«Er ist bereit, an gemeinsamen Lösungen
mitzuwirken», teilte Lehner in einer Presseerklärung am Dienstag mit.
Sinkewitz, der nach seinem Unfall bei der Tour-de-France am Samstag
aus dem Krankenhaus entlassen worden war, befinde sich auf dem Wege
der gesundheitlichen Besserung.
«Es kann sich nunmehr mit Unterstützung und Rückhalt seiner
Familie und nach anwaltlicher Beratung offensiv den gegen ihn
erhobenen Vorwürfen stellen. Er wird den Sachverhalt in den kommenden
Tagen mit dem T-Mobile-Team und dem Bund Deutscher Radfahrer
erörtern», teilte Lehner mit.
Der Sinkewitz-Anwalt ließ am Dienstag in einem Interview mit dem
Fernsehsender N24 offen, ob sein Mandant die so genannte Kronzeugen-
Regelung in Anspruch nehmen wolle. «Das sind Spekulationen, an denen
wir uns nicht beteiligen.» Lehner hatte am Sonntag erklärt, dass er
den von ihm vertretenen Sportlern immer dazu rate, zu gestehen, wenn
es etwas zu gestehen gibt. «So habe ich auch Patrik beraten», sagte
der Heidelberger Sportrechtler. Lehner hatte auch den ehemaligen
Telekom-Profi Jörg Jaksche bestärkt, eine Doping-Beichte abzulegen.
Ungeklärt ist, ob und wann die B-Probe von Sinkewitz geöffnet
wird. «Die Entscheidung fällt in den nächsten Tagen», betonte Lehner.
«Eine nicht geöffnete B-Probe ist wie eine positive Probe. Das würde
die sofortige Kündigung bedeuten», sagte Christian Frommert, der
Leiter der Kommunikationsabteilung von T-Mobile der Deutschen Presse-
Agentur.
Nach Angaben von BDR-Präsident Rudolf Scharping
soll die B-Probe am Dienstag oder Mittwoch der kommenden Woche geöffnet werden.
Dies gab Scharping am Dienstag am Ruhetag der Tour de France in Pau bekannt.
Lehner habe ihm dies mitgeteilt, sagte Scharping.
Das Team, das Sinkewitz nach der positiven A-
Probe vorerst suspendierte, wohnte am zweiten Ruhetag der Tour im
selben Hotel in Pau, in dem am 8. Juni die unangemeldeten Kontrollen
der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA bei fünf T-Mobile-Fahrern
vorgenommen worden waren.
Linus Gerdemann, der bei seinem Tour-Debüt einen Etappensieg
feierte und 24 Stunden lang das Gelbe Trikot trug, erinnerte sich am
Dienstag an den 8. Juni: «Wir kamen vom Training aus den Pyrenäen und
waren ganz schön kaputt. Ich wurde als erster getestet. Sicherlich
hat sich formal nicht alles regelgerecht abgespielt, die Probe wurde
auf der öffentlich zugänglichen Toilette des Hotels vorgenommen. Aber
ich habe mir damals keinen Kopf darum gemacht und auch verzichtet,
die besonderen Umstände der Kontrolle auf einem beigefügten Papier zu
vermerken».
Sportdirektor Rolf Aldag, der seit seinem Geständnis im Mai
Erfahrung im Beichten hat, machte Sinkewitz Mut, sich zu offenbaren.
«Ich habe Patrik dazu angehalten, die Wahrheit zu sagen», sagte
Aldag, der Sinkewitz in der vergangenen Woche im Krankenhaus in der
Hamburger Unfall-Klinik Boberg besucht hatte. «Ich war zehn Jahre ein
nicht-geständiger Doping-Sünder, habe gestanden, und bin jetzt Sport-
Direktor bei T-Mobile», erklärte Aldag. «Wir brauchen aber klare
Aussagen von Sinkewitz.»
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