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Straßen-WM: Zeitfahren der U23
Cross- und Zeitfahr-Boom
WM: LIVE-Ticker - Ergebnisse/Palmares


Fotos: Roth

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STUTTGART, 26.09.07 (rsn) - Ein bekennender Querfeldein- Spezialist hat den Asphalt- Liebhabern Einhalt geboten: Zum Auftakt der Stuttgarter Straßen- WM setzte sich der Niederländer Lars Boom im Zeitfahren der Espoirs durch.

Eine Sensation ist das freilich nicht; Boom hat seine Vielseitigkeit schon oft demonstriert. Aber dennoch überraschte der 21-jährige Rabobank-Profi durch einen exzellenten Ritt und ein Tempo, dem auch der Russe Mikhail Ignatiev nicht gewachsen war. Boom und Ignatiev lieferten sich auf den 38,1 Kilometern am Killesberg ein spannendes Fernduell, das der Holländer um 9:06 Sekunden für sich entschied (Siegerzeit: 48:59,93 Minuten; Durchschnittstempo 46,9). Dritter wurde Jerome Coppel, ein künftiger FDJ-Profi aus Frankreich.


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Die beiden deutschen Starter schafften es nicht in die Top Ten: Markus Kittel aus Thüringen wurde 18., der Cottbuser Stefan Schäfer erreichte nur Platz 24. Da hatte er mehr erwartet, und so schaute er dann auch ein bisschen ungläubig aus der durchschwitzten Wäsche. "Komisch", sagte der 22-Jährige unmittelbar nach seinem Zieleinlauf. "Komisch: Ich bin mit dem Kurs wirklich gut zurechtgekommen und habe mich gut gefühlt. Aber jetzt sehe ich: Die Zeit ist nicht so prickelnd. Dabei dachte ich, dass ich ganz gute Beine habe."

Stefan Schäfer
Foto: Roth
Das Ergebnis ist ein Rückschritt für Schäfer, der bei der letztjährigen Weltmeisterschaft in Salzburg noch Sechster war. "Eine WM im Heimatland und im dritten Jahr U 23, da hätte ich wirklich gedacht, dass ich weiter nach vorne fahren kann. Ich bin enttäuscht", gab der Cottbuser zu Protokoll - und verabschiedete sich in die Winterpause. Dieses Zeitfahren war Schäfers letztes Rennen in diesem Jahr; 2008 wird er noch einmal für das Cottbuser LKT-Team fahren. Eine anschließende Profikarriere scheint für den groß gewachsenen Brandenburger durchaus realistisch - Platz 24 hin oder her.

Marcel Kittel Foto: Roth
Auch Marcel Kittel besitzt ein enormes Potenzial. Der Thüringer ist erst 19 Jahre alt, da ist auch der 18. Rang bei einer U-23-WM schon ein kleines Ausrufezeichen. Zumal, gerade in seinen jungen Jahren, nicht nur die nackten Zahlen zählen: Viel aussagekräftiger als die Ergebnisliste ist der Blick auf seine elegante, ruckelfreie Fahrweise, auf seinen brillanten Stil im Sattel. Dabei musste er ganz schön beißen. "In der ersten Runde hatte ich doch einige Probleme, einen Rhythmus zu finden; in der zweiten lief es dann besser", sagte der in Arnstadt geborene Kittel. Besonders schwer sei ihm jeweils das letzte Stück der beiden Runden gefallen: Nach einer kleinen Gegenwelle im Stuttgarter Stadtteil Feuerbach und einer kurzen Abfahrt führt eine - so Kittel "eklig zu fahrende" Steigung in Richtung Ziel; da musste er am meisten kämpfen. Dass er - trotz des eher schwachen Zuschauerzuspruchs - immer wieder angefeuert wurde von den deutschen Velo-Fans, das hat Kittel freilich nicht mitbekommen: "Tunnelblick", sagte er selbst.

Auch die drei Erstplatzierten haben gewiss nicht mehr von Stuttgart gesehen als ein paar Fitzelchen Straße. "Mir war klar, dass Mikhail ein sehr guter Zeitfahrer ist, schließlich war er schon Weltmeister in dieser Disziplin. Aber ich habe mich heute die ganze Zeit über sehr gut gefühlt", erklärte Boom, der neue Weltmeister. Doch auch dem knapp geschlagenen Ignatiev war nicht zum Granteln zumute: "Mein Rückstand war zwar ziemlich klein, aber ich bin trotzdem nicht sauer. Ich hatte in den vergangenen Wochen ein paar muskuläre Probleme und konnte mich deshalb nicht ganz gezielt auf diesen Wettbewerb vorbereiten. Ich denke, dass ich zufrieden sein kann mit dieser Silbermedaille."

Foto: Roth
Gold hat er ja schon in mehrfacher Ausfertigung. 2002 und 2003 war er Zeitfahr-Weltmeister bei den Junioren, 2005 bei den Espoirs. Bei den Olympischen Spielen 2004 holte der junge St. Petersburger Gold im Punktefahren, und auch seine Straßenkarriere im Trikot des Tinkoff-Teams macht Fortschritte - so gewann er in diesem Jahr unter anderem eine Etappe der Mittelmeer-Rundfahrt und das anspruchsvolle Zeitfahren der Regio-Tour in Sexau.

Lars Booms Palmares lesen sich da ein bisschen anders. Am häufigsten vertreten sind da Top-Platzierungen und Siege bei den wichtigsten Querfeldeinrennen der Welt. Cross ist Booms Metier - und soll es auch bleiben. Vorerst. Aber mindestens zwei Jahre lang. "Ja, ich will mich weiter auf den Cross-Sport konzentrieren. Das kann meiner Entwicklung als Rennfahrer nut gut tun. Auch meine Zeitfahrqualitäten haben vom Querfeldein profitiert." Das ist zumindest eine ungewöhnliche These, doch Boom wusste sie zu bekräftigen: "Ein Querfeldeinrennen bedeutet: eine Stunde full speed, voll am Limit. Das lässt sich auch auf Zeitfahren übertragen. Hinzu kommen die technischen Fähigkeiten, die man im Cross lernt." Und warum die große Treue zum Matsch-Terrain? "Ich habe schon viele Profirennen im Cross gewonnen; den reinen Straßenfahrern geht die Entwicklung langsamer. Außerdem fühle mich in der Querfeldein-Szene einfach sehr wohl. Und: Es ist einfacher, vom Cross auf die Straße zu wechseln als umgekehrt." Das klingt wie eine versteckte Warnung an die Konkurrenz. Denn auch wenn der Name Lars Boom in den kommenden Jahren keine allzu große Rolle im Straßenrennsport spielen dürfte - merken sollte man ihn sich auf jeden Fall. (kh)


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