Vor der
Tour de France hatten alle 189 Fahrer eine entsprechende Erklärung
unterschrieben, anderenfalls hatten die Tour-Verantwortlichen mit der
Verweigerung des Starts gedroht.
Wie das Bundesinnenministerium nach dem Spitzengespräch weiter
mitteilte, soll eine Steuerungsgruppe konkrete Maßnahmen gegen Doping
koordinieren. Angehören werden ihr Vertreter der Welt-Anti-Doping-
Agentur (WADA), der nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA), von UCI
und dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR). McQuaid und Scharping flogen
danach gleich weiter nach Stuttgart, um dort Oberbürgermeister
Wolfgang Schuster (CDU) und Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann in
einem eineinhalbstündigen Krisengipfel von den Maßnahmen zu
überzeugen. «Wenn dieses Paket so umgesetzt wird, dann wird die WM
stattfinden», sagte Pressesprecher Stephan Schorn.
«Wir sind uns einig, dass eine Weltmeisterschaft im Radsport ein
Neuanfang sein muss», unterstrich Schäuble, dessen Ministerium den
geplanten WM-Zuschuss in Höhe von 150 000 Euro bisher zurückhält. Die
Stadt Stuttgart hatte sogar 204 000 Euro beantragt. Die
Steuerungsgruppe soll dafür sorgen, dass es vor der WM Ende September
intensivierte unangemeldete Trainingskontrollen sowie vor und nach
dem Wettkampf Kontrollen geben soll. Ferner sollen die Blutprofile
aller WM-Starter kontrolliert werden. Die nationalen Verbände sollen
sicherstellen, dass alle Fahrer die geplante Anti-Doping-Erklärung
unterschreiben.
Schäuble selbst hatte vorher eine Absage der WM nicht
ausgeschlossen. «Über den Berg ist die Rad-WM noch lange nicht»,
hatte er erklärt und gefordert, die Titelkämpfe müssten sichtbar
anders sein als andere Radsport-Ereignisse. «Ich bin optimistisch,
dass wir eine gemeinsame Lösung finden werden«, sagte Scharping.
Bereits an diesem Donnerstag wird eine Delegation aus Stuttgart im
Bundesinnenministerium erwartet.
In der baden-württembergischen Landeshauptstadt hatten sich
zuletzt sogar Stadträte für eine Absage der WM ausgesprochen.
Eisenmann machte sich Sorgen um das Image, «das die Sportstadt
Stuttgart bekommt, wenn die WM zu einem Dopingfestival wird». Sie
befürchtet zudem, dass bei einem Rückzug des Bundes in der
Finanzierung auch das Land die bereits eingeplanten 80 000 Euro
streichen würde. Auch die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die
Grünen hatte gefordert, die WM zu kippen.
Eine Absage würde die Stadt allerdings teuer zu stehen kommen: Die
Kommune steuert nämlich 2,3 Millionen zum 5 Millionen Euro
umfassenden Etat bei. 3 Millionen Euro davon sind bereits ausgegeben.
Zudem droht in diesem Fall ein Rechtsstreit mit der UCI, da die im
Vertrag festgeschriebene Ausstiegsklausel am 1. September 2006
abgelaufen ist.
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06.07.07 Schäuble: "Spektakuläre WM-Absage für Neuanfang"