Markus Weinberg vom Potsdamer Profiteam notebooksbilliger.de,
Zielsprint in Cuzco: Jorge Giacinti (Argentinien) gewinnt vor Francisco Cabrera (Chile) und Tiago Fiorilli (Brasilien).
Fotos: Heidegger
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CUZCO, 04.02.07 (rsn) -
Die Vuelta al Perú nimmt langsam Fahrt auf: Südamerikas neueste Radsport-Errungenschaft
hat nach dem Prolog auch die erste Etappe hinter sich gebracht - erfolgreich für den peruanischen
Radsport und den neuen Spitzenreiter Jorge Giacinti, und irgendwie auch erfolgreich für die vierköpfige
deutsche Vertretung, über deren Abenteuer
im Land der Inka RADSPORT-NEWS.COM in einem Tourtagebuch berichtet.
Das deutsche Quartett hat beim Auftakt zwar nichts gewonnen,
aber schon wieder viel gelernt über das Leben in diesem faszinierenden Land.
Die Peruaner sind findige Leute. Wer keinen Job hat oder ein Taschengeld braucht, lässt sich hier einfach etwas einfallen. Die einen verkaufen geröstete Schweinehaut (beliebter Snack für zwischendurch), die anderen frische Kaktusfrüchte oder gekochten Mais. Mädchen verscherbeln gern selbst gebastelte Fingerpuppen an Touristen, Buben bieten Postkarten feil oder gehen als Schuhputzer auf die Straße, ein alter Mann stellt in Cuzco seine Waage zur Verfügung, Ess- und Lebensberatung gegen ein paar Münzen inklusive. Und eine hübsche Fotografin hat einen ganz anderen Geschäftszweig kreiert: Sie fertigt individuelle Postkarten an. So staunten die vier Mitglieder der "Equipo Alemania" nicht schlecht, als ihnen plötzlich Postkarten unter die Nase gehalten wurden, deren tragendes Motiv sie selbst waren. Die Fotografin hat ihre Aufnahmen vom Prolog einfach zu den Fotos von Cuzcos touristischen Attraktionen gestellt und alles in ein typisches Postkarten-Layout verpackt. Sie muss es geahnt haben: Da kam kein "Nein". Auch der für hiesige Verhältnisse hohe Preis von 5 Nuevo Sol (etwa 1,20 Euro) konnte niemanden abschrecken - die Postkarten gingen weg wie warme Semmeln. Nun ja, fast wie warme Semmeln. Denn die frischen Brötchen, die im Hotel Royal Inka vor dem Mittag- und Abendessen serviert werden, erfreuen sich ebenfalls großer Beliebtheit. Nach alter Rennfahrersitte am liebsten mit Olivenöl, Pfeffer und Salz oder nach den Erfahrungen des Chile-Trips 2005 mit Karamellcreme, die Timo Scholz nach der heutigen Etappe besorgt hat.
Überraschung: "Rastamann" Marco Düchting entdeckt sein Bild in der Sportzeitung "Libero".
Foto: Heidegger
Für die peruanischen Fotografen ist die deutsche Mix-Mannschaft übrigens ein gefundenes Fressen: Alle drei großen Tageszeitungen der Region Cuzco haben ihre Prolog-Berichterstattung mit Bildern von den Gästen aus Europa garniert, obwohl sich diese gar nicht so sehr in Szene setzen konnten - zumindest sportlich nicht. Aber manchmal reicht es ja, einigermaßen professionell dreinzublicken und einen guten Eindruck zu machen.
Der Popularität des deutschen Quartetts tat auch sein eher dezenter - oder wie Udo Müller sagt: sauerstoffarmer - Auftritt bei der ersten Etappe keinen Abbruch: 35 anspruchsvolle Runden á 2,2 Kilometer waren in Cuzco zu absolvieren, und nur Markus Weinberg stemmte sich erfolgreich gegen Überrundung und Aufgabe. Die anderen Deutschen waren in guter Gesellschaft, denn am Ende fand nur ein kleines Feld den Weg ins Ziel, wo Jorge Giacinti von der chilenischen Profimannschaft Lider triumphierte.
Markus Weinberg wurde letztlich 26. - "unser Held des Tages", wie der deutsche Mechaniker Roland Wenz anmerkte. Der 23-Jährige aus der Sächsischen Schweiz ist ganz offenbar jener deutsche Athlet, der sich bisher am besten akklimatisiert hat auf knapp 3500 Metern Höhe. Auf dem Innenstadtkurs von Cuzco fand er sich jedenfalls ordentlich zurecht, auch wenn er am Ende der 77 Kilometer ganz schön ins Hecheln kam. Das Rennen fand übrigens auf der Avenue La Cultura statt, zwischen dem Bahnhof Wanchaz und dem Universitätsviertel. Die Organisatoren der Vuelta al Perú haben es also geschafft, eine wichtige, vierspurige Verkehrsachse der 300.000-Einwohner-Stadt für einen Vormittag sperren zu lassen - allein das zeigt, dass sie bereits weit gekommen sind in ihrem Bestreben, eine Art Radsportkultur in ihrer Heimat aufzubauen. Hier, mitten in der City, fand sich auch eine beachtliche Zuschauerzahl ein. Die meisten von ihnen waren wohl Passanten, die sich so oder so in dieser belebten Gegend getummelt hätten. Aber sie blieben staunend stehen und beobachteten das ungewohnte Treiben auf dem Asphalt; in Zielnähe standen sie sogar in Viererreihen. "Das ist ein viel größeres Publikum als wir erwartet hatten", stellte Mario Yepez vom Radsportverband der Provinz Cuzco zufrieden fest.
Die zweite Etappe führt am Sonntag von Cuzco nach Pisac - und da werden wohl auch die Europäer mal wieder ein bisschen besser durchatmen können. Pisac liegt auf 2950 Metern über dem Meer, "nur" auf 2950 Metern. Wie sich doch plötzlich die Relationen verschieben: Eine Woche Peru - und schon gelten 2950 Höhenmeter als eine ziemlich niedrige Angelegenheit.