Der frühere
belgische Masseur des deutschen Teams Telekom hatte in einem heimischen TV-
Programm erklärt, Riis sei bei seinem Sieg 1996 bei der Tour de
France «randvoll» mit dem verbotenen Ausdauermittel EPO gewesen.
|
"Monsieur 60 Prozent"
Neu oder überraschend sind die Vorwürfe
gegen Riis nicht. Als er die Tour de France gewann, hatte
der damalige Telekom-Profi im Peloton
den Spitznamen "Monsieur 60 Prozent", weil die Kollegen
raunten, Riis übertreibe es beim EPO-Gebrauch mitunter.
(rsn)
Schillernder d'Hondt
Joseph Leon "Jeff" d'Hondt war im Festina-Prozess
einer der Angeklagten.
Seit 1964 hatte er als Pfleger gearbeitet und
betreute von Freddy Maertens bis Walter Godefroot, von Richard
Virenque bis Erik Zabel so ziemlich jeden.
Er galt einmal als ein Mythos in seinem Metier.
(rsn)
|
D'Hondt berichtete in dem Interview, dass Riis einen extrem hohen
und akut gefährlichen Hämatokritwert (Anteil der roten Blutkörperchen
im Blut) von 64 gehabt habe und in der letzten Tour-Woche unter
akuten Gichtsymptomen litt. «Ich hab ihm gesagt, dass er aufpassen
soll», sagte d'Hondt. Er war 1998 von Fahrern der wegen Dopings von
der Tour ausgeschlossenen Festina-Mannschaft als zentraler Beschaffer
von Dopingpräparaten bezeichnet worden (s.a. Archiv).
«Er hatte überall Gicht und konnte seine Füße kaum noch bewegen.
Es war unglaublich», sagte d'Hondt über Riis. Beweise könne er nicht
mehr vorlegen, weil er diese bei den Polizeiermittlungen gegen
Festina verbrannt habe. Das 1996 bei Dopingkontrollen noch nicht
nachweisbare EPO sei von der Universität Freiburg gekommen.
Riis reagierte auf diese Angaben mit der Erklärung, er habe «nie
engen Kontakt zu d'Hondt gehabt». Riis ist inzwischen Eigner und Chef
des dänischen Profi-Rennstalls CSC und versucht sich international
als Vorreiter im Kampf gegen das Doping zu profilieren. Sein Tour-
Sieg für den deutschen Rennstall Telekom 1996 wurde immer wieder
angezweifelt, weil Riis innerhalb kurzer Zeit und als schon 32-
Jähriger seine Leistung plötzlich und fast explosionsartig steigern
konnte.
D'Hondt gab in dem belgischen Programm «Panorama» an, dass der
damalige Telekom-Chef Walter Godefroot zunächst gegen EPO gewesen
sei. Als dann aber Uwe Ampler dadurch immer schneller gefahren sei,
habe er «dem Druck der Fahrer nachgegeben». Stets die Einnahme von
EPO verweigert habe der damalige Sprinterkönig Erik Zabel.
Riis meinte dazu: «Es wird immer welche geben, die Kapital aus
solchen Erzählungen aus der Vergangenheit schlagen wollen. Ich will
lieber für die Arbeit und die Resultate beurteilt werden, die ich
jetzt mit meiner Mannschaft vorlege.»
Druckversion
Artikel versenden
Feedback