"Stuttgart will
sicher nicht seinen Ruf als Sportstadt riskieren, indem es die letzte
spektakuläre Veranstaltung einer im Dopingsumpf untergehenden
Sportart ausrichtet", so der Politiker. Die Straßen-WM sei jedenfalls noch lange nicht
über den Berg. Schäuble: "Ich phantasiere jetzt mal: Vielleicht kommt man sogar
zu der Erkenntnis, dass man für einen Neuanfang eine spektakuläre
Absage braucht."
Das Bundesinnenministerium will die WM eigentlich mit 150 000 Euro
unterstützen, hält die Fördermittel aber derzeit zurück. "Wir werden
keine öffentlichen Mittel für eine WM bereitstellen, die das Doping
fördert. Wenn die Rad-WM noch verantwortbar sein will, muss sie
sichtbar anders sein als andere Radsport-Ereignisse", sagte Schäuble
dem Tagesspiegel.
Am Montag wird sich Schäuble mit den Präsidenten
des internationalen und des deutschen Radsport-Verbandes, Pat McQuaid
und Rudolf Scharping, treffen und sich von ihnen ihr Konzept
erläutern lassen. Der Minister schlug vor, die Dopingkontrollen in
Stuttgart von der Welt-Anti-Doping-Agentur durchführen zu lassen.
"Das fände ich besser, als wenn das die Fachverbände übernehmen."
Die Stadt Stuttgart fordert unterdessen vom Bund
Deutscher Radfahrer (BDR), Erik Zabel nicht für die
WM vom 25. bis 30. September zu
nominieren. Stuttgarts Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann sagte
in einem Interview mit den Stuttgarter Nachrichten
(Samstagsausgabe): «Der Ansatz des Internationalen Olympischen
Komitees ist richtig: Wer jemals gedopt hat, wird von den Olympischen
Spielen ausgeschlossen. Das ist eine Erwartung, die ich auch für eine
Rad-WM des Neuanfangs hege.»
In Übereinstimmung mit den Richtlinien des IOC halte sie deshalb
«den Start von Zabel für nicht denkbar». Zabel hatte bei einer
Pressekonferenz am 24. Mai gestanden, bei der Tour de France 1995 das
Dopingmittel EPO genommen zu haben. Daraufhin hatte sich die Stadt
Stuttgart bereits von Zabel als WM-Botschafter getrennt.
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