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Abenteuer in Peru (5)
"Prensa Alemania" im Taxi


Taxifahrer Cesar und Timo Scholz am Pressemobil der Vuelta al Perú. Weil kein anderer Journalist die komplette Rundfahrt begleitet, ist das Taxi mit "Prensa Alemania" beschriftet.
Fotos: Heidegger


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PISAC, 06.02.07 (rsn) - Von wegen südamerikanisches Temperament: Perus Taxifahrer sind untertourige Phlegmatiker. Überhaupt: Auf den Straßen des Andenstaates geht es zwar reichlich chaotisch zu, aber das Tempo ist stets gemächlich. Doch was hat das alles mit der Vuelta al Perú und den Abenteuern der vierköpfigen Mix-Equipe aus Deutschland zu tun? Ganz einfach: Die Team- und Begleitfahrzeuge stammen hier nicht aus dem Fuhrpark eines Autohauses oder einer Mietwagenfirma, so wie bei den meisten Radrennen der Welt. Nein, in Peru sind es Taxis. Taxis mit Taxifahrern. Mit Taxifahrern, die noch nie ein Straßenrennen gesehen haben. Das macht die Sache kompliziert.

Damit es bloß keine Missverständnisse gibt: Die peruanischen Taxifahrer sind in aller Regel ausgesprochen freundliche Gesellen und geben sich auch allergrößte Mühe, um den außergewöhnlichen Anforderungen gerecht zu werden. Zum Beispiel Cesar, der Pressechauffeur. Cesar hat noch nie in seinem Leben ein Radrennen gesehen und ist nun plötzlich mittendrin im Geschehen. Dumm nur, dass sein japanischer Wagen für diesen Job nicht mehr so richtig kompatibel ist. Dass er einmal nur mit gemeinschaftlichem Anschieben ins Rollen kam, ist ja halb so schlimm. Das viel größere Problem ist: Die Hupe ist kaputt. Das scheint in Peru ein äußerst seltener Defekt zu sein; der Geräuschpegel auf den Straßen lässt jedenfalls vermuten, dass jedes Auto mit mindestens zwei Hupen ausgestattet ist. Im normalen Straßenverkehr mag das ja Mumpitz sein; bei einem Radrennen sind akustische Warnsignale aber schier unerlässlich - zum Beispiel, wenn man einen Pulk von Radfahrern oder andere Autos des Konvois überholen möchte. Cesar mogelt sich bisher so durch, wobei ihm mal jemand übersetzen muss, dass seine Lichthupe die normale Hupe nicht ersetzen kann. Radfahrer haben schließlich keinen Rückspiegel.


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Applaus für den Mann in Gelb - für Jorge Giacinti (Mitte).

Kampf gegen den Berg - ein steiniger Schlussanstieg mitten in den Anden.
Fotos: Heidegger
Von Pisac, einer kleinen Marktstadt im atemberaubend schönen Urubamba-Tal, führte die dritte Etappe der Vuelta al Perú zunächst zu den berühmten Inka-Ruinen von Ollantaytambo - und von dort aus ging's retour nach Pisac. Bis dahin wäre es eine recht relaxte Etappe gewesen, denn die Straße folgte dem Flusslauf, war deshalb recht flach und, verglichen mit dem Vortag, in einem einigermaßen passablen Zustand: Die kraterartigen Schlaglöcher waren immer von Weitem zu sehen und einen Erdrutsch hatte es hier auch nicht gegeben. Den einzigen Massensturz des Tages - die vier Deutschen waren nicht betroffen - löste ein Hund aus, nicht der kaputte Fahrbahnbelag. Das Ziel des knapp 130 Kilometer langen Tagesrittes war aber nicht direkt in Pisac, sondern auf dem Hausberg der Stadt. Das bedeutete: sieben Kilometer Kletterei von 2950 auf rund 3300 Höhenmeter. Dort oben triumphierte einmal mehr der Argentinier Jorge Giacinti von der chilenischen Lider-Mannschaft. Der hat zwar die Statur eines Sprinters, kurbelte den Berg aber Seit' an Seit' mit dem peruanischen Leichtgewicht Oscar Soliz hoch und holte unerbittlich seinen dritten Etappensieg. Danach, im Hotel, kam Giacinti nur mit Mühe die Treppe hoch, so sehr schmerzten ihm die Beine. Auch er ist also nur ein Mensch. Beruhigend.

Bester Deutscher war Marco Düchting - ein paar Zentimeter vor Udo Müller. Danach kamen gleich Markus Weinberg und Timo Scholz ins Ziel; mit dem Ausgang des Rennens hatte das "Team Alemania" aber nicht das Geringste zu tun. Immerhin aber zeigten die vier Deutschen eine geschlossene Mannschaftsleistung und gingen dem Höhenkoller sowie unkalkulierbaren Risiken aus dem Weg. Zumal es in Peru noch mehr Anstrengendes gibt als Radrennen. Zum Beispiel die Logistik: Irgendwie sollten sechs Deutsche mit fünf Fahrrädern in zwei Taxis von Pisac ins 35 Kilometer entfernte Cuzco kommen - und irgendwie hat es auch geklappt, wobei Markus Weinberg ein bisschen mehr improvisieren musste als ihm lieb war. Oder, zum Beispiel, Wasserattacken: Das Abfeuern von kleinen Wasserbomben hat Tradition in der peruanischen Karnevalssaison und ist manchmal auch ein witziger Schabernack - eimergroße Ladungen von Abflusswasser sind dagegen weniger witzig. Oder, zum Beispiel: Taxis als Begleitfahrzeuge. Doch das hatten wir schon. Noch nicht hatten wir die Etappe zwischen Cuzco und Sicuani. Die findet am Dienstag statt - hasta luego.

(kh)


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