STUTTGART, 28.09.07 (dpa) -
Das T-Mobile-Team wandelt auf riskanten Pfaden.
Am Freitag gaben die Bonner, die seit dem Ullrich-Eklat im Juni 2006
ein engagiertes Anti-Doping-Programm auflegten, die Verpflichtung des
langjährigen Lance-Armstrong-Helfers George Hincapie bekannt. Im
selben Atemzug bekannte Team-Manager Bob Stapleton «starkes
Interesse» an Erik Zabel, der am 24. Mai tränenreich Doping im
damaligen Telekom-Team («Nur eine Woche EPO») zugegeben hatte. Beide
Personalien stießen im Konzern - wie zu hören ist - nicht nur auf
Wohlwollen.
Der umstrittene WM-Starter Zabel müsste für die Rückkehr nach Bonn
allerdings noch seine Vertragslage beim Milram-Team klären. Die
Bremer haben immer noch nicht klar dargelegt, wie und ob sie nach den
schweren Doping-Anschuldigungen gegen ihren italienischen Teamchef
Gianluigi Stanga weitermachen. Wahrscheinlich wird Milram auf den
Vertrag pochen, der Zabel bis Ende 2008 bindet. Nach den Titelkämpfen
trifft er sich mit der Milram-Chefetage. «Im Leben geht selten das in
Erfüllung, was man sich wünscht», erklärte Zabel am Donnerstagabend
in Stuttgart etwas kryptisch.
T-Mobile International
Die bisherigen Neuverpflichtungen
des Teams:
George Hincapie (USA),
Bradley Wiggins (GBR), Thomas Lövkvist (SWE),
Morris Possoni (ITA), Kanstantsin Siutsou (WRU),
Vicente Reynes (ESP),
Greg Lewis (USA), John Devine (USA),
Tony Martin (GER),
Edvald Boasson-Hagen (NOR)
«Wir wissen, dass ein Mann wie Zabel polarisiert und dass die
Meinungen über ihn auseinander gehen. Aber damit muss man leben und
dagegen abwägen, was er dem Team bringen kann. Wir finden, er würde
gut zu uns passen», sagte Stapleton, der während der Tour de France
in Etappensieger Linus Gerdemann, einen jungen, glaubhaften und
erfolgreichen Vertreter der «neuen Generation», die sich klar zum
Anti-Doping-Kurs positioniert, präsentieren konnte.
Der 34-jährige Hincapie habe sich für einen Wechsel zu T-Mobile
schon interessiert, als Stapleton das Team im vorigen Jahr von Olaf
Ludwig übernommen hatte. Die Routiniers Hincapie und Zabel sollen der
jungen Mannschaft, die in dieser Saison Patrik Sinkewitz wegen
Dopings und Sergej Gontschar wegen auffälliger Blutwerte entließ, als
sportliche Stabilitäts-Faktoren dienen. Zabel bekäme besondere
Führungs-Aufgaben für den hoffnungsvollen Sprinter Gerald Ciolek
zugeteilt.
Die Personalie Hincapie birgt einige Brisanz: Als treuester Helfer
des Seriensiegers Armstrong, dem nachträglich EPO-Doping aus dem Jahr
1999 nachgewiesen worden war, war der lange New Yorker fest
eingebunden ins Erfolgs-System des Texaners und dessen Mentors Johan
Bruyneel. Der Belgier steht jetzt auf dem Sprung, in Zukunft das
umstrittene Astana-Team mit vier Dopingfällen in zwei Monaten zu
leiten. Hincapie, der bei Armstrongs siebtem und letztem Toursieg
2005 als eigentlicher Klassiker-Spezialist sogar die Königsetappe der
Tour gewann, war bei allen Siegen des Texaners in Frankreich dessen
«Adjutant». In diesem Jahr diente er auch dem Doping verdächtigten
Toursieger Alberto Contador als rechte Hand.
T-Mobile hat für die kommende Saison bisher zehn neue Profis
verpflichtet (s.Kasten). Zu den namhaftesten Fahrern neben Hincapie gehören der
Schwede Thomas Lövqvist und der deutsche U23-Zeitfahrmeister Tony
Martin aus Cottbus. Drei Plätze könnten noch besetzt werden - am
liebsten einer davon durch Zabel, der die Bonner noch vor zwei Jahren
im Groll verlassen hatte.
T-Mobile 2008
Michael Barry (CAN), Edvald Boasson Hagen (NOR), Marcus Burghardt (GER),
Mark Cavendish (GBR), Gerald Ciolek (GER), Scott Davis (AUS), John Devine
(USA), Bernhard Eisel (AUT), Linus Gerdemann (GER), Bert Grabsch (GER), André
Greipel (GER), Roger Hammond (GBR), Adam Hansen (AUS), Greg Henderson (NZL),
George Hincapie (USA), Kim Kirchen (LUX), Andreas Klier (GER), Servais Knaven
NED), Greg Lewis (USA), Thomas Lövkvist (SWE), Tony Martin (GER), Marco
Pinotti (ITA), Morris Possoni (ITA), Vicente Reynes (ESP), Michael Rogers
(AUS), Kanstantsin Siutsou (BLR), Bradley Wiggins (GBR).