Es fehle
noch immer die Unterschrift des UCI unter der ausgehandelten Anti-
Doping- Vereinbarung, sagte die Stuttgarter Sportbürgermeisterin
Susanne Eisenmann (CDU) am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Das Bundesinnenministerium (BMI) habe dem UCI daher eine Frist bis
zum (morgigen) Donnerstag gesetzt. «Die Vereinbarung ist die
Grundvoraussetzung für die Ausrichtung der Rad-WM», sagte Eisenmann.
Sie erwarte, dass UCI-Chef Pat McQuaid nun unterschreibe. «Die
UCI-Unterschrift ist die einzige, die noch fehlt», erklärte die
Vorsitzende des Organisationskomitees. Der Bund Deutscher Radfahrer
(BDR) sowie BMI, baden-württembergische Landesregierung und Stadt
hätten das umfangreiche Anti-Doping-Paket dagegen unterzeichnet.
Zwar habe der positive Doping-Befund bei Rad-Profi Alexander
Vinokourov am Dienstag während der Tour de France nichts an der
grundlegenden Haltung der Stadt geändert, doch seien es bis zur WM
vom 25. bis 30. September nur noch zwei Monate, betonte Eisenmann.
Die CDU-Politikerin hatte zudem schon in der vergangenen Woche nach
der positiven A-Probe bei T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz erklärt,
an der Ausrichtung der WM festzuhalten und war dabei vom Gemeinderat
unterstützt worden.
«Wir stehen daher unter Zeitdruck», sagte die verärgert wirkende
Politikerin, «denn wenn man unangemeldete Trainingskontrollen
durchführen will, bringt es nichts, wenn man damit erst zwei Wochen
vor der WM beginnt.» Daher habe sie für die kommende Woche das erste
Treffen der für die Umsetzung der Anti-Doping-Maßnahmen vorgesehenen
Steuerungsgruppe einberufen. Zu der Gruppe gehören neben Eisenmann
auch Vertreter von UCI, BDR sowie der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA)
und der nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA).
Die Anti-Doping-Maßnahmen bei der WM beinhalten auch die
Überprüfung von Langfristblutprofilen der Radprofis und Kontrollen
vor und nach den Wettkämpfen. Zudem sollen alle WM-Teilnehmer eine
Ehrenerklärung gegen Doping abgeben. «Unsere Zielsetzung ist, mit
noch nie da gewesenen Maßnahmen dem Radsport noch einmal eine Chance
zu geben. Viele hat er nicht mehr. Und es gilt natürlich auch, einen
immensen finanziellen Schaden von der Stadt abzuwenden.»
Auf die Vereinbarung zum Anti-Doping-Kampf hatte sich
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit UCI-Chef Pat McQuaid
und BDR-Präsident Rudolf Scharping am 9. Juli in Berlin verständigt.
Eine Ehrenerklärung hatten auch alle 189 Starter der Tour de France
im Vorfeld der Frankreich-Rundfahrt unterschrieben.
SPD: Schäuble muss Zuschuss zur Rad-WM streichen
Die SPD hat Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble
(CDU) aufgefordert, den Zuschuss zur Rad-Weltmeisterschaft in
Stuttgart zu streichen. «Der jüngste Dopingfall bei der Tour de
France um Alexander Winokurow, Kapitän des Astana-Teams, zeigt sehr
klar, dass die Doper-Mentalität im Radsport ungebrochen ist», sagte
die sportpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Dagmar
Freitag, am Mittwoch in Berlin. Unter diesen Umständen könne ein
Zuschuss aus öffentlichen Mitteln nicht mehr verantwortet werden.
Auch wenn es nicht der Entscheidung des Bundes obliege, wäre eine
Absage der Rad-WM die konsequenteste Lösung. «Der Radsport braucht
eine Denk- und Fahrpause: Nur so kann es gelingen, einen echten
Neuanfang unter ehrlichen Wettbewerbsbedingungen zu starten.»
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