Die defintive Entscheidung
für die WM
fiel nach
Gesprächen mit dem Weltverband UCI, dem Bund Deutscher Radfahrer
(BDR), dem Bundesinnenministerium, dem Kultusministerium Baden-
Württemberg sowie dem Stuttgarter Gemeinderat.
Nach monatelangem Zögern gab die öffentliche Hand nun die bislang
zurückgehaltenen Fördermittel in Höhe von zusammen 284 000 Euro frei.
204 000 Euro steuert der Bund bei, 80 000 Euro das Land Baden-
Württemberg. «Trotz der aufgedeckten Dopingfälle bei der Tour de
France ist eine Förderung vor dem Hintergrund der gestrigen von der
Steuerungsgruppe in Stuttgart beschlossenen Maßnahmen vertretbar»,
sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) in einer
Pressemitteilung des Bundesinnenministeriums. Mit 130 statt der
bislang vorgesehenen 60 Kontrollen während der WM würden die
vorgegebenen Maßstäbe eingehalten.
Vorausgegangen war die Einigung auf einen umfangreichen
Maßnahmenkatalog für saubere Wettkämpfe in der Europäischen
Sporthauptstadt 2007: Vor und während der Titelkämpfe vom 25. bis 30.
September soll es mehr und vor allem strengere Dopingkontrollen als
jemals zuvor geben. «Die Kontrollen sind so umfangreich, dass keiner
dopt und nicht erwischt wird. Solche Anti-Doping-Vorkehrungen gab es
noch nie bei einer ähnlichen Sportveranstaltung», sagte die CDU-
Politikerin, «das ist eine echte Chance auf einen Neuanfang.»
In Absprache mit der nationalen und internationalen Antidoping-
Agentur sowie der UCI wird die Anzahl der Doping-Kontrollen vor der
WM verdoppelt werden. Überprüfungen soll es zudem unmittelbar vor und
nach den WM-Wettkämpfen geben, auch in Hotelzimmern und
Teamfahrzeugen. Die Kosten von einer Million Euro tragen die
Radverbände. «Wir vertrauen darauf, dass unsere Partner UCI und BDR
diese Maßnahmen umsetzen», ließ der in Kambodscha auf einer
Dienstreise weilende Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU)
ausrichten.
Des Dopings verdächtige Sportler sollen nicht starten dürfen: «Wir
brauchen keine großen Namen hier in Stuttgart, sondern Fahrer, die
ihren Sport ehrlich betreiben», sagte Eisenmann. Offen ist weiterhin,
ob Erik Zabel auf dem Rundkurs in der Stuttgarter Innenstadt um
Medaillen kämpft. Der 37-Jährige hatte die Einnahme des Dopingmittels
EPO in den 90er Jahren zugegeben. «Ich bin sicher, dass der BDR eine
kluge Entscheidung im Bezug auf Erik Zabel treffen wird», sagte
Eisenmann vieldeutig.
Die Stuttgarter gehen davon aus, dass sich Land und Bund an die
vereinbarten Zuschüsse halten werden. Eine WM-Absage wäre die
Schwaben teuer zu stehen gekommen. Ausländische Fernsehsender drohten
mit Regressforderungen im zweistelligen Millionenbereich, eine
Ausstiegsklausel lief bereits vor einem knappen Jahr ab. Der Gesamt-
Etat für die zweiten Straßenrad-Titelkämpfe in Stuttgart nach 1991
beträgt fünf Millionen Euro, davon trägt die Kommune 2,3 Millionen.
Drei Millionen Euro sind bereits ausgegeben.
Das Interesse von Zuschauern und der Wirtschaft an der WM ist nach
den andauernden Doping-Schlagzeilen weiter gering. Der Ticketverkauf
läuft äußerst schleppend. «Mit der Vermarktung haben wir ein
Problem», gab Eisenmann zu. Zwar gebe es keine Absagen von Sponsoren,
neue konnten aber auch nicht gewonnen werden. Trotzdem sei
«finanziell alles im grünen Bereich».
Nach den Dopingfällen bei der Tour de France hatte es zunehmende
Spannungen zwischen Stuttgart und der UCI gegeben. Erst auf den
letzten Drücker hatte die UCI den von der Stadt als WM-Voraussetzung
geforderten Maßnahmenkatalog befürwortet. Dies hatte weitere Zweifel
an der Ernsthaftigkeit der Antidoping-Bemühungen der UCI aufkommen
lassen. Bereits zuvor hatte die Stadt Zahlungen an BDR und UCI
eingefroren.
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