BERLIN, 31.07.07 (dpa) -
T-Mobile
wird den positiv auf
Doping getesteten Profi Patrik Sinkewitz entlassen.
Der Fuldaer gestand am Dienstag Testosteron- Doping
und verzichtete auf die B-Probe. "Ich will für mein Fehlverhalten einstehen und die sich
für mich daraus ergebenden Folgen tragen. Ich will nicht taktieren,
sondern zur Wahrheit zurückfinden",
ließ Sinkewitz über seinen Anwalt mitteilen.
Patrik Sinkewitz hat seine Doping-Sünde
eingestanden. «Ich will für mein Fehlverhalten einstehen und die sich
für mich daraus ergebenden Folgen tragen. Ich will nicht taktieren,
sondern zur Wahrheit zurückfinden», sagte der 26 Jahre alte Radprofi
nach seinem Verzicht auf die Öffnung der B-Probe. Der Entlassung von
Arbeitgeber T-Mobile folgte am Dienstag prompt die Kündigung von
Sponsor Förstina. Mögliche Schadenersatzforderungen würden juristisch
überprüft, erklärte der Mineralwasser-Produzent. Sinkewitz droht
zudem eine zweijährige Sperre und laut Reglement des Weltverbandes
UCI auch die Rückzahlung seines kompletten Jahresgehalts. Ob T-Mobile
sein Engagement für das Rad-Team fortsetzt, ist offen.
Sinkewitz ließ über seinen Anwalt Michael Lehner mitteilen, dass
er sich Testogel besorgt habe. Das Mittel werde zum Ausgleich von
Testosterondefiziten angeboten und solle gerade bei harten
Trainingseinheiten einer besseren Erholung dienen. «Ohne nachzudenken
bzw. schlichtweg in großer Dummheit hatte ich mir im Trainingslager
in Frankreich am Abend vor der Dopingkontrolle heimlich Testogel auf
den Oberarm aufgetragen. Dies tat ich instinktiv und ohne an die
möglichen Folgen zu denken», sagte Sinkewitz.
Dopingverdächtigungen lasteten schön länger auf
Patrik Sinkewitz. Mit dem Verzicht auf die Öffnung der B-Probe gab
der in Fulda geborene Rad-Profi des T-Mobile-Teams am Dienstag seine
Dopingsünde zu. Bereits zu Juniorenzeiten stand der damalige
Nachwuchsfahrer während eines Trainingslagers in den USA unter
Verdacht. Zudem arbeitete er jahrelang mit dem umstrittenen Mediziner
Michele Ferrari zusammen. Nur auf Druck von T-Mobile trennte er sich
im Vorjahr vom Italiener.
Der größte Erfolg gelang dem 26-Jährigen mit dem Gesamtsieg bei
der Deutschland-Tour 2005. Damals stand er bei der Mannschaft Quick
Step unter Vertrag. In diesem Jahr gewann der T-Mobile-Fahrer beim
Klassiker «Rund um den Henninger Turm» in Frankfurt.
Der 1,78 Meter große und 63 Kilogramm schwere Sinkewitz bestritt
seine dritte Tour de France. Sinkewitz, der seit 2001 Profi ist, war
mit großen Erwartungen gestartet, ehe er nach einem Sturz das Rennen
beenden musste. Sein Manager ist Tony Rominger, dem ebenfalls Doping
nachgesagt wird.
Zudem erklärte der Fuldaer: «Es war ein großer Fehler und dem
Team, meinen Kollegen, dem Sponsor und dem gesamten Radsport
gegenüber verantwortungslos das Testogel anzuwenden. Ich hätte meine
Leistung auch ohne schaffen können und ich habe das gemacht, was das
T-Mobile Team mit seinem erheblichen Engagement gerade und als
Vorbild für andere verhindern wollte. Ich bedauere dies zutiefst.»
Sein Eingeständnis solle ein «erster Schritt zur Wiedergutmachung
sein». Er werde dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und der dort
initiierten Unabhängigen Kommission zur Verfügung stehen. «Ich bin
bereit, nach meiner Sperre in einem neuen Radsport wirklich
mitzumachen. Dieser Herausforderung stelle ich mich.»
In einer ersten Reaktion auf die positive A-Probe hatte Sinkewitz
noch erklärt: «Ich? Wieso ich? Davon weiß ich nichts. Das kann nicht
sein.» Doch nach dem von Anwalt Lehner verkündeten Verzicht auf
Öffnung der B-Probe gilt das Ergebnis der A-Probe. Sinkewitz war vor
der Tour de France bei einer Trainingskontrolle in den Pyrenäen am 8.
Juni positiv auf Testosteron getestet worden. «Die Tatsache, dass
Herr Sinkewitz auf die Öffnung der B-Probe verzichtet, bedeutet, dass
er die A-Probe anerkennt. Somit haben wir einen Dopingfall», erklärte
Christian Frommert, Leiter der Kommunikationsabteilung von T-Mobile.
Das T-Mobile-Team zog mit der Entlassung von Sinkewitz die
erwartete Konsequenz, setzt aber gleichzeitig auf die Rolle des
Doping-Sünders als Aufklärer. Der Rennstall begrüßte den Verzicht des
Radprofis auf eine Gegenanalyse. «Es ist gut, dass die Öffentlichkeit
und die Fans nicht mit albernen Verteidigungsstrategien enttäuscht
und genervt werden», sagte Frommert der Deutschen Presse-Agentur dpa.
«Im Sinne des Aufbruchs und der Entwicklung neuer Strukturen im
Radsport setzt sich hoffentlich mehr und mehr die Erkenntnis durch,
dass Leugnerei albern und peinlich ist», erklärte Frommert. Er habe
bereits in der vergangenen Woche mit Sinkewitz «Klartext geredet». T-
Mobile-Sportdirektor Rolf Aldag forderte: «Patrik muss alles auf den
Tisch legen, was dazu beiträgt, Licht ins Dunkel zu bringen.»
Die Frage des weiteren Engagements des Bonner Unternehmens für das
T-Mobile-Team lässt Frommert offen. «Diese Frage wird derzeit
diskutiert. Wir sind bisher einen harten Weg gegangen. Man muss
schauen, wie weit man ihn noch gehen kann und unter welchen
Voraussetzungen», sagte Frommert auf der T-Mobile-Internetseite. Eine
Entscheidung kündigte er für die «nächsten zwei Wochen» an. Im Fall
Sinkewitz setzt Sportdirektor Aldag, selbst geständiger Doping-
Sünder, nun auf eine «vollständige und umfassende Aufklärung».