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Letzte Saison des Texaners?
Armstrong: "Tour-Favorit ist Jan Ullrich"

BRÜSSEL, 12.12.03 (rsn) - Der Amerikaner Lance Armstrong zeigte sich am Freitag sehr entspannt bei einer Pressekonferenz eines seiner Sponsoren in Brüssel. Dabei plauderte er über den angestrebten sechsten Tour de France-Sieg ("Mein einziges Ziel 2004"), über seinen Rivalen Jan Ullrich ("Sein Comeback hat mich überrascht"), über den Weggang seines Leutnants Roberto Heras ("Ich bin ihm nicht böse") und über seine Pläne für die Saison 2004, die die letzte des Texaners sein könnte.

"Ich habe das Gefühl, das wird eine sehr schwere Tour (de France)", sagte der 32-Jährige. "Ich bin natürlich fest entschlossen, sie zum sechsten Mal zu gewinnen. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass ich verliere. Ich werde älter, meine Gegner werden zahlreich und sehr motiviert sein. Und auch das Glück spielt immer eine Rolle." Die Tour de France 2004 könnte "Kletterern wie Mayo oder Heras" liegen, meint Armstrong. Doch als seinen Hauptgegner sieht er Jan Ullrich.

"Jans Comeback an die Spitze hat mich offen gesagt beeindruckt. Er ist (bei der letzten Tour) geklettert wie noch nie. Wirklich, er hat alle überrascht", so Armstrong, der sich nicht als Tourfavorit sieht. "Ich sage: Ullrich ist der Top-Favorit. Und seine Rückkehr zu Telekom (künftig "T-Mobile") macht ihn noch gefährlicher. Alles wird dort auf ihn ausgerichtet sein im nächsten Juli. Auch wenn das Team viele starke Fahrer hat (Vinokourov, Botero, Salvoldelli etc.), bin ich überzeugt, dass Jan der einzige Leader sein wird." Auf dem Papier sei T-Mobile "die stärkste Mannschaft", sagt Armstrong und "das deutsche Team" müsse bei der Tour das Rennen machen. Taktisch seien Ullrich und Vinokourov, die abwechselnd attackieren und ihn unter Druck setzen können, im Vorteil. "Ich kann ja leider nicht in deren Hotelzimmer reinschauen, um zu sehen, wann sie einen schlechten Tag haben", sagt der Amerikaner, der auf seinen Sportlichen Leiter vertraut. "Die Taktik wird die Tour letztlich entscheiden und da habe ich mit Johan Bruyneel ja einen gewieften Mann im Begleitfahrzeug."

"Gut für die Tour, schlecht für mich"

Zum Wechsel seines Leutnants Roberto Heras zum spanischen Liberty-Rennstall von Manolo Saiz äußerte sich Armstrong betont konziliant. "Die neue Mannschaft brauchte einen charismatischen spanischen Leader. Heras war somit eine logische Wahl und Roberto wird ein großer Leader sein. Gut für die Tour, es gibt mehr Spektakel. Schlecht für mich, denn wir verlieren einen Fahrer, der in den Bergen Tempo machen kann wie kaum ein anderer." Armstrong betonte, er sei Heras "nicht böse", der bleibe "ein Freund". "Wir wollten ihn nicht gegen seinen Willen halten", sagte der US Postal-Kapitän und zeigte sich "zufrieden" über die Verpflichtung des Portugiesen José Azevedo, der "natürlich sehr geehrt und sehr motiviert" sei nach dem Wechsel.

"Ich weiß es nicht", antwortete Armstrong auf Fragen, ob die Saison 2004 möglicherweise seine letzte als Rennfahrer sein werde. Sein Vertrag bei US Postal läuft Ende 2004 aus. "Man wird nach den Olympischen Spielen (im August) sehen, wo ich physisch bin." Ein Teamwechsel käme für ihn nicht mehr in Frage, sagt der 32-Jährige. Falls das US Postal-Team 2004 seinen Sponsor verliert, werde er somit aufhören. "Ich kann eines sicher sagen: Ich habe große Mühe, über einen Rücktritt nachzudenken. Das Rad ist schon so lange mein Leben, dass ich es mir gar nicht vorstellen kann, dass plötzlich alles vorbei sein könnte. Ich werde dem Sport verbunden bleiben, falls ich aufhöre als Rennfahrer. Der Sport hat mir so viel gegeben."

Doch der mögliche Rücktritt beschäftige ihn derzeit nicht. Seinen Blick habe er derzeit allein auf die Tour de France gerichtet, sagt Armstrong. "Ich trainiere derzeit ein bißchen, ansonsten verbringe ich meine Zeit mit meinen Kindern und Freunden . Im Januar werde ich schauen, wo ich stehe und mein Vorbereitungsprogramm festlegen." Fest steht bereits, dass Armstrongs Rennkalender anders aussehen wird als in den letzten Jahren. Die Klassiker im April (Amstel Gold, Lüttich) wird er voraussichtlich auslassen und stattdessen bis Mai im heimischen Texas trainieren. Die Dauphiné-Rundfahrt (Armstrong: "Nach der Tour das schönste Rennen der Welt") wird der fünffache Toursieger ebenfalls auslassen und stattdessen kürzere Rennen - etwa die Bicleta Vasca oder die neue Tour du Languedoc-Roussillon - fahren.

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