11.10.01 (rsn) - Klaus Angermann spaltete die Fans. "Mikrofon-Gott"
nannte ihn die eine Häfte, die andere nervte schlicht sein
manchmal angestaubt wirkender Pathos. Doch vermissen
beide Lager bei der zurzeit laufenden Straßen-WM den
langjährigen Eurosport-Reporter, der vor zwei
Wochen seinen Sender mit einem Kündigungsbrief überraschte.
Am Mittwoch flimmerten über die Bildschirme wieder die ewigen Übertragungen von der
WM bei Eurosport, das gnadenlos auch alle hundert Juniorinnen
beim Einzelzeitfahren versendet. Während
von Lissabon aus das neue Eurosport-Reporter-Tandem Karsten Migels und Ulli Jansch
launig auch über die langweiligsten Bilder hinwegplauderte,
war Klaus Angermann derweil beim Pilze sammeln im Hunsrück.
Schon bei der Spanien-Rundfahrt hatte Angermann für
sich den Entschluß gefasst, seinen bis Jahresende laufenden
Drei-Jahresvertrag vorzeitig und praktisch fristlos zu kündigen.
Bei der Bahn-WM setzte er sich eines Abends hin und schrieb einen
langen Brief an die Eurosport-Chefredaktion nach München.
Die Sender-Chefs waren von dem "Rücktritt" vollkommen
überrascht, auch Kollegen wussten von nichts.
In dem Pressematerial zur WM, das Eurosport
verschickte, wird noch Angermann als Reporter angegeben.
Über die Gründe seines plötzlichen Abgangs will
Klaus Angermann, der 1998 nach
Jahrzehnten beim ZDF zu dem Sport-Spartensender wechselte,
lieber nichts sagen. Er habe "drei schöne Jahre"
gehabt, sagte er gegenüber RADSPORT-NEWS.COM,
er wolle auch künftig "dem Radsport erhalten bleiben".
"Kleinigkeiten" seien es gewesen, die ihm in letzter Zeit
ein wenig den Spaß genommen hätten.
Dem Vernehmen nach hatte Angermann, der seit 1963
im Fernsehen vom Radsport berichtet, zunehmend Probleme,
seine jüngeren Kollegen und neue Ideen zu akzeptieren.
Von der "Diva Angermann" ist die Rede.
An die mitunter spartanischen Arbeitsbedingungen
bei dem kleinen "paneuropäischen" (Eigenwerbung) Privatsender
konnte sich der ZDF-Veteran nicht recht gewöhnen.
Der letzte Auslöser für Angermanns Abschiedsschreiben
war, dass Eurosport entschied, bei
der Straßen-WM diesmal auf die Dienste des Schweizer Ex-Profis Tony Rominger
zu verzichten. Ein Eurosport-Sprecher sagte dazu,
dies sei Teil der "redaktionellen Gesamtplanung",
bei der WM gebe "es viel zu kommentieren", da seien
zwei Reporter eben besser. Angermann ("Ich habe
Tony zu Eurosport geholt, er ist ein Freund geworden") wollte
aber nur mit Rominger an der Seite die WM kommentieren.
In Zukunft will sich Klaus Angermann, bei der kommenden Winter-Olympiade
ehrenamtlicher Pressesprecher des NOK, anderen Projekten widmen
und vielleicht ein Buch schreiben.
Und welchen Sender schaut nun Klaus Angermann,
wenn am Donnerstag Eurosport und
ZDF parallel aus Lissabon das Männer-Zeitfahren
live übertragen? "Beide", sagt er. "In den Werbepausen
von Eurosport kann ich ja zum ZDF zappen."
Kersten Volk
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23.04.1998 "Eurosport" stellt Tour de France-Team vor: Klaus Angermann und Tony Rominger