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Die Exoten bei der WM
Dabei sein ist ein Erfolg


DAS IRANISCHE TEAM MIT BETREUER WOLFRAM LINDNER Foto: Roth

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STUTTGART, 01.10.07 (rsn) - Sie sind die Exoten im WM-Feld: Vier Iraner kämpfen mit um den WM-Titel. Wobei: Die Vier wissen von vornherein, dass sie keine Chance haben. Radsport ist im Iran ein Sport unter ferner liefen. Für sie - wie für viele andere - ist bei der Weltmeisterschaft Dabeisein alles.

Weniger als 1000 registrierte Radsportler gibt es, erzählt Asghar Khaleghi vom iranischen Radsportverband, für den der frühere DDR-Nationaltrainer und "Coast"-Sportdirektor Wolfram Lindner arbeitet. Die Iraner fahren Rennen in Asien, die WM ist ein Höhepunkt, den die Fahrer nicht bis zum Ende auskosten dürfen. Nach und nach fallen die Iraner raus, auch wenn einer von ihnen einmal kurz eine Attacke mitgegangen ist, gibt es für die Männer vom Persischen Golf nicht viel zu holen. Immerhin einer von ihnen darf die große Kulisse im Zielbereich am Ende genießen. Hossein Askari fährt als 72. und damit letzter gewerteter Fahrer 21:57 Minuten nach Weltmeister Bettini über den Zielstrich. Das ist für ihn ein durchaus beachtlicher Erfolg. Seine Mannschaftskameraden erleben die Entscheidung im Fernsehen mit.

Der lettische Meister Aleksejs Saramontis Foto: Buttkereit
Einen Fernseher haben die Letten ein paar Meter weiter in Richtung Ziel gar nicht in ihrerer Box. Dafür sind die Iren gleich mit von der Partie, denn sowohl aus Lettland wie aus Irland ist gerade einmal ein Fahrer im Peloton vertreten. Der Lette hat nur sechs Runden das Vergnügen, das euphorische Publikum an der Strecke in der schwäbischen Metropole zu erleben. Als es in der siebten Runde schwer wird, zum ersten Mal eine größere Ausreißergruppe antritt und das Feld hinterher steigt, da lässt er abreißen. Gemeinsam mit einem der Iraner fährt er vor dem Besenwagen zu den Boxen, schon die fünfte Runde hatte er als Letzter des Hauptfeldes beendet.

Aleksejs Saramontis gibt nach sechs Runden auf. Für den lettischen Meister sind es die dritten Weltmeisterschaften, noch nie hat er den Zielstrich gesehen. Dafür ist er bereits bei der Regio Tour gestartet, ist amtierender lettischer Meister. Davon kann er sich in Stuttgart nichts kaufen. „Ich war müde“, sagt der 25-Jährige. „Die Saison war einfach zu lang.“ Nach dem Rennen schaut er noch kurz den deutschen Betreuern über die Schulter, deren Box direkt neben der irisch-lettischen liegt. Dort gibt es einen Fernseher. Unterdessen baut sein Betreuer schon einmal ab, die lettische Fahrne wird eingeholt. Dann zieht sich auch Saramontis um und verlässt die Rennstrecke ungewöhnlich: Er klettert über den Zaun. Ein unschönes Ende für einen enttäuschten Sportler, dessen Team Rietumu Bank Riega hierzulande niemand kennt.


Dragan Spasic aus Serbien Foto: Buttkereit
Enttäuscht ist auch Dragan Spasic. Der Serbe mit dem blonden Zopf kommt kurz nach Saramontis Kletterpartie in seiner Box an. Er ist bereits der Zweite von drei Startern seines Landes, der aufgeben muss. Anders als Landsfrau Dragana Kovacevic, die beim Frauenrennen bis kurz vor der Überrundung durchhält, fährt er „schon“ mit knapp sieben Minuten Rückstand aufs Feld an die Box. „Die Strecke ist so schwer“, sagt er später. „So viele Anstiege, es gibt kaum Möglichkeiten, sich zu erholen.“ Dabei sollten ihm eigentlich die Berge liegen. Die Bergwertung der diesjährigen Serbien-Rundfahrt beendete der serbische Vizemeister als Zweiter. Aber eine WM ist damit natürlich nicht zu vergleichen. Wie es ist, mit Fahrern wie Zabel oder Bettini auf der Strecke zu sein? „Ein schönes Gefühl“, so Spasic, „ein sehr emotionales Rennen.“ Besonders die vielen Zuschauer an der Strecke haben die WM für ihn zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht – trotz seines Ausstiegs zur Hälfte des Rennens. Gut 130 Kilometer waren heute genug.

„Es ist schon ein Erfolg, dass wir uns überhaupt qualifiziert haben“, sagt er. Die Teilnahme bei den nächsten Titelkämpfen ist dann auch sein nächstes großes Ziel. Natürlich würde er sich freuen, wenn er auch einmal bei einer Profi-Mannschaft einen Vertrag erhalten würde. So lange fährt er im Nationalteam. Auch wenn er nicht das ganze WM-Rennen durchhält. Aber so kommt er zumindest in den Genuss, den Sprintsieg eines seiner Idole live im Fernsehen mitzuerleben. Auf dem Rad dürfte ihm das kaum gelingen.

Helge Buttkereit


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