It's a long way to Tipperary: Das Peloton der Peru-Rundfahrt
am Bahnhof von Cuzco. Der Transfer nach Arequipa erfolgt allerdings per Bus.
Foto: Heidegger
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CUZCO, 07.02.07 (rsn) -
Eigentlich sollte am gestrigen Dienstag die Etappe von Cuzco nach Sicuani stattfinden, eine weitere Hochland-Hatz
bei der ersten Vuelta al Perú. Eigentlich. Doch um 7 Uhr trommelte Timo Scholz die
deutsche Delegation zusammen und verkündete die Neuigkeiten: keine Etappe. Kein
Abstecher an den Titicaca-See am Mittwoch. Stattdessen ein 500-Kilometer-Transfer nach Arequipa.
Warum? Die Veranstalter begründen den Schritt damit, dass
viele Akteure des ohnehin schon sehr kleinen Pelotons ernsthafte Probleme mit der Höhenlage hätten.
Das
ist zweifellos richtig. Die Etappe nach Sicuani hätte auf einem Level über 3500
Metern stattgefunden, das Teamzeitfahren am Titicaca-See auf fast 4000
Metern. Arequipa dagegen liegt auf 2335 Metern über dem Meer. Für peruanische Verhältnisse ist das
fast schon so etwas wie Tiefland.
Die meisten Nicht-Südamerikaner sind erleichtert über diese Entscheidung. Viele von ihnen, wie zum
Beispiel der Essener Marco Düchting, der Niederländer Lex Nederlof und der
US-Amerikaner Randy Bramblett, gehen auf dem Zahnfleisch. Doch dies dürfte nicht
der einzige Grund für die Veränderungen sein. Die beiden vergangenen Tage haben gezeigt, dass sich
die Veranstalter mit Logistik und Transfers sehr schwer tun. Deshalb kann es nur
von Vorteil sein, wenn der gesamte Tourtross in Arequipa Quartier bezieht. Dort werden von Donnerstag an
drei Etappen stattfinden: Erst das Mannschaftszeitfahren, dann ein Rundstreckenrennen und
schließlich ein Straßenrennen in der Umgebung der Stadt, die für ihre majestätischen Vulkane bekannt
ist und als eine der schönsten Regionen des Landes gilt.
Wegfallen wird dadurch der Abstecher zum Titicaca-See, den viele Teilnehmer der
Rundfahrt gerne einmal zu Gesicht bekommen hätten. Timo Scholz findet zudem schade, dass die
Etappe nach Sicuani ausfällt: "Gestern bin ich extra mit einem Durchschnittspuls von 126 gefahren
und habe einen großen Rückstand in Kauf genommen, um mich ein bisschen zu schonen."
Mechaniker Roland Wenz im Mannschaftstaxi der Equipo Alemania.
Foto: Heidegger
Die wegfallenden Transfers entlasten dafür den deutschen Mechaniker Roland Wenz, der in
Peru einen Knochenjob zu erledigen hat und dazu noch - wie viele andere -
gesundheitlich angeschlagen ist. Der 42-Jährige war schon bei einigen europäischen
Rennen als Mechaniker im Einsatz - wobei ihm als Sachsen die Friedensfahrt am
meisten am Herzen liegt - und zudem in Mexiko und Thailand. "Doch die Vuelta al Perú ist
auf alle Fälle meine abenteuerlichste Rundfahrt", stellt Wenz fest und weiß:
"Gut, dass alle unsere Rennfahrer mit einem guten Nervenkostüm ausgestattet sind. Das hier wäre nichts für Mimosen."
Der in Frankenberg groß gewordene und nun im bayerischen Kolbermoor lebende Schlosser schwört übrigens
auf Stahl. Wenz ist gelernter Rahmenbauer, hat in früheren Tagen
die Rahmen für DDR-Nationalmannschaft ertüftelt und fährt seit 20 Jahren seinen eigenen Rahmen.
"Nur Stahl", betont der Sachse und erklärt, dass seine Unikate nicht
viel schwerer sind als Rahmen aus Carbon oder Titan: "Die Rahmen aus hoch veredeltem Stahl können mit Aluminium
mithalten."
Sein persönliches Highlight der Vuelta al Perú: Als ambitionierter
Hobbyfahrer durfte Wenz den Prolog in Cuzco bestreiten - zwar außerhalb der Konkurrenz
und "um die Strecke freizuräumen", wie er selbst augenzwinkernd sagt, aber immerhin. "Es macht
mich schon ein bisschen stolz, dass ich die erste Landesrundfahrt nach neun Jahren eröffnen durfte."
Auch ansonsten ist er "absolut beeindruckt" von Peru und seinen spektakulären Landschaften. Keine Frage also: Es
lohnt sich für Roland Wenz, zahlreiche Urlaubstage zu investieren und ehrenamtlich als Mechaniker zu schuften.
Nach Peru kommt man schließlich nicht alle Tage. Und auf die Startrampe einer Landesrundfahrt schon gar nicht.