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Stadträte fordern Absage
Unruhe in WM-Stadt Stuttgart


U23-DM ÍM JUNI AUF DER STUTTGARTER WM-STRECKE Foto: Roth

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STUTTGART, 04.07.07 (dpa) - Knapp drei Monate vor der Straßen-WM ist in Stuttgart wenig von Begeisterung zu spüren. Im Gegenteil. Einzelne Lokalpolitiker fordern sogar die Absage der Titelkämpfe.

Nach den zahlreichen Doping-Skandalen zeigen die Fans für die Rad-Weltmeisterschaft in Stuttgart bislang nur wenig Interesse. Für die Veranstaltung vom 25. bis 30. September sind im Vorverkauf erst 874 Karten von 10 000 Tribünenplätzen im Zielbereich verkauft worden. Hingegen wurden gut die Hälfte der 5000 Tickets in den Fanboxen abgesetzt. Nach übereinstimmenden Medienberichten vom Mittwoch forderten einige Stadträte in der Sportausschuss-Sitzung am Dienstag die Absage der WM. Für Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann kommt das aber nur bei weiteren Doping-Enthüllungen und der Streichung staatlicher Zuschüsse in Betracht.

Eine Absage fordert die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Die vom Bund vorgesehenen 150 000 Euro sollten nach Ansicht der Oppositionspartei für die Dopingbekämpfung eingesetzt werden. «Trotz Anstrengungen der Ausrichter der Rad-WM ist das Doping im Radsport offenbar nicht zurückzudrängen, daher kann in diesem konkreten Einzelfall aus Sicht von Bündnis 90/Die Grünen keine Förderung mit Steuergeldern in Betracht kommen», sagte am Mittwoch der sportpolitische Sprecher Winfried Hermann.

Sollte die Bundesregierung ihre staatlichen Zuschüsse streichen, wäre das für Stuttgarts Sportbürgermeisterin Eisenmann «ein verheerendes politisches Signal». Als Folge wäre damit zu rechnen, dass das Land Baden-Württemberg zugesagte Mittel von 80 000 Euro zurückziehe. «Dann muss die Stadt über ihre Rolle als Ausrichter neu nachdenken», zitieren die Stuttgarter Nachrichten (Mittwoch) Eisenmann.

Eine Absage wäre jedoch teuer: Die Stadt steuert 2,3 Millionen zum 5 Millionen Euro umfassenden Etat bei, wovon bislang bereits drei Millionen Euro ausgegeben sind. Zudem droht dann ein Rechtsstreit mit dem Radsport-Weltverband, da die im Vertrag mit der UCI festgeschriebene Ausstiegsklausel am 1. September vergangen Jahres ablief. Ein Millionenloch droht, falls die Schweizer Firma Infront von ihrem Rücktrittsrecht bei einem Ausstieg der TV-Sender Gebrauch macht. Für die Vermarktungsrechte hat Infront 1,5 Millionen Euro bezahlt.

Update

Der Sportausschuss des Bundestages hat am Mittwoch mehrheitlich die Forderung von Bündnis 90/Die Grünen abgelehnt, für die Rad-Weltmeisterschaften in Stuttgart keine Mittel vom Bund zu gewähren. Staatssekretär Christoph Bergner (CDU) vom Bundesinnenministerium erklärte, die Auszahlung der geplanten 150 000 Euro werde eng an die Anti-Doping-Bestimmungen geknüpft. Es werde genau geprüft, ob bei der WM vom 25. bis 30. September alle gesetzlichen Bestimmungen zur Doping-Bekämpfung eingehalten werden. Man könne aber Fördermittel nicht streichen, wie «erzürnte Eltern das Taschengeld ihrer Kinder».

In der intensiven Diskussion stellte Sportsprecherin Dagmar Freitag im Namen der SPD klar, dass es keinen Cent vom Bundesinnenministerium geben dürfe, wenn nur eine Anti-Doping- Bestimmung nicht erfüllt werde. «Wir wollen aber nicht im vorauseilenden Gehorsam Mittel für die WM streichen», meinte sie. Sollte es in Stuttgart Dopingfälle geben, müssten die Steuermittel vom Weltradsportverband UCI zurückgefordert werden.

Die Grünen hatten gefordert, die für die Rad-WM vorgesehenen Steuermittel für die Dopingbekämpfung einzusetzen. «Es wäre ein klares Zeichen, dass die Politik es ernst meint. Trotz Anstrengungen der WM-Ausrichter ist das Doping im Radsport offenbar nicht zurückzudrängen, daher kann in diesem konkreten Einzelfall aus Sicht von Bündnis 90/Die Grünen keine Förderung mit Steuergeldern in Betracht kommen», hatte der sportpolitische Sprecher Winfried Hermann den Antrag begründet.


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