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Der Rennfahrer des Jahres
Armstrongs Zwischenstation: Die Vier vor der Fünf


Foto: Roth
31.12.02 (rsn) - Lance Armstrong wurde in den USA als Sportler des Jahres geehrt, aber sein vierter Tour de France-Sieg hatte im Sommer in seiner amerikanischen Heimat nicht das große Tour-Fieber entfacht wie bei den ersten drei Malen. Beim vierten grande boucle-Triumph denkt alle Welt bereits an den mythischen fünften Sieg, der erst vier Rennfahrern gelang. Und wer mag schon daran zweifeln, dass der 31-jährige Texaner im nächsten Juli endgültig in den Club der Legenden mit Anquetil, Merckx, Hinault und Indurain einzieht?

Lance Armstrong, vor ein paar Jahren ein solider, aber nicht glanzvoller Klassiker-Spezialist, ist inzwischen die absolute Nummer 1 in seinem Sport. Bei der Präsentation der Tour de France 2003 im letzten Oktober flogen die Organisatoren den Amerikaner standesgemäß mit der Concorde ein und natürlich nächtigte Armstrong (auf eigene Kosten) im teuersten Luxus-Hotel, das Paris zu bieten hat. Der am besten bezahlte Radstar aller Zeiten weiß zu leben. Aber er weiß auch, wann es gilt, Opfer zu bringen.

Wie einst Miguel Indurain Anfang der Neunziger ist Lance Armstrong Jahr für Jahr pünktlich zur Tour de France Anfang Juli in seiner Bestform. Seine Vorbereitungsmethoden sind im Grunde die gleichen geblieben wie die, die ihn zu seinem ersten Tour de France-Triumph trugen. 1999 war das und damals konnte niemand glauben, dass es tatsächlich jemand schaffte, den Krebs zu besiegen und anschließend das schwerste Radrennen der Welt zu gewinnen. Dass er vier, ja vielleicht fünf, sechs Toursiege schaffen könnte, davon träumte Armstrong damals selbst nicht.

Wie immer zeigte sich Armstrong auch in diesem Jahr im Frühjahr nur selten in den Rennen. Einige Klassiker-Starts im März und April (San Remo, Flandern, Lüttich), ausgiebige Streckenerkundungen und Training, schließlich ein paar Rundfahrten (Midi Libre, Dauphiné) im Juni für den letzten Formschliff. Am Tag des Tour-Prologs war Lance Armstrong wieder auf den Punkt genau in Form, was er mit dem Sieg beim Prolog eindrucksvoll unterstrich.

Schmilzt der Vorsprung?

Armstrongs Dominanz bei der Tour de France war dennoch in diesem Jahr weniger ausgeprägt als in den letzten Jahren. Das lag aber wohl auch daran, dass er in diesem Jahr praktisch gegen sich selbst fuhr. Sein ewiger Rivale Jan Ullrich fehlte. Stoppen konnte Armstrong eigentlich nur ein Sturz, eine Verletzung. Seine "Gegner" waren alle zufrieden mit den Plätzen hinter dem Unantastbaren. Es spricht viel dafür, dass sich diese Geschichte 2003 wiederholen wird. Ullrich wird, selbst wenn ihm das große Comeback gelingt, nach anderthalb Jahren Pause noch nicht soweit sein können, um Armstrong anzugreifen. Und andere Gegner sind (noch) nicht in Sicht.

Oder doch? Armstrongs Hauptstärke war in den letzten Jahren immer
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  • das Zeitfahren. Im letzten Juli wurde er bei dem Tour-Zeitfahren in Lorient geschlagen vom späteren Weltmeister Santiago Botero. Der Kolumbianer wechselte inzwischen zu Team Telekom, das zwar Ullrich verlor, sich aber dennoch wesentlich verstärkte. Die internationale Truppe um Botero, Savoldelli, Vinokourov, Evans und Nardello könnte Armstrong durchaus schwitzen lassen bei der nächsten Tour de France, bei der es zudem weniger Bergankünfte und somit mehr taktische Varianten gibt gegen einen Mann, der üblicherweise am Schlussanstieg antritt. Doch eines steht fest: Armstrong macht dies nicht nervös. Seine größte Stärke ist die mentale Kraft, die ihm bereits half, den Krebs zu besiegen. Es spricht vieles dafür, dass Armstrong 2003 in den exklusiven Club der "Fünfer" mit Anquetil, Merckx, Hinault und Indurain einzieht. Und wer wird dann noch von der "Vier" reden?

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