«Er hat
nicht auf andere Fahrer gedeutet, Namen sind nicht gefallen», sagte
sein Anwalt Michael Lehner der Deutschen Presse-Agentur dpa nach der
Anhörung in Frankfurt/Main. Vielmehr habe Sinkewitz «Wissenswertes
über das Radsport-System» referiert und als Kronzeuge zur Aufklärung
beigetragen. Lehner hofft nach den «guten Verhandlungen» auf ein
«gerechtes Urteil: Nicht mehr als ein Jahr Sperre». Sinkewitz war
während der diesjährigen Tour de France Testosteron-Doping
nachgewiesen worden.
Eine Entscheidung werde erst in den nächsten zwei Wochen fallen,
sagte Lehner. Der Heidelberger Anwalt hatte bereits dem Radprofi Jörg
Jaksche dank der Kronzeugenregelung - die der Code der Welt-Anti-
Doping-Agentur WADA vorsieht - zu einer milden Strafe verholfen. Der
Ansbacher wurde für ein Jahr gesperrt. Doch Sinkewitz drohen härtere
Sanktionen: Laut Reglement des Weltverbandes UCI könnte er neben
einer zweijährigen Sperre zur Rückzahlung seines kompletten
Jahresgehalts verdonnert werden, da der Hesse vor dem Tour-Start die
Ehrenerklärung für ein sauberen Sport unterschrieben hatte.
Ungeachtet der Entscheidung des BDR-Sportgerichts hofft er auf ein
Comeback: «Ich bin bereit, nach meiner Sperre in einem neuen Radsport
wirklich mitzumachen», hatte Sinkewitz beim ersten Geständnis gesagt.
Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt unabhängig von den
sportlichen Gerichtsinstanzen weiter gegen Sinkewitz wegen des
Verdachts des Betrugs zum Nachteil seines ehemaligen Arbeitgebers T-
Mobile und verschiedener Renn-Veranstalter. «Unsere Möglichkeiten
gehen ein Stück weiter», sagte Staatsanwalt Fred Apostel auf dpa-
Anfrage. Ob der Fuldaer bereits in dieser Woche bei ihm vorstellig
gewesen sei, wollte Apostel nicht bestätigen.
Sinkewitz war während der diesjährigen Tour positiv auf Doping
getestet und vom T-Mobile-Team umgehend entlassen worden. Der Hesse
verzichtete auf die Öffnung der B-Probe und gab zu, sich in der
Vorbereitung zur Frankreich-Rundfahrt ein Testosteron-Pflaster zur
Leistungssteigerung auf den Arm geklebt zu haben. «Es war ein großer
Fehler und dem Team, meinen Kollegen, dem Sponsor und dem gesamten
Radsport gegenüber verantwortungslos», sagte Sinkewitz. «Ich hätte
meine Leistung auch ohne schaffen können und ich habe das gemacht,
was das T-Mobile Team mit seinem erheblichen Engagement gerade und
als Vorbild für andere verhindern wollte.»
Während der WM in Stuttgart wurde zudem bekannt, dass Sinkewitz
den späteren Titelträger Paolo Bettini beschuldigt haben soll, ihm
das Dopingmittel «Testogel» besorgt zu haben. Dies hat der Italiener
jedoch stets vehement bestritten.
Nach Bekanntwerden des positiven Tests am 18. Juli hatte
Sinkiewitz den Betrugsversuch zunächst noch strikt geleugnet: «Ich?
Wieso ich? Davon weiß ich nichts. Das kann nicht sein.» In seiner
Karriere feierte Sinkewitz zwei große Erfolge: 2004 gewann er die
Deutschland-Tour, bei der er auch Jan Ullrich schlug. Im Mai 2007
siegte der Hesse beim deutschen Klassiker «Rund um den Henninger
Turm» in Frankfurt/Main.
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