PARIS, 25.10.07 (rsn) -
Die nächste Tour de France, die am 5.Juli 2008
in der Bretagne beginnt, soll der dritte Versuch eines
Neuanfangs werden, der in den letzten beiden Jahren
auch schon gewollt war, aber im Dopingsumpf stecken blieb.
Tourchef Christian Prudhomme betonte am
Donnerstag bei der wie immer pompösen Präsentation des
größten Rennens der immer kleiner werdenden Radsport-Welt, man habe bewusst
mit Traditionen gebrochen, um eine Zäsur zu markieren.
Welche und wieviele Teams das Peloton der nächsten "Großen Schleife"
bilden werden, blieb zunächst offen.
Die "Ethik" werde das entscheidende Einladungskriterium,
so Prudhomme.
Die Organisatoren der Tour wollen
um jeden Preis ein Desaster wie
letztes Jahr, als die
Rundfahrt nach zahlreichen Dopingaffären
(vor allem Vinokourov und Rasmussen)
zur Farce wurde, verhindern.
"Keine Mannschaft hat eine Garantie,
(bei der Tour 2008) am Start
zu sein", warnte Prudhomme.
Patrice Clerc, der
Präsident der Tour-Muttergesellschaft ASO,
bekräftigte die
Wichtigkeit des beim Dopinggipfel Anfang
der Woche beschlossenen
neuen Blutpass. Dieser
werde die "ethische Bedingung"
für einen Start.
Erstmals seit 40 Jahren beginnt die
Tour nicht mit einem Prologzeitfahren,
sondern mit einer Etappe en ligne
zwischen Brest und Plumelec.
Der "grand depart" erfolgt
zum sechsten Mal in der Tourgeschichte
in der radsportverrückten Bretagne,
wo ein Publikumserfolg praktisch
garantiert ist.
Die 95. Auflage der Frankreich-Rundfahrt
will neue Wege beschreiten,
um ein spannenderes Rennen zu garantieren.
Zu den Innovationen gehört,
dass es keine Zeitgutschriften mehr geben wird
- erstmals seit den 1920er Jahren...
Zur "Rückkehr zur Romantik"
(Prudhomme) kann man
auch den Wegfall der
langen Transfers zählen,
wodurch die Rennfahrer
täglich viel Zeit für die Regeneration gewinnen.
Bereits in der ersten Woche stehen die ersten Berge
auf dem Programm: In
Super-Besse im Zentralmassiv
erfolgt die erste
Bergankunft bei der 6.Etappe.
Die "Große Schleife"
wird im kommenden Jahr wieder
entgegen des Uhrzeigersinns verlaufen,
also Pyrenäen, dann Alpen.
In Italien, der einzige Abstecher
auf nichtfranzösisches Terrain,
erwartet Fahrer und Fans
mit dem Prato Nevoso ein neuer
Anstieg im Tourprogramm.
Es ist eine von vier Bergankünften.
Den ersten Schlagabtausch der
nächsten Tour werden sich die Favoriten
voraussichtlich bei
der Pyrenäenetappe nach Hautacam
liefern.
Die Alpen, die zuletzt vernachlässigt wurden,
werden nächstes Jahr der Schauplatz
der spektakulärsten Etappen.
Das "Dach" der Tour
bildet der 2802 Meter hohe Col de la Bonette/Restefond (15.Etappe),
der erst drei Mal (zuletzt 1993)
bei der Tour erklommen wurde.
Die letzte Bergetappe,
vier Tage vor dem Finale in Paris,
führt über
Galibier (2645 m) und Croix-de-Fer
(2067 m) und endet im mythischen
Alpe d' Huez, das nach einjähriger
Abwesenheit wieder
Etappenziel ist.
Die Zahl der Zeitfahrkilometer ist gegenüber
den letzten Ausgaben leicht gesunken.
Das erste "Chrono" findet am vierten Tag
in Cholet auf einem recht kurzen
Kurs (29km) statt, das zweite - wie immer am vorletzten Tag -
in Saint-Amand-Montrond
führt über eine 53km-Distanz.
Die Kletterer können sich
aber auch nicht richtig freuen:
Es gibt eine Hochgebirgsetappe weniger
und weniger große Pässe.
Dafür gibt
es mehr mittelschwere
Berge, Terrain für Attacken,
die das Rennen interessanter, offener machen,
hofft Tourchef Prudhomme.
Das Peloton der Tour 2008 soll
"mehr oder weniger" 20 Mannschaften
umfassen, wie sich Prudhomme
ausdrückte. Der Tourchef
erwartet "viele Diskussionen"
mit den Mannschaften, über denen
lange das Damoklesschwert
eines verweigerten Tourstarts
schweben wird. Damit hat die Tour ein Druckmittel
in der Hand, mit der sie
die Mannschaften zu
"ethischem" Verhalten
zwingen will.
"Keine Mannschaft kann heute sagen:
'Wir haben ein Recht auf die Teilnahme",
sagte Prudhomme
mit Blick auf Astana.
Das kasachische Team
war im Juli nach dem Dopingfall
Alexandre Vinokourov
praktisch ausgeschlossen worden
und will nun unter der neuen Leitung
von Johan Bruyneel und mit dem neuverpflichteten
Toursieger Alberto Contador
nächstes Jahr
mit neuformiertem
Team nach dem Toursieg greifen.
Der Däne Michael Rasmussen,
der im letzten Juli
vor dem sicheren Sieg stand, das Gelbe Trikot
trug,
dann von seinem Team zurückgezogen wurde
wegen dringendem Dopingverdachts,
ist jedenfalls
nicht mehr willkommen.
"Er hat keine Mannschaft und
ich kann mir schwer vorstellen,
dass ihn eine Sportgruppe,
die die Tour fahren möchte, ihn verpflichtet",
sagte Prudhomme vielsagend.
Stimmen zur Tour de France 2008
Evans und Contador am Donnerstag in Paris
Foto: Roth
Alberto Contador (ESP/Astana), Sieger 2007:
"Das ist eine Tour für Bergfahrer,
schwerer als die in diesem Jahr.
"Ich werde versuchen, die Etappe in Alpe d'Huez
zu gewinnen. Es ist eine mythische Etappe,
davon träume ich. Die Tour wird 2008 mein Hauptziel."
Cadel Evans (AUS/Predictor), Zweiter 2007:
"Die Pyrenäen vor den Alpen, das
macht für mich keinen Unterschied.
Ich denke, die zweite Hälfte wird
entscheidend sein.
Man kann im ersten Teil aber das Rennen verlieren.
Gut ist, dass die langen Transfers wegfallen.
Das ist gut für alle,
für Fahrer, Journalisten, Mechaniker.".
Alain Gallopin , Sportdirektor Astana (Contador):
"Hautacam wird der erste Schlagabtausch.
Dass es keinen Prolog gibt,
wird nicht viel verändern.
Es ist eine Tour, die eher Kletterer bevorteilt.
Gut für Contador."
Eusebio Unzue , Teamchef Caisse d'Epargne (Pereiro, Valverde):
"Es ist eine offenere
Tour. Der Restefond, da
erinnere ich mich an 1993, als
Miguel (Indurain) an dem ewigen Anstieg gelitten hat.
Die 30km Zeitfahr-Distanz weniger
wird sicherlich das Rennen mitentscheiden."
Hendrik Redant , Sportlicher Leiter Predictor (Evans):
"Für eine Mannschaft mit
Sprinter (McEwen)
und Klassementfahrer (Evans)
wird das schwer.
Da muss das Team viel arbeiten.
Wir müssen auf andere
Teams bauen. Die Reduzierung
der Zeitfahrkilometer ist ein kleiner Vorteil für Evans."
Francis van Londersele, Sportdirektor Cofidis:
"Wunderbare Tour für eine Mannschaft mit Attackierern
wie wir sie haben."
Hans-Michael Holzcer, Teamchef Gerolsteiner:
"Ohne die Transfers
gewinnen wir
jeden Tag mindestens eine halbe Stunde
an Ruhezeit.
Die Organisatoren sind
den Vorschlägen von Teams und Fahrern
entgegengekommen.
Das wichtigste für mich war heute die Aussage, dass die Ethik
entscheidend sein soll, welche Teams eingeladen werden. Ich hoffe, dass
die Tourorganisation
es nicht bei Ankündigungen belässt."
Tour de France 2008 vorgestellt
Inszenierung des Neuanfangs
PARIS, 25.10.07 (rsn) -
Die nächste Tour de France, die am 5.Juli 2008
in der Bretagne beginnt, soll der dritte Versuch eines
Neuanfangs werden, der in den letzten beiden Jahren
auch schon gewollt war, aber im Dopingsumpf stecken blieb.
weiter
Schumi freut sich über Bronze
Wütender Bettini zeigt "wie man Rennen fährt"
STUTTGART, 30.09.07 (rsn) -
Paolo Bettini,
hat es geschafft: Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch ist der von Stuttgarter
Politikern verschmähte Italiener zum Regenbogen gerast und darf sich
zum zweiten Mal in Folge mit dem Titel des Straßenweltmeisters schmücken.
weiter