PARIS, 12.10.07 (rsn) -
Die Sprinter vom Spanier Oscar Freire bis zum Italiener
Alessandro Petacchi starten am Sonntag beim Klassiker Paris-Tours
mit der Hoffnung, auf der 2400 Meter langen Zielgeraden auf
der Avenue de Grammond am Ende die Nase vorne zu haben.
Doch bei dem französischen Sprinterklassiker
(256km) stehen die Chancen auf ein Sprintfinale
gar nicht mal so gut: Seit
1996 stand nur zwei Mal ein Sprinter
oben auf dem Podium, beide Male war das Erik Zabel,
der mit drei Paris-Tours- Siegen zu den Rekordhaltern zählt.
Die Strecke des Klassikers, der 1896 erstmals gefahren wurde,
ist völlig flach - die Côte du Gault-du-Perche
ist die größte Erhebung, gerade mal
200 Meter hoch.
Doch "Windhunde des Herbstes",
wie man in Frankreich die Sprinter gerne nennt,
sind bei dem veritablen Klassiker,
der 2006 sein hundertstes Jubiläum beging,
in den letzten Jahren
meist leer ausgegangen:
Andrei Tchmil (1997),
Jacky Durand mit seiner legendären Marathon-Flucht (1998),
Marc Wauters (1999)
Andrea Tafi (2000),
Richard Virenque mit einer
spektakulären 232km-Flucht
(2001), Jakob Piil (2002)
und Erik Dekker (2004)
hatten den Sprintern die Suppe versalzen.
Im vorigen Jahr war es der Franzose
Frederic Guesdon, der den Sprintern
als Aureißer ein Schnippchen schlug.
Massensprints sind
in Tours selten geworden.
Erik Zabel, der hier 1994 seinen ersten
großen Sieg feierte,
war 2003 und 2005 die
Ausnahme.
Paris-Tours: Die Favoriten
*****Oscar Freire (ESP), *****Gert Steegmans (BEL), ****Filippo Pozzato
(ITA), ***Alessandro Petacchi (ITA), ***Philippe Gilbert (BEL), **Karsten Kroon (NED),
*Allan Davis (AUS), *Alejandro Valverde (ESP), *Thor Hushovd (NOR), *Robbie McEwen
(AUS)
Es fehlen: Paolo Bettini (ITA), Tom Boonen (BEL), Daniele Bennati
(ITA), Stuart O'Grady (AUS)
Nichtsdestotrotz
spricht am Sonntag
zunächst einmal wieder
alles für das Lager der Sprinter,
das bestens besetzt ist.
Der Belgier Tom Boonen und der Italiener Daniele Bennati
haben ihre Saison beendet,
die Youngster Cavendish und Ciolek
fehlen, weil ihr T-Mobile-Team
sich in Übereinstimmung mit
dem Ethik-Kodex der Teams eine Dopingsperre verordnet hat.
Aber ansonsten ist
fast alles da, was Rang und Namen
hat von
Freire, der nach seiner Enttäuschung
bei der WM noch etwas gutmachen will,
bis zu den Milram-Stars Petacchi
und Zabel.
Freire und Petacchi haben in ihrer Karriere
fast alles gewonnen, Paris-Tours
noch nie. Auch andere Sprinterstars
wie der Norweger Thor Hushovd und der Australier
Robbie McEwen würden sich gerne
zum ersten Mal in die Siegerliste eintragen.
Zu den Favoriten muss
man am Sonntag den Belgier
Gert Steegmans zählen, der
bei Quick Step in Abwesenheit von Boonen
zum Kapitän avancierte.
Beim "Circuit Franco-Belge"
deutete Steegmans ("Bereit für Tours") vorige Woche mit zwei Tageserfolgen und
Gesamtsieg an, das er viel vorhat.
Zum erweiterten Favoritenkreis
zählen Clerk, Usov, Napolitano,
der junge Franzose Feillu
und auch Gerolsteiner-Sprinter Förster.
Zuallererst aber müssen die Sprinter
und ihre Teams dafür sorgen,
dass es überhaupt
zum Sprint kommt und nicht schon wieder
Ausreißer das Geschehen bestimmen.
Das Finale mit
mehreren kleinen Hügeln
macht Paris-Tours
taktisch sehr interessant.
Hier können puncheurs
wie der Italiener Filippo Pozzato
oder der Belgier Philippe Gilbert,
der beim Zabel-Sieg vor zwei Jahren
300 Meter vor Schluss
abgefangen wurde,
ihr Glück versuchen.
Oder vielleicht
probiert Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancellara
auf der ewig langen
Avenue de Grammond etwas?
Der Sprinterklassiker
verspricht
Spannung - nicht nur beim Sprint.
101. Paris-Tours
Kurs: 256 km. Start in Saint-Arnoult-en-Yvelines
um 11 Uhr, Zielankunft in Tours gegen
17:15 Uhr.