11.01.98 Lance Armstrong steht früh auf dieser Tage. Schon am
frühen Morgen sieht man ihn beim Training auf den Nebenstraßen der
kalifornischen Pazifikküste. Der Texaner hat sein Trainingsquartier
in Santa Barbara aufgeschlagen. Sechs Stunden am Tag trainiert Armstrong
und versucht die Zeit, die er bei seinem Kampf gegen den Krebs verloren hat,
wieder aufzuholen.
Am 3. Oktober 1996 war Lance Armstrong im St. David Hospital in Austin/Texas wegen Hodenkrebs operiert worden. In jenem Winter bangte Armstrong
um sein Leben, die Straße, das Rennrad, Training, all das war plötzlich
ganz weit weg. Lance konnte nur träumen von einem normalen Leben.
Jetzt, fünfzehn Monate später, fühlt sich Armstrong wie
neugeboren: "Ich habe die Schönheit des Lebens entdeckt. Ich habe eine
gorßartige Frau gefunden, die mir sehr nahe ist. Ich habe gelernt,
was wirklich wichtig ist im Leben. Und jetzt bin ich bereit, wieder
ein Rennfahrer zu sein."
"Die Situation hat sich normalisiert," erklärt Armstrong. "Die Bluttests
sind ermutigend und ich kann ohne Sorgen trainieren. Vorgestern habe ich
fünfeinhalb Stunden trainiert, gestern waren es sechs Stunden. ich bin selbst
überrascht, wie gut die Dinge sich entwickeln. Ich fühle mich
gut und ich bin super-motiviert." - "Es sieht so aus, als wäre ich
wieder da, wo ich vor zwei Jahren war. Ich kann über meine anaerobe
Schwelle gehen und ich scheine mich auch wieder so gut zu erholen wie früher.
Ich kann ohne Probleme bis zu einem Pulsschlag von 190 gehen und ich
habe anscheinend sogar 15 Watt zugelegt."
Armstrong kann es kaum abwarten, sich endlich wieder in Rennen mit seinen
Gegnern zu messen, aber die Ärzte empfehlen eine allmähliche
Rückkehr in die Rennen. "Die Teamchefs meines neuen Teams US Postal und ich
haben ursprünglich vereinbart, mein Debüt sollte Ende März in den USA
sein, aber jetzt haben wir entschieden, meine Rückkehr vorzuziehen.
Ich werde die Ruta del Sol (15.-19.02.) fahren und dann Paris-Nizza.
Dieses Jahr werde ich nicht die Tour de France fahren, aber wenn alles
nach Plan läft, fahre ich die Vuelta als Vorbereitung auf die WM."
Armstrong wird nach Europa zurückkehren und dort die ganze Saison
über wohnen. Um die Wiedergeburt vollkommen zu machen, will
Armstrong den Bund fürs Leben eingehen.
"Anfang Februar gehe ich nach Europa. Ich werde in einem Haus an der
Cote d'Azur leben." Christine, die Frau aus Austin, die Armstrong
im Mai heiratet, wird ihn nach Frankreich begleiten.
Nächste Woche wird Armstrong seine neuen Teamkameraden vom Team US Postal treffen. "Das Team legt viel Vertrauen in mich.
Und ich in das Team. Sportdirektor Johnny Weltz ist ein alter Freund, es
wird keine Probleme geben. Ich habe übers Internet verfolgt, was im europäischen
Radsport passiert ist. Aber ich habe genug vom "virtuellen Radsport", ich
sehen mich nach Rennen."
[Gazzetta dello Sport]