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Klage gegen Bettini - Sprenger soll gehen
UCI attackiert Stuttgarter WM-Organisatoren


BETTINI LANDET IN STUTTGART - Kleines Foto: OK-CHEFIN EISENMANN  Foto: Roth

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STUTTGART, 27.09.07 (dpa) - Der Rad-WM in Stuttgart droht eine juristische Schlammschlacht - zum offenen Eklat zwischen den Hauptdarstellern ist es bereits gekommen. Organisationschefin Susanne Eisenmann und UCI- Präsident Pat McQuaid lieferten sich am Donnerstag einen heftigen verbalen Schlagabtausch.

"Deutschland erklärt Bettini den Krieg"
Gazzetta dello Sport
«Frau Eisenmann benutzt die WM für ihre persönliche Strategie, die politisch und wirtschaftlich ausgerichtet ist. Eine solche Haltung ist sehr gefährlich», attackierte der wutentbrannte Weltverbands-Präsident McQuaid seine Widersacherin. Eisenmann hatte ihre Drohung wahrgemacht und am Donnerstag gegen einen WM-Start des Weltmeisters Paolo Bettini und Giro-Siegers Danilo di Luca beim Landgericht Stuttgart eine Einstweilige Verfügung eingereicht. McQuaid betonte, dass Bettini garantiert starten werde. Der Fall Di Luca erledigte sich am Abend, der Girosieger, gegen den in Italien eine Dopingsperre beantragt wurde, verzichtet jetzt auf die WM (MELDUNG).


«Wir hatten die Chance auf eine wundervolle WM, von der Stuttgart wie auch der Radsport sehr profitiert hätten. Sie wurde von den Politikern für ihre Zwecke vereinnahmt.»
UCI-Präsident Pat McQuaid am Donnerstag
Eisenmann forderte auch die Abreise des BDR-Vizepräsidenten Udo Sprenger von der WM, gegen den am Abend in der ARD-Sendung «Panorama» neue Doping-Vorwürfe erhoben wurden. BDR-Präsident Rudolf Scharping, der sich auf McQuaids Seite schlug und Eisenmann der «persönlichen Profilierung» bezichtigte, verteidigte Sprenger. Dieser bleibe im Amt. Titelverteidiger Bettini drohte unterdessen seinem des Dopings überführten Kollegen Patrik Sinkewitz wegen angeblicher Anschuldigungen mit der Einreichung einer Schadenersatzklage.

«Ich hoffe, du hast Beweise für das, was du gesagt hast. Ansonsten ist das, was du T-Mobile schuldest, nichts dagegen», sagte Bettini laut «La Gazzetta dello Sport» in einem Telefongespräch mit Sinkewitz (s.MELDUNG). Nach ZDF-Informationen hat der Hesse Bettini belastet, ihm das Dopingmittel «Testogel» besorgt zu haben.

Die Staatsanwaltschaft Bonn teilte auf dpa-Anfrage mit, dass der Italiener in Stuttgart von einem BKA-Beamten besucht, aber nicht verhört worden sei. «Es hat keine Vernehmung gegeben», sagte Staatsanwalt Fred Apostel. Durchsuchungen im Lager von Bettini habe es nicht gegeben. Dennoch kritisierte UCI-Chef McQuaid auch dies aufs Schärfste: «Das sind Aktionen, die für mich völlig inakzeptabel sind. Sie gingen viel weiter, als sie es hätten tun sollen.»


Bettinis Erklärung gegenüber der UCI vom Juli (PDF)
Bettini sandte der UCI im Juli eine Ehrenerklärung
mit Anmerkungen, die der Weltverband nicht akzeptierte
Übersetzung: Team-PR Quick Step
Das Fax von Sinkewitz-Anwalt Lehner an Bettini (PDF)
Anwalt Lehner dementiert in dem Schreiben nicht,
dass die belastenden Aussagen von Sinkewitz stammen.
Es habe nur keine "offiziellen" oder "autorisierten"
Aussagen gegeben, heißt es.

Der Streit zwischen der UCI und der Stadt Stuttgart hatte sich an der Ehrenerklärung für einen sauberen Sport entzündet, die Bettini nicht unterschrieben hat. Dies ist nach Ansicht der Ausrichter-Stadt gemäß einer Ende Juli gemeinsam verabschiedeten Vereinbarung Bedingung für einen WM-Start. «Wir lassen juristisch bewerten, ob die Unterschrift unter die Vereinbarung bindend ist und in den Fällen Bettini und di Luca dazu analog gehandelt werden muss», sagte Eisenmann. «Sie hat nicht die Wahrheit gesagt. Bettini hat alles Recht zu starten. Die Ehrenerklärung ist nicht Teil des UCI- Regelwerks», entgegnete McQuaid, dem die kritische Haltung in Deutschland zunehmend auf die Nerven geht: «Ich denke, dass sie hier manchmal zu weit gehen.»


IM MITTELPUNKT: SPORTBÜRGERMEISTERIN EISENMANN Foto: Roth
Eisenmann forderte auch die Demission Sprengers. Der anonyme ARD- Zeuge, der Sprenger im Juni beschuldigt hatte, als Teamleiter der Equipe «Nürnberger» eine schwarze Doping-Kasse geführt zu haben, hat sich inzwischen an den WM-Ombudsmann Reiner Buchert gewandt. Seit Juni ermittelt die Staatsanwaltschaft Wiesbaden gegen Sprenger, nachdem dieser seinerseits Klage gegen unbekannt erhoben hatte. BDR- Chef Scharping sagte: «In der Sache gibt es keine Neuigkeiten im Vergleich zum Juni. Deshalb ist auch das Präsidium nach Beratung heute hier in Stuttgart zur selben Schlussfolgerung gekommen.» Sprenger bleibe im Amt und in Stuttgart, der anonyme Zeuge habe seine Vorwürfe vor dem WM-Ombudsmann sogar abgeschwächt.

In der Auseinandersetzung mit der UCI verspürt Eisenmann Rückenwind durch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU). «Diejenigen schätzen den Wert der Vereinbarung höher ein als McQuaid», sagte die resolute CDU-Politikerin. Da sie weiterhin den Verlust von Sponsorengeldern und einen TV-Ausstieg befürchtet, behielt sie sich eine Schadenersatzklage gegen die UCI ausdrücklich vor. Zudem weigerte sich die Stadt bislang, ihren Anteil von 675 000 Euro an den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und die UCI zu zahlen. Mit ihren Angriffen wolle sich Eisenmann aus ihren finanziellen Verpflichtungen stehlen, sagte McQuaid.

Eisenmann betonte, sie habe «absolut Verständnis» dafür, dass Schäuble den Bundeszuschuss in Höhe von etwa 150 000 Euro vorerst eingefroren habe, obwohl es letztendlich Stuttgart treffe. Die WM- Organisationschefin erwartet bis Freitag eine Entscheidung des Landgerichts. Das Straßenrennen der Männer findet am Sonntag statt.

Eine Klage droht auch Sinkewitz, der Bettini als Doping-Boten beschuldigt haben soll. Nach Angaben von Sinkewitz-Anwalt Michael Lehner hat sein im August von T-Mobile entlassener Mandant jedoch nur eine streng vertrauliche Erklärung zu seinem Doping-Fall abgegeben, aus der das ZDF offensichtlich zitierte.

Sinkewitz und Bettini waren gemeinsam Team-Mitglieder der Profi- Mannschaften Mapei und Quick Step, bevor Sinkewitz 2005 zu T-Mobile wechselte. Die Bonner entließen Sinkewitz, nachdem während der Tour de France ein positiver Doping-Test bekannt geworden war. Er hatte im Juni in der Tour-Vorbereitung das verbotene Testosteron-Präparat «Testogel» benutzt.


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26.09.07 WM im Dopingsumpf: Bettini und Di Luca belastet - Valverde am Start




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