«Wir beobachten das sehr
intensiv und auch mit berechtigter Sorge im Hinblick auf die WM»,
sagte Ministeriums-Sprecher Christian Sachs am Donnerstag in Berlin.
«Diese Rad-WM muss ein Neuanfang sein. Es kann nicht so weiter gehen
wie bisher.»
Bei den Weltmeisterschaften vom 25. bis 30. September seien der
Bund, das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart mit nicht
unerheblichen Steuermitteln engagiert. Sachs hofft daher auf die
positive Wirkung der so genannten Steuerungsgruppe für die WM. Diese
Gruppe soll mit dem internationalen Radsport-Verband UCI, dem Bund
Deutscher Radfahrer (BDR) sowie den nationalen und internationalen
Anti-Doping-Agenturen NADA und WADA ein «Anti-Doping-Regime»
bereitstellen.
Sachs verwies außerdem auf die vom Innenministerium (BMI)
gegründete «Task Force». Sie überprüfe derzeit, ob die Sportverbände
oder Olympia-Stützpunkte eventuell Bundes-Fördermittel gezielt zu
Doping-Maßnahmen missbraucht haben. Das BMI werde die Entwicklung bei
der Tour de France «weiter aufmerksam verfolgen». Am Mittwoch war die
positive A-Probe von Sinkewitz bekannt geworden. Die öffentlich-
rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF hatten daraufhin das vorläufige
Ende ihrer Berichterstattung beschlossen.
Stuttgarter Gemeinderat stimmt gegen Absage
Der Stuttgarter Gemeinderat hat sich
unterdessen trotz der
andauernden Doping-Enthüllungen gegen eine Absage der Radsport-
Weltmeisterschaft Ende September ausgesprochen. Das Gremium lehnte am
Donnerstagabend einen entsprechenden Antrag von Bündnis/Die Grünen
mit 49:12 Stimmen ab. Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU)
wiederholte das Ziel dopingfreier Titelkämpfe. «Wir werden ein
Kontrollsystem einführen, wie es das noch nie bei einer WM gegeben
hat», sagte er.
Bereits vor der Weltmeisterschaft vom 25. bis 30. September in
Stuttgart soll dazu ein entsprechendes Konzept mit den
internationalen und nationalen Antidoping-Agenturen WADA und NADA
erarbeitet werden. Auch nach dem positiven Doping-Befund bei T-
Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz während der Tour de France hatte
Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU) bereits am Mittwoch
betont, dass die Stadt an der Ausrichtung der WM festhalte.
Ein Boykott der zweiten Straßenrad-Titelkämpfe in Stuttgart nach
1991 kommt für Stadtoberhaupt Schuster nicht in Frage: «Mit einem
Boykott würden alle bestraft werden. Auch die Zuschauer und
diejenigen, die sich fair verhalten.»
Außerdem würde eine Absage die Stadt teuer zu stehen kommen: Die
Kommune steuert 2,3 Millionen zum fünf Millionen Euro umfassenden
Etat bei. Drei Millionen Euro des Gesamt-Etats sind bereits
ausgegeben. Zudem droht im Fall der Absage ein Rechtsstreit mit dem
UCI, da die im Vertrag festgeschriebene Ausstiegsklausel am 1.
September 2006 abgelaufen ist.
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