort und vorm Fernseher - und damit dann auch für Sponsoren - interessant wird. Andere Sportarten wie Skispringen haben es uns doch vorgemacht, wie das geht", sagt Bremer. Dabei geht es auch für den Verband um viel, denn schließlich gibt es bei Olympia, das mitentscheidend ist für die Förderung, zwölf Bahn-, aber nur vier bzw. zwei Straßen- und MTB-Disziplinen. Man wolle zwar den rein sportlichen Charakter von Weltcups bewahren, so der BDR-Sportchef, aber um Bahn-Radsport allgemein zeitgemäßer und attraktiver für die Zuschauer zu machen müsse man "Elemente der Sechstagerennen" übernehmen. So droht die UCI das, was im Bahn-Radsport an sich als Vorbild dient, grob fahrlässig zu schädigen und nennt dies dann auch noch "Reform".

Kersten Volk

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