PARIS, 20.04.07 (rsn) -
Tour de France-Direktor Christian Prudhomme
hat an die Rennställe appelliert,
keine Fahrer, die zu den mutmaßlichen Kunden
des spanischen Fuentes-Dopingnetzwerks
gehörten, für die nächste "Große Schleife"
zu berücksichtigen.
CHRISTIAN PRUDHOMME
Foto: Roth
"Die Informationen
aus Deutschland bezüglich Jan Ullrich
haben die (Fuentes-Affäre)
wieder in den Vordergrund
gerückt", sagte Prudhomme
gegenüber der französischen Sportzeitung
L'Equipe.
"Das Verdachtsniveau der
verwickelten Fahrer ist ein Stück
gestiegen. Die deutsche
Justiz konnte neun
Blutbeutel Ullrich zuordnen,
das zeigt, dass es in dieser Affäre
möglich ist, Antworten zu finden",
so Prudhomme,
der betonte:
"Der Sport kann nicht erlauben,
dass Radsportler,
die in diese Affäre verwickelt sind,
bei der Tour de France starten, wenn
der Verdacht noch über ihnen hängt."
Betroffen hiervon ist in erster
Linie der Italiener Ivan Basso,
der ebenso wie Jan Ullrich
zu den Fuentes-Kunden gehört haben soll
und einer der wenigen Fahrer ist,
die noch bei einem Topteam fahren.
Der Girosieger war vom Discovery-Rennstall
verpflichtet worden, nachdem die
italienischen Sportbehörden
das Verfahren gegen ihn eingestellt hatten.
Basso ("Ich liebe die Tour") würde zum Favoritenkreis
der Frankreich-Rundfahrt gehören,
doch dort ist er nicht willkommen.
Ivan Basso Foto: Roth
Prudhomme sagte L'Equipe,
er stehe in Kontakt zu Discovery und anderen betroffenen Mannschaften.
"Ich kann nicht mehr dazu sagen.
(Die Teams) haben versprochen,
sich bei uns zu melden
und falls nicht, so treffen wir sie
nächste Woche beim Wallonischen Pfeil",
so der Tourchef.
Er hoffe,
dass die betroffenen Teamchefs
"tun, was richtig und gut für den Sport ist",
sagte Prudhomme, "aber wir haben (Discovery-Teamchef) Johan Bruyneel
beschrieben, was für
uns der richtige Pfad erscheint."
Seinen "Appell" an die
Discovery und die anderen betroffenen Teams
verband Prudhomme
mit einer klaren Drohung.
Die Tour de France, die
im letzten Jahr die Mannschaften
unter großen Druck setzte,
verdächtige Fahrer wie Ullrich und Basso am Tag vor dem Start zu suspendieren,
werde nicht zulassen,
dass die Teams den Appell
ignorieren.
Auf die Frage, was passiere,
wenn ein Fuentes-Fahrer
am 7.Juli in London am Start stehe,
antwortete Prudhomme:
"Bevor das passiert,
werden wir wissen, wie wir damit umgehen.
Die Tour wurde letztes Jahr in den Dreck gezogen
und das passiert nicht noch einmal."
Mehrere Teamchefs unterstützen den Tour-Chef in seinen
Bemühungen. Eric Boyer, Manager von Cofidis, machte schon deutlich:
"Die jüngsten Enthüllungen im Fall Ullrich haben gezeigt, dass es
möglich ist, die Wahrheit zu erfahren. Worauf warten wir noch?" Jean-
René Bernaudeau, Manager von Bouygues Telecom, sagte: "Ich
unterstütze nicht die Tour, sondern den Radsport. So können wir nicht
mehr weiter machen." Und Hans-Michael Holczer, Sportlicher Leiter von
Gerolsteiner, stellte fest: "Ich freue mich, dass die Tour so klar
Stellung bezieht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Fahrer, der
in die Affäre Puerto verwickelt ist, bei der nächsten Tour am Start
ist. Es geht um die Glaubwürdigkeit des Radsports."