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Abenteuer in Peru (7)
Auch beim Transfer kommt keine Langeweile auf


Im Straßengraben: ein Bus voller Rennfahrer. Zum Glück ist niemandem etwas passiert.
Foto: Heidegger


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AREQUIPA, 08.02.07 (rsn) - Arequipa ist so etwas wie die Radsport-Metropole Perus. Aus der Millionenstadt im Süden des Landes, in der die Vuelta al Perú nun für drei Tage Station macht, stammen zum Beispiel die besten einheimischen Teams und Einzelfahrer dieser Landesrundfahrt. Das dominierende Team kommt dagegen aus Chile: Auch beim gestrigen Mannschaftszeitfahren stand der Name "Lider" am Ende ganz oben. Klingt nach ziemlich normalem Wettkampfsport und so gar nicht nach Abenteuer. Doch zum Gähnen gibt es keinen Grund: Seit der Abfahrt aus Cuzco am Mittwochmorgen ist so einiges passiert, das man bei Radrennen gemeinhin nicht erwartet

Allein der Transfer war ein Kraftakt: Volle 13 Stunden dauerte die Busfahrt von Cuzco nach Arequipa - und das auch nur für die, die mit dem Glück im Bunde waren. Das waren all jene, die vor dem Royal-Inka-Hotel in Cuzco in den hinteren der beiden Busse eingestiegen waren. Das schien zunächst die langsamere Variante zu sein - denn der vordere Bus entschwand blitzschnell aus dem Blickfeld. Plötzlich wurde er aber wieder gesehen, nach rund sechs Reisestunden "in the middle of nowhere". Und zwar in ziemlicher Schräglage, vornüber in einem Graben steckend.


(1) "Team Alemania" sorgt für Medienwirbel
(2) Sachse in Gelb nach Saqsaywamán
(3) Helden im Postkartenformat
(4) Vollbremsung für das Notebooks-Schweinchen
(5) "Prensa Alemania" im Taxi durch die Anden
(6) Auszeit für die Höhenkranken

"Der Fahrer hat sich wohl etwas zu spät zum Tanken entschlossen. Er hat die Einfahrt zur Tankstelle nicht mehr gekriegt und wir sind in den Graben gerutscht", erklärt der Weißrusse Sergej Badeka, der damit schon seinen zweiten Crash bei dieser Vuelta al Perú erlebt hat (der erste war ein Sturz, bei dem er schwere Gesichtsverletzungen davongetragen hatte - nun fährt er die Rundfahrt als Betreuer und Tourist zu Ende). Weil der Fahrer das Tempo schon gedrosselt hatte, kam immerhin niemand zu Schaden - aber der Bus steckte fest und der nächste robuste Abschleppwagen war gut und gerne drei Fahrstunden entfernt. Doch in Peru weiß man sich zu helfen: In einer rund einstündigen Bergungsaktion und mit tätiger Mithilfe der "Equipo Alemania" hievte der zweite Bus den ersten aus dem Graben. Das havarierte Gefährt schaffte es noch bis nach Juliaca, wo seine Insassen dann einige Stunden auf einen Ersatzbus warten mussten - und dieser hatte wenig später auch noch eine Panne.


In dünner Luft: Markus Weinberg, Timo Scholz, Udo Müller und Mechaniker Roland Wenz auf dem 4335 Meter hohen Pass zwischen Sicuani und Juliaca.

Vorgestern war die Vuelta noch in der Höhe zu Hause, nun prescht das Team aus den USA über eine Wüstenstraße.
Fotos: Heidegger
Womit längst noch nicht alles Pech dieses Transfertages abgehakt wäre. Der Kleinbus der Organisatoren blieb mitten in den Anden mit einem Motorschaden liegen - und selbst bei Marco Düchting ging nicht alles glatt. Der Essener hatte sich einen Flug organisiert, um der schier endlosen Fahrerei in extremen Höhenlagen zu entgehen, und sollte eigentlich in der Stadt Juliaca zwischenlanden. Dort tobte aber ein derartiges Unwetter, dass der Pilot nach drei turbulent-missglückten Landeversuchen aufgab und direkt nach Arequipa flog. Die anderen fünf Mitglieder der deutschen Radsport-Reisegruppe genossen derweil den ersten Teil der Busfahrt durch ein unfassbar prächtiges Anden-Panorama - und ächtzte auf dem zweiten Teil über den Sauerstoffmangel und die schier unerträgliche Kälte auf 4000 Metern über dem Meer. Vor der rund 100 Kilometer langen Abfahrt ins nur 2335 Meter hoch gelegene Arequipa beteten einige peruanische Rennfahrer für funktionstüchtige Bremsen. Die hielten Stand, und um 1 Uhr nachts traf der Bus in der zweitgrößten Stadt des Landes ein. Noch vor Sonnenaufgang, so hört man, trudelte der Rest im Tour-Hotel "Crisma" ein.

Begrüßungsbeben

Wegen all dieser Umstände wurde das Teamzeitfahren spontan vom Vormittag auf den Nachmittag verschoben; tags zuvor erst war es kurzerhand vom Titicaca-See ins klimatisch begünstigte Arequipa verlegt worden. Das sagt viel über die Organisationskünste der peruanischen Veranstalter. "Auf die beiden Etappen am Donnerstag und Freitag sind wir schon lange vorbereitet. Aber es war ganz schön kompliziert, das Mannschaftszeitfahren so kurzfristig auf die Beine zu stellen", sagt Guillermo León vom Radsportverband der Provinz Arequipa. Doch alles hat geklappt.

Die Zeitfahrstrecke in einer Wüste 85 Kilometer vor den Toren der Stadt war mit ihrer stetigen Steigung und 570 Höhenmetern zwar anspruchsvoll, aber durchaus edel. Auch der Straßenbelag war tipptopp, was in Peru durchaus eine Erwähnung wert ist. Dass die Fahrbahn bei einem solchen Wettbewerb nicht den Radsportlern allein gehört, ist in Südamerika normal - und bei einem Mannschaftszeitfahren durchaus zu verkraften. Das deutsche Mix-Team schlug sich übrigens ordentlich und holte mit Platz 5 seine beste Tagesplatzierung in Peru - auch daran merkt man, dass es die Hochlagen der Anden inzwischen hinter sich gelassen hat (obwohl Arequipa immer noch deutlich höher liegt als beispielsweise die Radsportriesen Marmolada und Col de Madelaine). Statt der dünnen Luft sorgen in Arequipa aber andere Naturphänomene für Gesprächsstoff: Vor allem der Sachse Markus Weinberg zuckte ganz schön zusammen, als mittags plötzlich die Erde bebte. Das passiert im von Vulkanen umgebenen Arequipa bis zu zwölfmal pro Tag, doch nicht jeder Erdstoß ist so deutlich zu vernehmen wie dieses Begrüßungsbeben. Es machte aber einmal mehr deutlich, was mittlerweile eh schon alle wissen: Langweilige kommt in Peru ganz gewiss nicht auf.

(kh)


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